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  • 24.05.2015 · 10:27

  • von Stefan Ziegler

Frau am Steuer: Alle DTM-Fahrerinnen seit 1984

Wir stellen die zehn Fahrerinnen vor, die sich von 1984 bis 2012 in der DTM versucht haben, und nennen ihre Erfolge in dieser und anderen Rennserien

(Motorsport-Total.com) - Motorsport ist eine Männerdomäne. Und nur wenigen Frauen gelingt der Sprung in die wichtigsten Rennserien. Auch in der DTM waren sie seit jeher in der Minderheit. Dabei ist es einer Fahrerin sogar gelungen, einen DTM-Laufsieg zu erzielen. Aber wer waren die Frauen in der DTM und was haben sie im Motorsport erreicht? 'Motorsport-Total.com' erzählt die Geschichte der zehn Fahrerinnen in der DTM in chronologischer Reihenfolge - von Lella Lombardi über Ellen Lohr zu Rahel Frey!

Susie Stoddart, Vanina Ickx

Susie Wolff und Vanina Ickx sind zwei von insgesamt zehn Fahrerinnen in der DTM Zoom

Lella Lombardi (Italien)
Bekannt ist Lella Lombardi vor allem als die einzige Frau, der es gelungen ist, in der Formel 1 in die Punkteränge zu fahren. So geschehen beim Großen Preis von Spanien 1975, als sie als Sechste abgewinkt wurde. 1984 wiederholte sie diese Leistung bei einem DTM-Gaststart in Hockenheim für Alfa Romeo. Als erste Frau nahm sie an dieser Rennserie teil - und erzielte sogleich einen siebten Platz. Doch als Gastpilotin fuhr Lombardi außer Konkurrenz und war damit nicht punkteberechtigt.

Die Italienerin absolvierte in ihrer Rennkarriere insgesamt zwölf Grand-Prix-Rennen in der Formel 1 und startete viermal bei den 24 Stunden von Le Mans. Ihr bestes Ergebnis beim Langstrecken-Klassiker war ein neunter Platz für Porsche im Jahr 1976. Ein Jahr später bestritt Lombardi in Daytona auch ein NASCAR-Rennen und wurde auf Rang 31 gewertet. Im Anschluss an die Saison 1988 beendete sie ihre sportliche Laufbahn. 1992 erlag Lombardi im Alter von 50 Jahren einem Krebsleiden.

DTM-Saisons: 1984
DTM-Rennen: 2
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 0

Beate Nodes, DTM 1986

Erfolgserlebnis: Beate Nodes fuhr als erste Frau ein Top-3-Ergebnis in der DTM ein Zoom

Beate Nodes (Deutschland)
Als Gesamtsiegerin des Ford-Fiesta-Ladies-Cups 1984 wechselte Beate Nodes zur Saison 1985 in die DTM und startete dort als erste deutsche Fahrerin. Bis 1988 blieb sie der Rennserie treu und bestritt in dieser Zeit insgesamt 28 Wertungsläufe für Ford. Nodes sammelte gleich im Debütjahr als erste Pilotin Punkte in der DTM (Siegerland) und erzielte im Folgejahr als erste Frau eine Top-3-Platzierung, als sie auf der AVUS in Berlin als Dritte gewertet wurde. Letztmals Punkte holte sie 1988 ebenfalls auf der AVUS.

Bis 1994 absolvierte Nodes weitere Rennen im In- und Ausland und nahm unter anderem am 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife teil. Nach dem Ende ihrer Motorsport-Karriere wurde sie Geschäftsfrau im Einzelhandel. 2008 verstarb sie im Alter von 44 Jahren an Herzversagen.

DTM-Saisons: 1985-1988
DTM-Rennen: 28
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 99

Traudl Klink (Deutschland)
Wie Beato Nodes vor ihr, so startete auch Traudl Klink zunächst im Ford-Fiesta-Ladies-Cup und sicherte sich 1985 den Meistertitel. Ihre anschließende DTM-Karriere aber war kurz: Klink stand mit Ford nur einmal in der Startaufstellung. 1986 fuhr sie am Nürburgring, kam aber nicht über die Distanz und sammelte daher auch keine Punkte.

1989 startete Klink bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps und nahm von 2004 bis 2010 mehrfach am 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife teil. Klink ist heute 59 Jahre alt und leitet seit 2000 ein eigenes Motorsport-Unternehmen, das auf ihren Namen hört. TKS Motorsport, so der Titel des Rennstalls, bietet vieles von Fahrerlehrgängen über Renneinsätze.

