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Porträt Dirk Werner: Zwischen Steinbrocken und Sandkastenliebe

"Selbst ist der Mann" lautet das Motto von Dirk Werner, dessen Aktivitäten in der Freizeit weit über den Tellerrand des Motorsports hinaus gehen

(Motorsport-Total.com) - Das Leben von Dirk Werner ist seit 2016 eine Baustelle. Die rennfreie Zeit während der Coronavirus-Pandemie nutzt der 38-jährige Porsche-Werksfahrer für die weitere Ausgestaltung seines Hauses am nördlichen Stadtrand von Würzburg. Insgesamt drei Tonnen Material aus einem nahegelegenen Steinbruch sollen der Verschönerung der Terrasse dienen.

Mit großer Selbstverständlichkeit wuchtet der 1,80 Meter große Werner die schweren Sandsteinbrocken an ihren Platz. "Selbst ist der Mann" lautet das Motto. "Ich bin für handwerkliche Tätigkeiten immer zu haben. Sägen, Bohren, Fräsen und alles weitere mache ich selbst. Seit der Grundsteinlegung unseres Hauses vor knapp vier Jahren gibt es an allen Ecken reichlich zu tun. Und gerade in der Coronavirus-Phase ist viel Zeit für solche Arbeiten", schildert Werner.

Gemeinsam mit Ehefrau Heidemarie und den drei Söhnen Henri, Theo und Fritz hat sich der erfahrene deutsche Rennfahrer in den fränkischen Hügeln einen traumhaften Rückzugsort geschaffen. Die Innenstadt von Würzburg nicht weit entfernt, zahlreiche Freizeitmöglichkeiten im direkten Umfeld. Felder, Wiesen und Wälder laden zu ausgiebigen Läufen oder Spaziergängen ein. Die Kinder haben viel Platz zum Toben. Es ist das perfekte Zuhause für den bodenständigen Vollgashelden, ein Ausdruck seiner bemerkenswerten Ausgeglichenheit.

Dirk Werner

Dirk Werner auf dem heimischen Balkon am Stadtrand von Würzburg Zoom

Werner ruht in sich, und zwar jederzeit. In den Fahrerlagern dieser Welt gilt der gebürtige Hannoveraner als einer der nettesten Racer. "Ich freue mich, wenn mich Menschen als nett empfinden. Höflichkeit ist für mich selbstverständlich", sagt der Sieger der 12 Stunden von Bathurst 2019. "Ich gebe mich nicht bewusst so, sondern das kommt ganz automatisch. Warum sollte ich auch nicht nett sein? Ich lebe meinen Traum als Werksfahrer von Porsche, meine Familie ist perfekt und das Leben schön". Es wird schnell klar: Dirk Werner weiß sein persönliches und berufliches Glück zu schätzen. Kein Wunder, denn für seinen Traum hat er hart gearbeitet.

In Werners Elternhaus spielte Motorsport zunächst keine Rolle. Im familiären Umfeld war der Rennsport nie ein Thema, keine Vorprägung durch Vater, Onkel oder Großvater. Per Zufall kam Dirk Werner im Alter von zehn Jahren zum Kartsport. Daraus entstand sofort eine intensive Leidenschaft, und zwar nicht nur bei ihm, sondern auch bei seinem Vater. Statt in die Fußstapfen des Vaters als Zahnarzt zu treten, ging der Nachwuchsrennfahrer trotz ausgeprägtem fußballerischen Talent konsequent den Weg im Motorsport.

Auf dem Weg zum Abitur fuhr Werner Kart und holte zahlreiche Erfolge im Formelsport. "Zahnarzt zu werden war für mich keine Option. Ich wollte unbedingt mit Rennsport mein Geld verdienen. Um mich abzusichern, habe ich die Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht und gleichzeitig ein Studium im Maschinenbau absolviert", blickt der Deutsche zurück. Während der Ausbildung an der Fachhochschule Wolfenbüttel wurde der Spagat zwischen Studium und Motorsport aber schwieriger.

