powered by Motorsport.com

Lawson über Van-der-Linde-Rammstoß: "Schmutzigster Typ, gegen den ich fuhr"

Schmutzigster Fahrer, Schande für den Motorsport, Idiot - Heftige Vorwürfe von Liam Lawson und seinem Ingenieur gegen Kelvin van der Linde: Wie sich der rechtfertigt

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Norisring-Titelfinale (hier geht's zum Rennbericht) machte AF-Corse-Pilot Liam Lawson seinem Ärger über Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde Luft. "Das ist ehrlich gesagt der schmutzigste Typ, gegen den ich je gefahren bin", so der 19-jährige Red-Bull-Youngster. "Er scheint es nie zu lernen."

Kelvin van der Linde, Liam Lawson

Momente vor dem Crash: Kelvin van der Linde rammt Liam Lawson Zoom

Denn der Titelrivale war Pole-Setter Lawson, dem eigentlich Platz sechs zum großen Triumph gereicht hätte, in der erste Kurve nach dem Start aus der ersten Reihe ins Auto gedonnert. Wie schon am Vortag. "Die Lenkung ist kaputt", funkte Lawson. Und rollte das ganze Rennen im Bummeltempo um den Kurs.

Lawson ist nicht der einzige, der nach dem Rennen stinksauer auf van der Linde war. Sein Renningenieur Jorge Segers - früher übrigens bei Abt - fand auf 'Instagram' sogar noch härtere Worte: "Dieser Kerl ist eine Schande für den Motorsport. Zwei Tage in Folge ... Gute Arbeit, unsere und seine Meisterschaft zu ruinieren."

"Er war in beiden Situationen der gleiche Idiot"

Denn während van der Linde nach einer weiteren Kollision mit HRT-Mercedes-Pilot Maximilian Götz, der am Ende im Titelkampf der lachende Dritte war und Meister wurde, einen Reifenschaden hatte und 17. und Letzter wurde, kam Lawson mit 24 Runden Rückstand zwar ins Ziel, wurde aber nicht gewertet.

Doch wie lautet der Vorwurf des Neuseeländers? "Wir waren dieses Wochenende immer schnell, haben alles richtig gemacht, hatten zwei Polepositions", holt er aus. "Und in beiden Situationen in der ersten Kurve war er der gleiche Idiot. Er hat das gleiche zweimal gemacht. Er lernt nicht. Da kann man leider nichts machen. Das ist wirklich frustrierend."

Für Lawson war die Situation "im wahrten Sinne des Wortes" ein Abbild von dem, was am Vortag passierte. "Ich habe abgedeckt, fuhr auf der linken Seite auf die erste Kurve zu. Und Kelvin dachte, dass da Platz ist und hat sich entschieden, 20 Meter zu spät zu bremsen und es dort zu versuchen. Ich war schon zur Hälfte durch die Kurve - und sah plötzlich, dass der Audi auf mich zukommt."

Lenkhebel beim Ferrari verbogen

Der Aufprall war "so hart, dass meine Aufhängung gebrochen ist", verweist Lawson auf die krumme Spur seines Ferrari 488 GT3 Evo. Das AF-Corse-Team stellte nach dem Rennen fest, dass nach dem Anprall in die linke Front des Fahrzeugs ein Lenkhebel verbogen wurde.

"Die Lenkung war schief", bestätigt Lawson, der das Manöver nicht verstehen kann. "Da ist kein Platz, um es innen zu probieren, vor allem wenn man so spät bremst."

Kelvin van der Linde wurde für das Manöver mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belangt, weil er auf unsichere Weise auf die Strecke zurückgekehrt sei. Aber wie reagiert der Südafrikaner auf die Vorwürfe des AF-Corse-Rivalen?

Van der Linde: "Bremse war nicht richtig da"

"Ich sag mal, Bremsen in Kurve 1 ist immer schwierig", so van der Linde bei 'ran.de' über den Zwischenfall. "Da war ich ehrlich gesagt überrascht. Die Bremse war meiner Meinung nach nicht richtig da. Dann musste ich ausweichen. Ich wollte ihm nicht ins Auto fahren, das war nicht meine Aufgabe. Dann hatten wir in Kurve 1 Kontakt."


DTM-Finale Norisring 2021: Kollisionen, Taktik - Götz ist Meister!

Dramatischer kann ein Saisonfinale kaum sein: Die Titelkandidaten Liam Lawson und Kelvin van der linde kollidieren erneut - Geballte Mercedes-AMG-Power verhilft Maximilian Götz zu seinem ersten DTM-Titel Weitere DTM-Videos

Dass das Manöver sehr nach Absicht aussah, kann van der Linde zwar nachvollziehen, aber er will davon nichts wissen. "Ja, sieht man vielleicht so, aber im Auto sieht es anders aus."

Rast verteidigt Schützling van der Linde

Ex-DTM-Champion Rene Rast, der gemeinsam mit Dennis Rostek van der Linde betreut und 2022 aller Voraussicht nach bei Abt sein Teamkollege wird, zeigt Verständnis für die Aktion. "Ihm war klar, er musste was riskieren", so Rast bei 'ran.de'. "Es wäre nicht genug gewesen, wenn er nur hinter Liam ins Ziel gerollt wäre, denn er hatte 19 Punkte Rückstand."

Daher habe van der Linde keine andere Wahl gehabt als in der ersten Kurve etwas zu versuchen, um das Rennen zu gewinnen. "Natürlich sah es im Endeffekt im TV so aus, als wenn er wieder ein bisschen zu spät und zu aggressiv war, aber ich glaube, er war in dem Moment so motiviert, dass er die Führung übernehmen wollte, dass es dann zu dem Vorfall kam."

Rast versucht, sich in die Lage van der Lindes zu versetzen. "Für den Jungen geht es um alles", so Rast. "Das ist sein erstes Jahr in der DTM und er will die Meisterschaft gewinnen." Lawsons Vorwurf, der Abt-Audi-Pilot sei der schmutzigste Rennfahrer, gegen den er je gefahren sei, kann Rast "nicht so bestätigen".

AF-Corse-Sportdirektor: "Eine Schande für den Sport"

Dieser fahre "hart, dass weiß auch jeder, aber in der Regel ist er ein fairer Fahrer", sagt er über seinen Schützling, mit dem er 2014 den Titel im ADAC GT Masters geholt hat und den er regelmäßig beratschlagt. "Er hat alles versucht, aber aus Ferrari-Sicht würde ich es natürlich ähnlich sehen."

Tatsächlich ist die Enttäuschung beim Ferrari-Team AF Corse groß. "Wir wollen uns nicht zu irgendeiner Situation äußern, die heute auf der Strecke passiert ist", so Sportdirektor Ron Reichert bei 'ran.de', als er auf den Rammstoß van der Lindes gegen Lawson angesprochen wurde. "Es ist einfach eine Schande für den Sport, was heute wieder auf der Rennstrecke passiert ist."

Damit meine er das gesamte Rennen, womit er auch auf die Mercedes-AMG-Herstellertaktik anspielt, die Götz zum Champion machte. "Wir hätten das heute alle fair und sauber ausfahren können, und der bessere hätte gewonnen. Das war leider nicht der Fall."