DTM-Saisons: 1986
DTM-Rennen: 1
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 0

Ellen Lohr

Ellen Lohr macht die Männer nass: 1992 gewinnt sie als erste Frau ein DTM-Rennen Zoom

Ellen Lohr (Deutschland)
Die erfolgreichste DTM-Pilotin aller Zeiten. 145 Rennen, 283 Punkte, eine schnellste Runde - und am wichtigsten: ein Sieg. Denn Ellen Lohr ist es als bislang einziger Frau gelungen, einen DTM-Lauf für sich zu entscheiden. 1992 ließ sie in Hockenheim ihre Mercedes-Markenkollegen um Ex-Formel-1-Champion Keke Rosberg hinter sich. Weitere vier Male stand Lohr in ihrer DTM-Karriere auf dem Treppchen. Sie blieb der Rennserie auch während der ITC-Zeit und bis einschließlich 1996 erhalten.

Zuvor hatte sich Lohr am Ende der 1980er-Jahre in der Formel 3 Duelle mit Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen geliefert und war unter anderem in Monaco auf Platz zwei gefahren. Nach ihrer DTM-Laufbahn bestritt sie diverse Tourenwagen- und Sportwagen-Rennserien, nahm an der Rallye Dakar teil, fuhr in Markenpokalen und im GT-Masters. 2015 ist die heute 50-Jährige, wie schon in den vergangenen Jahren, in der Truck-EM aktiv und fungiert darüber hinaus als Markenbotschafterin für Mercedes.

DTM-Saisons: 1987-1996
DTM-Rennen: 145
DTM-Siege: 1
DTM-Punkte: 283


Fotostrecke: Ellen Lohr in der DTM

Mercedes Stermitz (Österreich)
Die "Miss Österreich" von 1983, Mercedes Stermitz, hat ihre sportlichen Wurzeln ebenfalls im Ford-Fiesta-Ladies-Cup, wo sie ab 1984 am Start war. Von dort es ging es mit BMW gleich in die 1987 einmalig ausgetragene Tourenwagen-WM - und das mit Erfolg: Stermitz erzielte zwei Top-10-Ergebnisse. Zur Saison 1988 stieg die Österreicherin in die DTM ein und fuhr zwölf Rennen für BMW, in denen sie elf Punkte holte. Ihr bestes Resultat war ein 15. Platz beim Flugplatz-Rennen in Wunstorf.

Nach ihrer DTM-Karriere zog es Stermitz für einzelne Rennen ins Formelauto und in den Sportwagen. In der deutschen Formel 3 holte sie Punkte, im Porsche bestritt sie unter anderem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Ein schwerer Verkehrsunfall setzte Stermitz' sportlicher Laufbahn 1993 ein jähes Ende. Mit dem Motorsport hat die heute 57-Jährige nichts mehr zu tun.

DTM-Saisons: 1988
DTM-Rennen: 12
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 11

Ellen Lohr, Annette Meeuvissen

Annette Meeuvissen, hier im Bild mit DTM-Rennsieger Ellen Lohr in der Saison 1991 Zoom

Annette Meeuvissen (Deutschland)
Und noch eine Absolventin des Ford-Fiesta-Ladies-Cups: Annette Meeuvissen stieg 1982 schon im Alter von nur 20 Jahren in diese Rennserie ein, drei Jahre später startete sie beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps. 1987 zog es auch sie in die Tourenwagen-WM, die sie übrigens als Stallgefährtin von Mercedes Stermitz für BMW bestritt und gemeinsam mit ihrer Kollegin in die Top 10 fuhr. Auch in der Europameisterschaft lief es rund für das Duo: In Zeltweg gab's 1987 einen siebten Platz.

Meeuvissen fuhr anschließend von 1988 bis 1991 in der DTM und absolvierte 59 Wertungsläufe. Sie holte 18 Punkte und erzielte Rang elf als persönliche Bestleistung, stets für BMW. Ihre Rennkarriere beschloss die Deutsche mit einem 17. Platz bei den 24 Stunden in Spa-Francorchamps 1992, ehe sie sich sozialen Projekten in Afrika widmete und danach als Flugbegleiterin tätig war. 2004 starb Meeuvissen im Alter von 42 Jahren an Krebs.

DTM-Saisons: 1988-1991
DTM-Rennen: 59
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 18

Vanina Ickx (Belgien)
Als Tochter von Motorsport-Legende Jackie Ickx trat Vanina Ickx schon früh in die großen Fußstapfen ihres Vaters und fuhr mit 21 Jahren bei 24-Stunden-Rennen mit, wobei Papa Ickx teilweise als ihr Teamkollege dabei war. An seiner Seite bestritt die Belgierin später auch die Rallye Dakar und wechselte schließlich in den Sportwagen. 2006 wagte sie mit Audi den Schritt in die DTM, fuhr in 19 Rennen in Vorjahresmodellen aber nie in die Punkte. Ihr bestes Resultat war ein elfter Platz in Hockenheim.

