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DTM arbeitet an neuem Kalender: Anfrage beim Sachsenring!

Wie es dazu kam, dass die DTM für den nächsten Kalenderentwurf beim Sachsenring anfragte, wieso das Comeback platzte und wieso Deutschland nun im Fokus steht

(Motorsport-Total.com) - Da auch der überarbeitete Kalender wegen der Coronakrise nicht umsetzbar ist, bastelt die DTM-Dachorganisation ITR an einem neuen Entwurf für die Saison 2020. Was bisher kaum jemand wusste: Teil dieses Plans war bis vor kurzem auch ein Comeback der Traditionsserie auf dem Sachsenring, auf dem zuletzt 2002 gefahren wurde!

DTM 2002

Vor 18 Jahren verabschiedete sich die DTM vom Sachsenring Zoom

Doch die vor allem für die MotoGP bekannte Rennstrecke erteilte der DTM eine Absage. "Es gab eine lose Anfrage der ITR, ob es im Bereich des Möglichen wäre, ein 'Geisterrennen' auf dem Sachsenring durchzuführen", bestätigt Sachsenring-Geschäftsführer Ruben Zeltner im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Wir mussten diese aber leider negativ beantworten, da wir voll ausgelastet sind und unseren Kunden mit allen Konsequenzen absagen müssten."

Der Hintergrund: Wie viele andere Rennstrecken finanziert sich auch der Sachsenring, der vom dortigen Fahrtechnikzentrum betrieben wird, vor allem durch private Rennstreckenevents und nicht durch Motorsport-Großveranstaltungen. Diese werden vom ADAC Sachsen durchgeführt und sind zwar für die Region wichtig, aber für den Veranstalter selbst kein gutes Geschäft.

Sachsenring-Chef: DTM wäre interessant gewesen

Dazu kommt, dass am Sachsenring an nur zehn Tagen pro Jahr die Lärmschutzbestimmungen überschritten werden dürfen: Durch das Freiwerden von sechs dieser Tage durch die Absagen von MotoGP (19. - 21.6.) und Sachsenring-Classic (8. - 10.5.) schöpfte man zwar kurz Hoffnung, doch die Absage eines bereits gebuchten privaten Events hätte Entschädigungszahlungen zur Folge gehabt. Das gab am Ende den Ausschlag für die Absage an die ITR, die sogar für zwei Wochenenden angefragt hatte.

Dabei wäre Zeltner einem DTM-Comeback durchaus offen gegenübergestanden: "Ich persönlich hätte die DTM-Boliden gerne wieder auf dem Sachsenring gesehen, da es mich interessiert hätte, welche Rundenzeiten sie gefahren wären. Das wäre auf unserer speziellen Rennstrecke mit Sicherheit sehr spannend gewesen."

Was für Fokus auf Deutschland spricht

Hinter der Sachsenring-Anfrage steckt der Plan der ITR, durch die Corona-Einschränkungen nun vorrangig auf Rennstrecken in Deutschland und in den Nachbarländern zu setzen. Das ergibt Sinn, da die Reisemöglichkeiten derzeit stark eingeschränkt sind, und es bei Rennen ohne Publikum aus Marketingsicht keinen großen Unterschied macht, ob man in Russland oder in Deutschland fährt.

Interessant ist diesbezüglich, dass dem ehemaligen DTM-Kurs in Oschersleben im Gegensatz zum Sachsenring "derzeit keine Anfrage vorliegt". Das stellte ein Sprecher der Rennstrecke auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' klar.

Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass man die aktuellen DTM-Kurse Hockenheimring, Nürburgring und Lausitzring mehrmals nutzt, um einen ordentlichen Kalender auf die Beine zu stellen. Und auch die Rennen auf dem Norisring in Nürnberg, die für den 11. und 12. Juli angepeilt werden, sind noch nicht abgesagt.

"Nichts gegen Russland, aber ..."

Ein Kalender mit Schwerpunkt Deutschland? Eine Idee, die in der DTM viel Zuspruch erhält. "Nichts gegen Russland, aber ich möchte meine Leute derzeit nicht durch zwei, drei Länder schicken", stellt Thomas Biermaier, Sportdirektor des Audi-Teams Abt, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar.

"Ich möchte mich auch ungern auf Flughäfen aufhalten. Ich habe da schon ein bisschen Respekt. Und wenn man dann mit einem Tross von insgesamt ein paar 100 Leuten reist, dann ist das schon ein Thema."

Rennen im Umkreis von Deutschland wären hingegen laut Biermaier besser umsetzbar: "Wenn du mit dem Auto irgendwo hinfährst und die Sicherheitsvorkehrungen und die Hygienemaßnahmen einigermaßen gegeben sind, dann fände ich es nicht schlecht, wenn man eine Art Deutschland-Cup macht oder vielleicht ein zwei Rennen in Holland oder in Österreich durchführt. Das wäre sicher eine geile Abschiedstournee." Dazu kommt, dass die Kosten "definitiv für alle geringer sind".

Berger: "Situation ändert sich täglich"

Vor allem die geschlossenen Grenzen sorgen derzeit noch für Probleme, stellt DTM-Boss Gerhard Berger gegenüber dem 'ORF' klar: "Es ist momentan so schwierig, denn es ändert sich jeden Tag etwas. Man muss schauen, wo Türen aufgehen, man muss sagen, wo man die Rennen macht, wie kommt man hin, wie kommt man weg."

Dazu kommt, dass das DTM-Personal aus unterschiedlichen Ländern anreist: "Die einen kommen aus Belgien, die anderen aus Deutschland, die nächsten aus Italien." Das sei zwar für Rennserien wie die Formel 1 noch schwieriger, "aber die Mittel der Formel 1 sind auch ungleich besser. Jetzt muss man schauen, wie wir das im Kleinen hinbekommen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir heuer noch spannende Rennen und hoffentlich auch eine gute Meisterschaft sehen werden."

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