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2-Seas-Team wechselt von McLaren zu Mercedes: Warum DTM-Start wackelt

Das Bahrainer 2-Seas-Team wechselt von McLaren zu Mercedes: Was darauf hindeutet, dass der DTM Start wackelt und was hinter dem Wechsel steckt - Update

(Motorsport-Total.com) - Überraschende Nachrichten vom unter Bahrainer Flagge fahrenden 2-Seas-Rennstall: Die Truppe, die Mitte Dezember zwei McLaren 720S GT3 für die DTM-Saison 2021 bestätigt hatte, wechselt kurzfristig zu Mercedes-AMG! Das hat das Team, das seinen Sitz in Großbritannien hat, in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Auffällig ist allerdings, dass in der Aussendung die DTM in keinem Wort erwähnt wird.

2 Seas

Das Bahrainer 2-Seas-Team wechselt kurzfristig auf Mercedes-Boliden Zoom

"Wir freuen uns auf ein großes Rennjahr mit Mercedes-AMG, und unsere Vorbereitungen für die neue Saison sind bereits weit fortgeschritten", wird Teamchef und Mitbesitzer Nick Cristofaro zitiert. "Wir schauen uns die verschiedenen Optionen für Renneinsätze unter den aktuellen Reisebeschränkungen in Europa sehr genau an."

Das beinhalte eine "mögliche Rückkehr ins Starterfeld der britischen GT-Meisterschaft für eine zweite Saison oder einen Start im Sprint- oder Langstrecken-Kalender der GT-World-Challenge Europe", fährt der Teamchef des jungen, in Großbritannien ansässigen Rennstalls fort. "Beide Serien sind für uns als Teams und für die Fahrer sehr attraktiv."

2-Seas-Team: Kein klares Bekenntnis zur DTM

Aber was bedeutet das für die DTM? Denn das 2-Seas-Team war aus Sicht der Traditionsserie vor allem wegen der McLaren-Verbindung interessant. Und für Mercedes würde es mehr Sinn ergeben, in Deutschland ansässige Teams zu unterstützen.

"Wir verkaufen die McLaren-Autos und werden in Zukunft als Mercedes-Kundenteam antreten. Wir haben für die DTM genannt und schauen uns andere Rennserien an. Und wir evaluieren, was wir machen werden", sagt Teammanager Jay Davenport im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Und sagt damit ausschließlich, was ohnehin bekannt ist. Auch auf Nachfrage, ob das DTM-Programm trotz des Wechsels zu Mercedes weiterhin vorgesehen sei, lässt er sich nicht mehr entlocken. "Wir haben diese DTM-Nennung und sehen uns die Optionen an", sagt Davenport. "Es ist auch wegen COVID kompliziert - und die Kalender ändern sich ständig. Wir reden mit unterschiedlichen Leuten über unterschiedliche Serien - und schauen, was zusammenpasst."

Trotz Überschneidungen nur zwei Mercedes-Boliden bestellt

Gerüchte, das Team könnte in der DTM mit einer anderen Marke antreten - der Name Porsche fällt immer wieder -, dementiert er aber klar: "Das wird nicht passieren. Wenn wir so etwas vorhätten, dann hätten wir jetzt bekanntgegeben, dass wir mit Porsche arbeiten werden. Wir haben mit unterschiedlichen Herstellern gesprochen und Porsche in Betracht gezogen, aber wir haben uns für Mercedes-AMG entschieden."

Das ergibt Sinn, schließlich war Davenport vor seiner Tätigkeit bei 2 Seas Rennleiter beim früheren Mercedes-AMG-Team Strakka. Und auch ein anderer Ingenieur, der inzwischen bei der neuen Truppe arbeitet, stammt von Strakka. "Das hilft uns, um schneller in die Gänge zu kommen", sagt Davenport.

Es deutet aber einiges darauf hin, dass man den DTM-Einsatz trotz der Nennung zurückzieht. Denn laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' hat das Team in Affalterbach zwei Mercedes-AMG GT3 bestellt, die für die britische GT-Meisterschaft vorgesehen sind. Man würde aber weitere Autos benötigen, da sich das DTM-Wochenende in der Lausitz mit Spa-Francorchamps und Zolder mit Snetterton kollidiert.

Was steckt hinter der Trennung?

Aber wieso kam es überhaupt zur Trennung zwischen dem 2-Seas-Team und McLaren? Eine Frage, die in der Szene für viel Rätselraten sorgt, da Teammitbesitzer Bin Isa Abdullah Al Chalifa, der auch als Pilot agiert, der Enkelsohn des Königs von Bahrain ist. Und Bahrain über die Staatsholding Mumtalakat 56 Prozent an der McLaren-Gruppe besitzt. Die Zusammenarbeit des 21-jährigen Scheichs und der Traditionsmarke erscheint also logisch.

Das Team selbst hat nicht klargestellt, warum man einen Markenwechsel durchführt, es ist aber allgemein bekannt, dass es beim McLaren 720 S GT3 immer wieder zu Zuverlässigkeitsproblemen kommt. Auch beim 12-Stunden-Rennen von Bahrain Mitte Januar schied eines der beiden 2-Seas-Autos nach gerade mal einer Stunde wegen Zuverlässigkeitsproblemen aus.

Der zweite 2-Seas-McLaren, der unter anderem von Al Chalifa pilotiert wurde, musste nach technischen Problemen sogar an der Box repariert werden, siegte aber dennoch. Die Probleme mit der Haltbarkeit des McLaren-Fahrzeugs könnten in Zusammenhang mit dem Wechsel zu Mercedes-Boliden stehen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war davon die Rede, dass ein von einem Bremsdefekt verursachter Trainingscrash in Bahrain zu einem Konflikt von Team-Mitbesitzer Bin Isa Abdullah Al Chalifa mit McLaren und in weiterer Folge zur Trennung geführt hätte. Laut 2 Seas ist diese Information falsch - der Unfall sei nicht von einer technischen Panne verursacht worden.