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Le Mans: Toyota analysiert die herben Enttäuschungen

Die Toyota-Analyse nach dem Le-Mans-Drama ist laut Teamdirektor Rob Leupen abgeschlossen - Nicht alle Fehler haben Fahrer oder Team zu verantworten

(Motorsport-Total.com) - Der zweitplatzierte Toyota (#8) stand ab 22:48 Uhr für 1:57 Stunden in der Box, weil man sich entschieden hat, die Antriebseinheit samt Batterien auszutauschen. "Eine Schraube in der elektrischen Antriebseinheit, die nicht wie vorgesehen mit Loctite (Metallklebstoff) gesichert war, hat sich gelöst. Sie hat ein Zahnrad zerstört und damit den Folgeschaden verursacht", erklärt Leupen auf Anfrage von 'Motorsport.total.com': "Solch ein Schaden ist zuvor noch nie aufgetreten. Der Motor hält normalerweise 20.000 Kilometer, in Le Mans hatte er erst ein Zehntel der möglichen Laufzeit zurückgelegt."

Anthony Davidson, Kazuki Nakajima

Auch 2017 scheiterte Toyota aus mehreren Gründen am heiß ersehnten Le-Mans-Sieg Zoom

Den für das Bauteil verantwortlichen Zulieferer wollte Leupen verständlicherweise nicht an den Pranger stellen. "In der Prozesskette hat jemand etwas vergessen. Das kann (weil menschlich), sollte aber nicht passieren." Der Zeitverlust durch den Wechsel der Batterien, auf den Porsche beim eigenen Problem bekanntermaßen verzichtete, hat laut Leupen in der Endabrechnung sicher eine Rolle gespielt.

Aber hinterher sei man ja bekanntermaßen immer schlauer. Der Tausch der Batterien ist eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, weil man befürchtet hat, dass der Schaden an der MGU die Batterien in Mitleidenschaft gezogen haben könnte. Der Toyota (#8) lief zwar nach dem Reparaturstopp wieder wie ein Uhrwerk, Platz 8 (neun Runden zurück) am Ende war letztendlich aber ein schlechter Lohn.

Hätte Toyota wie Porsche eine Hochrechnung gemacht, wie man die schnellen Prototypen der LMP2-Kategorie noch ein- und überholen kann, dann hätte man wohl ebenfalls auf den Wechsel der Batterien verzichtet!


Le Mans 2017: Toyotas Achterbahn der Gefühle

Im Qualifying von Le Mans sicherte sich Toyota noch die Pole, doch der erhoffte Sieg blieb aus. Ein Rückblick. