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DTM-Gaststarter-Vergleich 2018: Alle hatten ihr Päckchen zu tragen

Mattias Ekström, Alex Zanardi, Sebastien Ogier - Wer konnte bei seinem Promo-Auftritt die beste Figur machen? Leicht hatten sie es nicht ...

(Motorsport-Total.com) - Als wäre es nicht schon schwierig genug, als Gaststarter an einer Serie teilzunehmen, in der alle um einen herum um Punkte kämpfen, während man selbst außer Konkurrenz fährt. Die drei Gaststarter der Saison 2018 hatte alle je auch noch eine zusätzliche Schwierigkeit zu bewältigen. Mattias Ekström trat bei seinem Abschiedsrennen zum Saisonauftakt in Hockenheim während der beginnenden Audi-Krise an. Alex Zanardi bekam nicht nur einen umgebauten BMW, er musste sich auch noch bei jeder Session anderen Wetterbedingungen stellen. Und Sebastian Ogier platzte bei Mercedes in eine titelentscheidende Zeit, in der er der Strategie zum Opfer fiel.

Dennoch konnten alle drei Gaststarter auch ihre Highlights setzten. Allen voran: Alex Zanardi mit seinem fünften Platz bei Heimrennen in Misano. In Sachen emotionalster Auftritt konnte er so mit Ekström mithalten. Den langjährige Audi-Piloten begleiteten das Auftaktwochenende über alle Sympathien des Fahrerlagers. Und Ogier konnte sich in Spielberg den Respekt erarbeiten, als er sein Auto rundenlang quasi blind auf der Strecke heilt.

Wer hat die Herausforderung also am besten gemeistert. Das ist angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen schwer einzuschätzen. Nur die nackten Zahlen geben zumindest eine Tendenz.

Ekström-Faktor ging unter

Ekström trat natürlich mit der Erfahrung aus 17 Jahren DTM und einer Pause von nur einem halben Jahr seit seinem Abschied an. Bis auf die verpassten Testfahrten war er also mehr auf Augenhöhe mit den Stammpiloten als die anderen Gaststarter ohne DTM-Erfahrung. Sein Problem: Nach dem dominanten Jahr 2017 legte Audi den klassischen Fehlstart hin.

Der beste Audi landete in Rennen 1 nur auf Platz neun - drei Audianer landeten auf den letzten Plätzen. In Rennen 2 schaffte es Mike Rockenfeller zwar aufs Podium. Aber insgesamt nahm Audi an diesem Wochenende nur 39 Punkte mit, während BMW 72 holte und Mercedes 103.


DTM-Auftakt in Hockenheim: Der Ekström-Abschied

So hat Mattias Ekström sein letztes DTM-Rennwochenende nach 17 Jahren erlebt Weitere DTM-Videos

Ob dieser Unterlegenheit konnte auch der Ekström-Faktor nichts ausrichten. In Trainings und Qualifying hing er durchschnittlich eine Sekunde hinter den Bestzeiten. In den Rennen kam er rund eine halbe Minute hinter dem Sieger in Ziel. Im Freitagstraining hatte er mit Platz neun noch Hoffnung geschürt. Spätestens im zweiten Qualifying, als ihm 1,664 Sekunden auf die Bestzeit und 0,927 auf den Vordermann fehlten, war das Schicksal besiegelt.

Timo Glock beschuldigte ihn noch, doch ein wenig ins Renngeschehen eingegriffen zu haben. Der große Skandal blieb aber ebenso aus, wie ein letzter sportlicher Erfolg. Aber so ehrgeizig ein Ekström auch stets war, so gut gelaunt kennt man den verschmitzten Schweden auch im Fahrerlager. Und sein Lächeln hat er sich nicht nehmen lassen. Auch wenn er vor dem Wochenende noch gehofft hatte, seine Ex-Kollegen würden ihn gewinnen lassen.

Darauf hat Zanardi 51 Jahre gewartet

Aber das hat nicht einmal derjenige geschafft, der Rennfahrern und Fans auf der ganzen Welt den vielleicht größten Respekt abverlangt. Die Nachricht, dass Alex Zanardi bei der DTM-Premiere in Misano an den Start gehen wird, hatte jedenfalls eingeschlagen wie eine Bombe. Der Gastauftritt des seit seinem Champ-Car-Unfalls 2001 beinamputierten Italieners gewann sogar noch an Spektakel, als er sich zusammen mit BMW dazu entschloss, ohne Beinprothesen zu fahren. Eindrucksvolle Umbauten am Auto erlaubten ihm, die Streckenaction allein mit den Armen zu bewältigen.

