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McNish: "WM-Titel war mein letzter Traum"

Allan McNish blickt auf seine erfolgreiche Karriere zurück - Der Zeitpunkt des Rücktritts ist nach den Siegen in Le Mans und der Weltmeisterschaft richtig gewählt

(Motorsport-Total.com) - 2013 war die letzte Saison von Allan McNish im aktiven Rennsport. Es war ein erfolgreiches Jahr, denn er krönte sich gemeinsam mit seinen Audi-Teamkollegen Tom Kristensen und Loic Duval zum WEC-Weltmeister. Nach einer langen und erfolgreichen Karriere entschied sich McNish schließlich zum Rücktritt. "Im Jahr 2000 brachten mich Jürgen Pippig und Ralf Jüttner zu Audi. Doktor Ullrich brachte mir ein Vertrauen entgegen, das ich noch nie zuvor im Rennsport erfahren habe."

Allan McNish

Allan McNish tritt als Le-Mans-Sieger und Weltmeister ab Zoom

"Ich durfte einige exzellente Rennautos fahren. Ich hatte Teamkollegen mit großem Herz und Leidenschaft. Die Ingenieure und Mechaniker waren exzellent, so wie es sich jeder Fahrer nur wünschen kann", lobt McNish in seiner Abschiedsrede die Audi-Mannschaft. "Wir sind viele harte Rennen gefahren und haben einige Titel gewonnen. Audi gab mir die Möglichkeit meine Träume zu erfüllen. In diesem Jahr habe ich mit der Weltmeisterschaft meinen letzten Traum erfüllt. Ich kann keinen besseren Zeitpunkt finden, um das Lenkrad an die nächste Generation zu übergeben."

McNish gewann die berühmten 24 Stunden von Le Mans in den Jahren 1998, 2008 und 2013. Dazu holte er sich drei Titel in der ALMS und viele Siege auf den berühmtesten Rennstrecken der Welt. 2002 absolvierte der mittlerweile 43-Jährige eine Formel-1-Saison für Toyota. 2005 folgte ein kurzes Intermezzo in der DTM. "Wenn ich zurückblicke, dann war mir klar, dass ich keine Person bin, die immer weiter und weiterfährt", stellt McNish im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar.

"Wenn man als Weltmeister geht, dann wird man immer ein Champion bleiben." Allan McNish

"Ich würde zu einem Punkt kommen, an dem mir die Energie ausgeht, oder ich nicht mehr schnell genug bin. Vielleicht hätte ich es nicht mehr genossen oder hätte aus anderen Gründen aufgehört", gibt McNish Einblicke in sein Seelenleben. Den Zeitpunkt für den Rücktritt hält er für perfekt: "Es war in diesem Jahr ein sehr gutes Jahr. Mir sind all diese Dinge nicht ausgegangen, aber ich bin 43 Jahre alt. In zwei Wochen werde ich 44 sein."

"Für mich öffnen sich neue Türen, die sich in den vergangenen eineinhalb Jahren ergeben haben. Ich musste die Entscheidung zu einem gewissen Zeitpunkt treffen. Diesmal hat alles gestimmt: Wir haben Le Mans und die Weltmeisterschaft gewonnen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für eine Entscheidung. Es heißt, dass man immer so gut wie sein letztes Rennen ist. An das erinnern sich die Leute."

Perfekter Zeitpunkt für Rücktritt

"Wenn man als Weltmeister geht, dann wird man immer ein Champion bleiben. Das war ein Mitgrund für diese Entscheidung. Obwohl ich sehr eigensinnig bin, weiß ich, dass Wolfgang (Ullrich; Anm. d. Red.) in die Zukunft blicken muss. Ich habe alle meine Boxen abgehakt. Gleichzeitig kann ich zu einem Zeitpunkt zurücktreten, der für mich perfekt ist. Es ist vielleicht eine Überraschung, aber ich glaube, es ist auch gut für Audi. Wir haben darüber gesprochen. In unserer gemeinsamen Zeit waren wir immer sehr ehrlich zueinander."

Auch wenn der Rücktritt für die Öffentlichkeit überraschend kam, bahnte er sich für McNish seit einigen Monaten an: "Nach Le Mans habe ich begonnen darüber nachzudenken. Nach Austin war es mir relativ klar. Nach China habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen. Sie war überrascht. Ich schätze, dass mein Vater Bescheid wusste. Meine Mutter war etwas überrascht. Meine Frau war überrascht. Sonst habe ich es niemandem erzählt. Was auch immer ich entschieden hätte, sie hätten mich unterstützt. Ich werde 44 und möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen."


Fotostrecke: Allan McNish - Eine Karriere in Bildern

"Ich schaue immer nach vorne und niemals zurück. Ich habe meine Entscheidung getroffen und bin glücklich damit. Ich freue mich drauf in Silverstone zu sein und die anderen Jungs zu beobachten. Wenn man Entscheidungen bereut, dann wird man ein mürrischer alter Mann. Ich will kein mürrischer alter Mann sein", sagt McNish mit einem Schmunzeln. In die Geschichte geht McNish als einer der besten Sportwagenfahrer aller Zeiten ein. Seine Karriere war von Höhen und Tiefen geprägt. "Es war keine Standard-Karriere. Es war eine Achterbahn zwischen guten und schlechten Zeiten. Die schlechten Zeiten bewirken die guten Zeiten, zumindest haben sie meine Persönlichkeit geformt."

Karriere mit Höhen und Tiefen

"Ich glaube nicht, dass es härtere Kritiker als mich gibt. Selbst wenn wir gewonnen haben, denke ich darüber nach, was ich besser hätte machen können. Als ich mein erstes Kart-Rennen gewonnen habe, wusste ich nicht warum ich gut war. Bis dahin hatte ich nie etwas gewonnen. Das war als ich 15 war. Dann verstand ich, warum ich gut war. Deshalb konnte ich es jede Woche reproduzieren. Das war für mich sehr wichtig. Der erste Sieg verlieh mir Selbstvertrauen und die Möglichkeit, es zu wiederholen. Dadurch lernte ich, wie ich mein Adrenalin kontrolliere und eine hohe Performance halte."

Tom Kristensen, Loic Duval, Allan McNish

Mit dem WM-Titel erfüllte sich Audi-Pilot Allan McNish einen Traum Zoom

"Ich blicke also zurück und habe praktisch alles gemacht, was ich wollte. Bei den Sportwagen habe ich alles gewonnen. Im Vorjahr startete die Weltmeisterschaft, was für mich perfekt war, denn ich hatte nie die Möglichkeit dazu. Bei den Karts wurde ich 1985 einmal Dritter, später war ich mit Toyota in der Formel 1. Das war aber nicht von Erfolg gekrönt. Wenn man die WM gewonnen hat, hakt man die Box ab." Langstreckensport ist Teamsport. McNish war Teil sehr guter Fahrerpaarungen.

Jedes Rädchen war für den Erfolg wichtig. "Jeder Fahrer hat seine Fähigkeiten. Wenn es in den vergangenen 15 Jahren eine Weltmeisterschaft gegeben hätte, dann wäre ich wahrscheinlich mehr als einmal Weltmeister geworden", denkt McNish an die Dominanz von Audi im vergangenen Jahrzehnt. "Als die ALMS praktisch die Weltmeisterschaft war, haben wir sie bei drei Versuchen dreimal gewonnen. Wir haben große Rennen wie Sebring und Petit gewonnen. Für mich ist es falsch zu sagen, ob ich besser als meine Teamkollegen bin. Ich hatte meine Zeit. Ich hatte sehr gute Teamkollegen und sehr gute Autos."