"Die beiden letzten Jahre vor dem Abschluss waren hart. Ich bin damals viel in den USA gefahren, konnte einige Prüfungstermine nicht wahrnehmen. Das Studium ging daher etwas langsamer voran als üblich. Trotzdem habe ich es durchgezogen. Interessanterweise zählen diese intensiven Studienjahre zu meinen erfolgreichsten im Motorsport", so der Maschinenbauingenieur, dessen Diplomarbeit die Simulation von Automobilfahrwerken zum Thema hatte.

Die erworbenen Kenntnisse helfen dem Grand-Am-Champion von 2007 und 2009 enorm. Wenn es um Abstimmungsarbeiten geht, weiß Werner genau, wovon er spricht: "Das ist heutzutage ohnehin für jeden Fahrer ein Muss. Wer kein technisches Verständnis mitbringt, wird es im Motorsport sehr schwer haben."

Der Rennsport ist Leidenschaft, Beruf, Glück, aber längst nicht alles im Leben von Dirk Werner. "Die Familie steht immer an allererster Stelle", sagt er. Die feste Basis bildet die langjährige Beziehung zu Heidemarie. "Wir sind seit 18 Jahren zusammen, haben drei gemeinsame Kinder und führen eine harmonische Ehe."

Dirk Werner mit Ehefrau Heidemarie

Dirk Werner mit Ehefrau Heidemarie Zoom

"Ich kenne meine Frau seit Ewigkeiten, habe mit ihrem Bruder früher zusammen in einer Mannschaft Fußball gespielt. Es gibt sogar ein uraltes Foto, auf dem Heidemarie und ich im zarten Alter von vier und sieben Jahren gemeinsam zu sehen sind. Das war während einer kirchlichen Veranstaltung damals. Ein großer Zufall natürlich, aber aus heutiger Sicht einfach großartig", sagt der 38-Jährige.

Ebenfalls kurios: Die Eltern von Ehefrau Heidemarie waren es, die als Pastoren-Ehepaar in einem kleinen hessischen Ort den Nachwuchsfahrer Dirk Werner konfirmierten. Die spätere Trauung überließen Werners Schwiegereltern dann aber doch einem Kollegen.

Neben Familie, Beruf und weiterem Hausausbau bleibt für Werner außerhalb der Coronazeit sogar noch Zeit für einen regelmäßigen Fußballkick. "Ich trainiere normalerweise mit der Altherrenmannschaft in meinem kleinen Stadtteil. Das ist einmal pro Woche ein riesiger Spaß. Auch wenn ich mich noch gar nicht wie ein alter Herr fühle", scherzt er. Die unterhaltsamen Einheiten mit der Gruppe von zehn bis 20 Kickern lässt sich Werner nicht entgehen. "Und ich finde sogar noch öfter Zeit, mal ein hochklassiges Spiel zu besuchen. Mit Freunden war ich in den zurückliegenden Jahren bei einigen Heimspielen des HSV [Hamburger Sportverein] und jeweils einmal bei Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund."

"Ich hätte sogar eine Karte für ein EM-Spiel in München gehabt, aber das ist nun ja leider verschoben. Dann muss ich halt Fußball im Fernsehen schauen, wenn es wieder losgeht", so Werner, der meint: "Ich liebe es, guten Sport zu sehen. Im Moment machen mir Jungstars wie Kylian Mbappe viel Freude. Ich bin nicht Fan einer einzelnen Mannschaft, sondern mag Fußball insgesamt sehr gerne."

Der drahtige Blonde aus Würzburg blickt jederzeit über den Tellerrand. Die zahlreichen Reisen als Porsche-Werkspilot verbindet er wann immer möglich mit der Entdeckung von Ländern, Kulturen und Menschen: "Früher bin ich zwischen zwei Rennen in den USA oft drüben geblieben und habe Amerika genauer erkundet. So etwas ist nun als Vater von drei Kindern nicht mehr so einfach. Aber im vergangenen Jahr gab es eine Ausnahme."

"Mein Vater ist mit zum IGTC-Rennen in Kyalami gereist. Wir waren danach noch gemeinsam auf Safari in Südafrika. Meine Familie und ich hatten ihm das zum 70. Geburtstag geschenkt. Er ist passionierter Jäger. Da war eine Safari natürlich perfekt. Ich schwöre, es ist kein Schuss gefallen, aber die Reise war trotzdem ein Volltreffer", so Dirk Werner.

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