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"Das ist inakzeptabel": Fahrerbriefing verhinderte weiteres DTM-Gemetzel

Das DTM-Feld war nach dem Samstag-Gemetzel wie ausgewechselt: Wie die Rennleitung am Sonntagmorgen dafür sorgte, dass es plötzlich so zivilisiert zuging

(Motorsport-Total.com) - Nach dem gestrigen Gemetzel am Norisring gab es am Sonntag ein DTM-Rennen ohne große Zwischenfälle und mutige Überholmanöver (hier geht's zum Rennbericht) - und selbst nach dem Start fuhren alle brav und ohne Berührungen durch die Dunlopkehre. Aber wie kam es dazu, dass die wilde DTM-Meute über Nacht plötzlich wie ausgewechselt schient?

Felipe Fraga

Nach dem GT3-Parkplatz am Vortag schafften es alle problemlos durch Kurve 1 Zoom

"Sie haben uns gesagt, dass wir die Schäden selber zahlen müssen", scherzte der drittplatzierte Abt-Audi-Pilot Rene Rast nach dem Rennen. "Nein, wir hatten ein Briefing - und der Renndirektor hat gesagt, dass wir so nicht fahren können, dass das inakzeptabel ist. Dem haben wir alle zugestimmt."

Tatsächlich machte das Fahrerbriefing, das heute Morgen um 8:15 Uhr stattfand, den Unterschied. "Wir haben schon alle eins auf die Mütze bekommen", offenbart Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer bei 'ran.de'.

Startablauf wurde von Rennleitung neu festgelegt

"Von der Rennleitung, von den Stewards, die das dann dementsprechend zu entscheiden haben", verweist der Österreicher auf Christian Vormann und Oliver Grodovski, die diesmal den durch das Formel-E-Rennen in Marrakesch verhinderten Rennleiter Scot Elkins vertreten.

Doch auch der US-Amerikaner, der heute im Flugzeug saß, brachte sich laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' ein. "Es war eigentlich eine offene Diskussion. Auch die Fahrer haben ein paar Punkte gehabt, genauso wie die Rennleitung", sagt Auer.


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Die Rennleitung kündigte dabei härtere Strafen im Rennen an und legte einen neuen Startablauf fest, nachdem am Vortag sieben Piloten Opfer der Startkollision geworden waren. "Bisher durften wir bis zu einem gewissen Grad die Formation in der Startaufstellung verlassen, wir konnten also ein bisschen links und ein bisschen rechts ausscheren, um die Ampel zu sehen", erklärt Rast.

Piloten durften erst bei Grünlicht aus Formation ausscheren

"Heute hat der Rennleiter aber gesagt, dass es dafür keinen Platz gibt, dass wir die Formation nicht verlassen dürfen und hinter dem Auto vor uns bleiben müssen. Ich habe mir also gesagt: 'Beweg dich nicht, bevor es nicht wer anderer tut'. Ich habe versucht, das zu befolgen, weiß aber nicht, wie der Start aussah. Es müsste aber besser ausgesehen haben."

Tatsächlich war die Anweisung, dass die Piloten erst aus der Formation ausscheren dürfen, wenn das Grünlicht erfolgt. Und das ging tatsächlich gut, wodurch es auch keine weiteren Re-Starts gab - und somit auch die Crashgefahr sank.

Dennoch hatten einige Fahrer vor dem Start Angst, dass es erneut zu einem Schrottplatz in der ersten Kurve kommen könnte. "Gestern traf mich von hinten eine Rakete", meint Sieger Felipe Fraga, dem am Vortag Walkenhorst-BMW-Pilot Esteban Muth beim ersten Re-Start ins Heck donnerte. "Ich wollte aber heute wieder ganz normal bremsen."

Fraga versuchte, vor dem Start das schlimmste zu verhindern

Daher habe er vor dem Start mit Walkenhorst-BMW-Pilot Marco Wittmann und Winward-Mercedes-Pilot Maximilian Götz gesprochen, die in der gleichen Reihe direkt hinter den Pole-Setter lagen. "Ich habe zu Marco und Maxi gesagt: 'Lasst uns doch bitte normal durch die erste Kurve fahren, dann könnt ihr wie verrückt fahren, aber nicht in der ersten Kurve, denn ich muss heute unbedingt das Rennen beenden'."

Vor allem Wittmann bereitete Fraga, der diese Saison schon zahlreiche Ausfälle erlebt hat, vor dem Start Sorgen: "Die BMW starten immer wie verrückt, weil sie so viel Leistung haben, aber zum Glück war dann eh alles ruhig."

Dass es dann auch im Rennen kaum zu Zwischenfällen kam - David Schumacher war es sichtlich unangenehm, dass er Ricardo Feller ins Heck fuhr -, war laut GruppeM-Mercedes-Pilot Maro Engel auch auf die Ankündigung der Rennleitung, härter durchzugreifen, zurückzuführen.

Rennleitung "zu kleinlich"? Engel wünscht sich Mittelmaß

"Generell war es sicher der Fall, dass die Driving-Standards gestern sehr hart waren - und dass da in der Vergangenheit nichts gemacht wurde", so Engel, der am Vortag von Mirko Bortolotti abgeschossen wurde. "Daher hat man beschlossen, etwas härter durchzugreifen."


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Heute sei man aber fast zu hart gewesen, findet er. "Ich habe heute eine Verwarnung gekriegt, weil ich mich beim Anbremsen der Boxengasse ganz leicht bei Philipp Eng angelehnt habe. Das war ein bisschen sehr kleinlich, aber ich glaube, man wollte heute mal ein Rennen ohne große Zwischenfälle zeigen ohne große Zwischenfälle. Und das ist auch gelungen."

In Zukunft ginge es nun darum, "das Mittelmaß zu finden". Einer, der nicht der Meinung ist, dass das Fahrerbriefing den Ausschlag gab, ist hingegen Grasser-Lamborghini-Pilot Mirko Bortolotti: "Was wir gestern gesehen haben, war einfach nicht normal, also habe ich nicht damit gerechnet, dass wir heute was ähnliches sehen - und das Fahrerbriefing hat meiner Meinung nach nicht den Unterschied gemacht."

Das liege daran, dass die Qualität im Fahrerfeld "sehr hoch" sei. "Die Jungs wissen, wie man fährt - und was wir gestern gesehen haben, war einfach scheiße."

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