Nach ihrer DTM-Karriere setzte Ickx ihre sportliche Laufbahn im Sportwagen fort und absolvierte auch diverse Tourenwagen-Rennen in ihrer belgischen Heimat. Von 2008 bis 2011 nahm sie zudem jährlich am 24-Stunden-Rennen in Le Mans teil, wo sie 2011 den siebten Platz erzielte, und startete auch mehrmals beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Danach ist es aber still geworden um die inzwischen 40-jährige Rennfahrerin. Seit 2011 hat sie keine Rennen mehr bestritten.

DTM-Saisons: 2006-2007
DTM-Rennen: 19
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 0

Susie Wolff, Susie Stoddart

Susie Wolff fuhr lange Zeit in der DTM, punktete aber nur in zwei Rennen Zoom

Susie Wolff (Großbritannien)
Nach einer eher unauffälligen Karriere in diversen Formelserien in ihrer britischen Heimat erhielt Susie Wolff zur DTM-Saison 2006 ihre große Chance: Mercedes holte die Schottin in die Rennserie, doch erst in ihrem fünften Jahr holte Wolff zum ersten und einzigen Mal Punkte - in Klettwitz und in Hockenheim belegte sie jeweils den siebten Platz und erzielte damit den 13. Gesamtrang. Nach sechs Saisons, oft in Vorjahresautos, verließ sie die DTM Ende 2012 nach 72 Rennen, um in der Formel 1 als Testfahrerin zu arbeiten.

Beim britischen Williams-Team schrieb Wolff übrigens in der Formel-1-Saison 2014 Geschichte: Im Freien Training zum Großen Preis von Großbritannien in Silverstone bewegte sie als erste Frau sei 22 Jahren ein Formel-1-Auto an einem Rennwochenende. Inzwischen hat sie bereits mehrere Testtage für Williams absolviert. Begonnen hat die heute 32-Jährige ihre Rennkarriere unter ihrem Geburtsnamen Stoddart, den sie nach ihrer Hochzeit mit dem jetzigen Mercedes-Sportchef Toto Wolff im Jahr 2011 ablegte.

DTM-Saisons: 2006-2012
DTM-Rennen: 72
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 4


Fotostrecke: Frauen in der DTM

Katherine Legge (Großbritannien)
Über Nordamerika nach Deutschland: Katherine Legge hatte es nach dem Formelsport in ihrer Heimat Großbritannien zunächst in die USA gezogen, wo sie bis 2007 in der ChampCar-Serie aktiv war. Dann holte sie Audi zur DTM-Saison 2008 nach Deutschland. Drei Jahre lang fuhr Legge, ebenfalls meist in Vorjahresautos, ihren männlichen Kollegen häufig hinterher. 2009 kam sie den Punkterängen in Hockenheim und am Norisring mit Platz zwölf recht nahe, blieb in allen ihrer 31 DTM-Rennen aber punktelos.

Nach der DTM-Saison 2010 kehrte Legge dem europäischen Motorsport-Schauplatz wieder den Rücken und wechselte zurück nach Nordamerika, wo sie ab 2012 in der IndyCar-Serie antrat und unter anderem das Indy500 bestritt. Inzwischen ist die heute 34-Jährige vielbeschäftigt und fährt neben Formelautos auch Sportwagen und Prototypen. Zuletzt saß Legge auch in der neuen Formel E hinter dem Lenkrad und hat unter anderem den innovativen DeltaWing pilotiert.

DTM-Saisons: 2008-2010
DTM-Rennen: 31
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 0

Rahel Frey

Rahel Frey ist als bislang letzte Frau in die Punkteränge der DTM vorgedrungen Zoom

Rahel Frey (Schweiz)
Als erste Frau stand Rahel Frey im deutschen Formel-3-Cup auf dem Treppchen und als erste Frau holte sie 2009 in dieser Rennserie auch einen Sieg. Nach einem Jahr im Sportwagen, wo die Schweizerin unter anderem an der GT1-WM und an den 24 Stunden von Le Mans teilnahm, verpflichtete sie Audi zur Saison 2011 für die DTM. In ihrem vorletzten von insgesamt 20 DTM-Rennen gelang Frey ihre erste Punktefahrt: In Valencia hielt sie Ex-Weltmeister Andy Priaulx in Schach und wurde Siebte.

Frey blieb Audi nach ihrer zweijährigen DTM-Zeit verbunden und wechselte zurück in den Sportwagen. Damit bestritt sie die 24-Stunden-Rennen von Le Mans und an der Nürburgring-Nordschleife. Aktuell fährt die 29-Jährige im GT-Masters sowie im chinesischen Audi-R8-Cup. Und bis zur nächsten Top-10-Fahrt einer Frau ist sie die letzte Rennfahrerin in den DTM-Punkterängen.

DTM-Saisons: 2011-2012
DTM-Rennen: 20
DTM-Siege: 0
DTM-Punkte: 6

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