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Müller ärgert sich über aggressiven Newey: "Wäre beinahe vorbei gewesen"

Frust bei Nico Müller nach Platz sechs in Zolder und der verloren DTM-Führung: Wie ihn Newey beinahe aus dem Rennen gerissen hätte und wieso nicht mehr ging

(Motorsport-Total.com) - "Das ist ein Witz", schimpft Nico Müller nach Platz sechs beim Samstagsrennen der DTM in Zolder fassungslos in den Boxenfunk. Denn der belgische Kurs bringt dem Dominator der bisherigen Saison, der die Führung in der Meisterschaft drei Rennen vor Schluss an Rene Rast verloren hat, kein Glück.

Rene Rast, Ferdinand Habsburg

Wenige Sekunden später kracht es zwischen Newey und Müller Zoom

Und immer wieder ist Harrison Newey im Spiel. Schon vor einer Woche biss sich Müller auf Platz neun am WRT-Audi-Rookie die Zähne aus, diesmal knallte es bereits in der zweiten Kurve nach dem Start.

"Newey ist Nico reingefahren - und wir haben viele Positionen verloren", ärgert sich Abt-Audi-Sportdirektor Thomas Biermaier über die Situation, bei der Müller von Platz sieben auf Platz 15 zurückfiel. "Das hätte sein Rennen beinahe beendet."

Müller dachte, er wäre Opfer von Kettenreaktion

Auch Müller findet, dass es der WRT-Audi-Pilot klar übertrieben hat: "Ich verstehe nicht ganz, warum er schon in der zweiten Kurve des Rennens so aggressiv ist und riskiert, mein Rennen zu ruinieren und dabei auch in den Titelkampf einzugreifen."

Doch wie erlebte Müller die Kollision mit dem Sohn des Formel-1-Stardesigners? "Er hatte eine schlechte erste Kurve und hat dadurch den Schwung verloren. Ich wollte außen rum und habe in Kurve 2 viel Platz gelassen. Nach dem Scheitelpunkt, den ich nie gesehen habe, weil ich so viel Platz ließ, bekomme ich auf einmal einen heftigen Schlag ab. Dann ist mir die Strecke ausgegangen."

Newey habe ihn "weggekegelt", sagt Müller, der in der Folge auch noch mit dem BMW von Timo Glock kollidierte. "Wenn ich am Ende der Kurve nicht gebremst hätte, dann wäre ich im Kies gelandet. Dann wäre das Rennen vielleicht vorbei gewesen." Dabei hatte Müller zunächst gedacht, dass er Opfer einer Kettenreaktion wurde.

"Ich dachte erst, er wäre auch getroffen worden. Aber nachdem ich mir die TV-Bilder angeschaut habe, war da nichts", zeigt er sich verwundert über die harte Gangart des Rookies. "Ich wurde Opfer von jemanden, der es übertrieben hat."

Immer wieder Harrison Newey

Wenige Runden später gab es ein Wiedersehen: Drei Umläufe nach Müllers frühem Stopp am Ende der fünften Runde, zu dem sich die Abt-Audi-Truppe entschloss, um ihn aus dem Verkehr zu holen, kam auch der Brite an die Box - und machte sich daraufhin erneut vor ihm breit.

"Er hat wieder wie verrückt verteidigt", sagt Biermaier, der am Kommandostand verärgert den Kopf schüttelte. Und Müller sagt bloß: "Das Timing war unglücklich - mit Leuten, die aus der Box kommen und um ihr Leben fahren."


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Doch nach zwei Runden gelang es Müller, Newey in einen Fahrfehler zu zwingen und vorbeizugehen. Damit war allerdings Endstation: Ausgerechnet an seinem Landsmann Fabio Scherer, der auf Platz fünf lag, fand Müller bis zum Rennende keinen Weg vorbei.

Warum Müller nicht an Scherer vorbeikam

"Es hat mich selbst überrascht, dass ich gegenüber Fabio nicht das Heft in der Hand hatte", sagt Müller, der von einem langweiligen Rennen spricht. "Aber ich denke, das war auf die Pace zurückzuführen. Ich war einfach nicht schnell genug. Ich war früh an der Box. Meine Reifen hatten ihren Höhepunkt schon hinter sich." Zudem habe man im Gegensatz zur Konkurrenz auf gebrauchte Reifen gesetzt.

Aber was hat Müller mit seinem emotionalen Funkspruch nach dem Rennen genau gemeint? "Dass in so kurzer Zeit so viel gegen einen laufen kann", sagt er bei 'ran.de'. "Und das leider zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt in der Saison."

"Laune nach ein paar Stunden schon wieder besser"

Er könne mit einem "Tag wie diesem nicht zufrieden sein, nachdem ich die Meisterschaft mehr als zwei Drittel der Saison angeführt habe - und eine Basis hatte, mit der wir in der Lage waren, jedes Mal um den Sieg mitzufahren", zeigt sich der 28-Jährige, dessen Felle im Titelkampf gegen Rast davonschwimmen, zerknirscht.

Schon im Qualifying, in dem er nicht über Platz acht hinausgekommen war, habe das Tempo gefehlt. "Und im Rennen habe ich mich auch nicht stark genug gefühlt - das ist natürlich negativ." Das lag auch daran, dass Müller durch den Zwischenfall zu einem frühen Stopp gezwungen wurde. "Wir hätten ein viel besseres Rennen haben können", sagt er.

Dennoch sieht Müller nach dem frustrierenden Tag nicht alles negativ. "Wir haben nie aufgegeben", sagt er. "Es war wichtig, vom vorletzten Platz nach Kurve 2 auf Platz sechs zu kommen." Man habe schon genügend Punkte liegen lassen, "aber wir geben nicht auf", übt er sich in Durchhalteparolen. Auch die Laune sei "nach ein paar Stunden schon wieder besser", obwohl er nach wie vor unzufrieden sei. Aber: "Morgen geht es weiter."

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