Daran musste sich der 52-Jährgige aber erst einmal gewöhnen. Und aller Zuversicht, sich von Session zu Session näher herantasten zu können, zum Trotz, spielte auch noch das Wetter im italienischen Urlaubsort verrückt. Die DTM trug in Misano ihr erstes Nachtrennen aus. Trainings, Qualifying und Rennen fanden entweder im Regen oder auf abtrocknender Strecke statt. "Es war eine andere Art von Fortschritt, weil sich die Bedingungen in jeder Session geändert haben. Ich konnte also aus keiner mitnehmen, was ich in der nächsten hätte anwenden können", beschreibt er.

Und doch war es genau dieses Wetterchaos, dass ihn schließlich auch nach vorne spülte. Deswegen ist sein fünfter Platz im Sonntagsrennen sportlich vielleicht weniger Wert als die fünftbeste Zeit im Sonntagstraining. Denn im Rennen kam er eine halbe Minute hinter seinem Vordermann und eine dreiviertel Minute hinter dem Sieger ins Ziel. Im dritten Freien Training war er hingegen nur vier Zehntel langsamer als die Bestzeit. Am Freitag und Samstag war er in Trainings und Qualifying noch durchschnittlich 2,8 Sekunden langsamer.

Dass er es schließlich in die Top-5 schaffte bezeichnete er daher selbst als "Witz des Wochenendes". Aber nicht nur die Zuschauer werden seinen Auftritt in Erinnerung halten. "Ich werde mich für den Rest meines Lebens an dieses Wochenende erinnern", schwärmt er. "Manchmal dauert es 51 Jahre, um so etwas zu erleben."

Ogier Blindflug

Für Sebastien Ogier hat es nur 34 Jahre gedauert. Dafür hatte die Bestätigung, dass er in Spielberg in eine siebten Mercedes steigen dürfen, auf sich warten lassen. Erst Anfang August wurde das offiziell kommuniziert. Kurz danach gab es ein zweitägiges Testprogramm und schon sechs Wochen später wurde es ernst. Was sich viele schon vorher gefragt haben: Kommt Ogiers Einsatz nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt in der Saison? Denn am vorletzten Rennwochenende der Saison platzte er mitten in den Titelkampf, der für Mercedes gerade noch einmal eng wurde.

Was keiner ahnen konnte: Audi-Pilot Rene Rast hatte überraschend noch seine Titelverteidigungs-Ansprüche geltend gemacht und war vom Nürburgring mit der vollen Punktzahl abgereist. Der bisherige Mercedes-interne Zweikampf um die Krone drohte gestört zu werden. Die bis dahin dominante Crew hatte also alle Hände voll zu tun, sich strategisch auf diese Herausforderung einzustellen und damit wenig Zeit für die Gaststarter-Betreuung.

Ogier bekam außerdem die volle Breitseite der DTM zu spüren: Wechselnde Wetterbedingungen, Dreher auf kalten Reifen, Qualifying-Disqualifikation, weil er nicht zum Wiegen erschienen ist, Verwarnung wegen Abdrängens eines Mitstreiters. Und im Sonntagsrennen wurde es für ihn besonders knifflig. Von einem vorrausfahrenden Auto bekam er eine ordentliche Ladung Öl auf die Windschutzscheibe. Der Einsatz der Scheibenwischer verschlimmerte die Situation. In den Onboard-Aufnahmen war deutlich zu sehen, ... dass kaum etwas zu sehen war.

Nun kann man dieses Problem in der DTM ganz einfach durch das Abziehen der Windschutzscheiben-Folie beheben. "Doch alle anderen Fahrer des Teams hatten Priorität. Deshalb wurde ich geopfert und musste warten, bis ich meinen Stopp einlegen konnte", berichtete Ogier. Da muss es ihm zugutegekommen sein, dass er es als Rallye-Fahrer gewohnt ist, Streckenabläufe quasi blind nachvollziehen zu können.

Die Tatsache, dass Ogier in diesem Rennen über eine Minute hinter dem Sieger und mit einem Abstand von 38,445 Sekunden auf den Vordermann als 16. ins Ziel kam, ist wohl diesem auf diesem Zustand zurückzuführen. Repräsentativer ist da wohl das Samstagsrennen, in dem er sich Platz zwölf sicher konnte. Außerdem kam er dabei auf knapp neun Sekunden an den Rennsieger ran und damit näher als alle anderen Gaststarter. Und auf die Top 10 fehlte ihm nur etwa eine Sekunde.

Ekström mit den besseren Durchschnittswerten

In der DTM geht es stets eng zu. Da fallen die Zehntel, die einem mangels Erfahrung fehlen, besonders auf. Es überrascht daher eher weniger, dass Ekström mit einem durchschnittlichen Abstand von 26,899 Sekunden auf den Sieger in den Rennen insgesamt näher dran war als Ogier (34,72) oder Zanardi (60,97). Zusammengezählt war der Schwede mit einem Durchschnitts-Abstand von 2,6 Sekunden auf die Bestzeit auch in Trainings- und Qualifying-Sessions besser als sein französischer (1,92) und italienischer (2,6) Kollege.

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