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LMP1 vs. Formel 1: Erste Meter gehören den Le-Mans-Autos

Interessanter Direktvergleich der Weltmeisterautos von Mercedes und Porsche: Der 919 lässt den W06 in Spa-Francorchamps nur beim Herausbeschleunigen stehen

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 will zur Saison 2017 um rund fünf Sekunden pro Runde schneller werden. Einerseits ist dies dem lauten Ruf nach mehr Spektakel geschuldet, auf der anderen Seite liegt dies am enormen Tempo der LMP1-Werksfahrzeuge aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und Le Mans. In Bahrain, Silverstone, Spa-Francorchamps und Schanghai können indirekte Vergleiche der beiden Fahrzeugtypen angestellt werden, weil beide Serien diese Kurse befahren.

Porsche

In der Eau Rouge sind die LMP1-Autos langsamer: Das Gewicht zieht nach außen Zoom

Die Kollegen von 'Topgear' haben den Versuch gemacht - nicht real auf der Rennstrecke, sondern anhand von Daten der Weltmeisterteams Mercedes (Formel 1) und Porsche (WEC). "Wenn man die Autos vergleicht, dann fällt beim LMP1-Fahrzeug natürlich das höhere Gewicht und die andere Lage des Schwerpunktes auf. Diese beiden Faktoren führen dazu, dass das Le-Mans-Auto etwas schwieriger zu fahren ist", schildert Mark Webber die Unterschiede aus seiner Sicht auf 'topgear.com'.

Die Formel-1-Autos fahren mit einem Minimalgewicht von 702 Kilogramm (inklusive Fahrer), die LMP1-Autos sind im Wettbewerb fast 250 Kilogramm schwerer unterwegs. Dies hat Auswirkungen im Bereich Fahrzeugdynamik. "Nehmen wir mal Spa: Eau Rouge geht im Formel-1-Wagen easy mit Vollgas, mit dem 919 muss man da vorsichtiger sein. In solch schnellen Ecken fahren wir mit 20 bis 30 km/h weniger Tempo hindurch", sagt der prominente Porsche-Werksfahrer.

Der Vergleich der Daten zeigt: In der schnellen Eau Rouge fährt der Mercedes W06 mit 307,8 km/h, der Porsche 919 Hybrid hat an gleicher Stelle nur 280,4 km/h drauf. Auch in der Blanchimont-Kurve von Spa-Francorchamps ist der Formel-1-Wagen um rund 20 km/h schneller. "Wir haben allerdings einen Vorteil in langsamen Kurven", bemerkt Webber. Nicht im Scheitelpunkt der Ecken sind die LMP1-Autos schneller, aber am Ausgang der langsamen Kurven wie Les Combes, Rivage oder La Source.

Allrad und Hybridboost: Wenn 700 Elektro-PS zusätzlich schieben

"Ein Formel-1-Auto verzögert besser, Einlenkpunkt und Linie sind ähnlich. Wir werfen das Auto aber etwas zackiger herum, um möglichst schnell beschleunigen zu können", erklärt der Australier. "Und genau dann kommen die Vorteile unseres Allrads und der fantastischen Michelin-Reifen ins Spiel, die man schonungslos nutzen kann. Die Pneus sind so viel besser als diese 'Taschentücher' aus der Formel 1. Aus La Source heraus hängen wir die Formel 1 dadurch ab."

Im Scheitelpunkt des engen Rechtsknicks nach Start und Ziel liegen beim Mercedes 83,3 km/h an, beim Porsche hingegen nur 64,8 km/h. Bereits wenige Meter danach hat der 919 aber schon 110,5 km/h drauf, der W06 ist dann erheblich langsamer. Bis zum leichten Rechtsknick herunter in Richtung Eau Rouge kann der Le-Mans-Siegerwagen seinen Speedvorteil halten, danach jagt der Silberpfeil an ihm vorbei. Am Ende einer Spa-Runde verschafft sich der Formel-1-Wagen einen Vorteil von rund sieben Sekunden.

Die belgische "Ardennen-Achterbahn" ist einer jener Kurse, auf dem die LMP1-Autos keine Chance gegen die Grand-Prix-Fahrzeuge hätten. In Schanghai sieht die Bilanz anders aus, denn dort ist der Rückstand nur marginal. "Es wäre sicherlich mal interessant, den 919 auf einer Strecke wie Barcelona zu fahren. Dort sind die meisten Kurven relativ langsam - und dort sehen wir gegen die Formel 1 nicht so übel aus", sagt Webber.

Trotz der höheren Rundenzeiten hat der Ex-Red-Bull-Teamkollege von Sebastian Vettel in seinem aktuellen Gefährt viel Spaß. Der Grund liegt nicht nur in den Reifen, sondern auch im Betrieb des Autos. "Wenn man sieht, dass die Formel-1-Autos teilweise früh vom Gas müssen, um Sprit zu sparen, dann kann ich nur sagen: Das passiert bei uns nicht. Wir geben immer Vollgas", so der amtierende Langstrecken-Weltmeister.

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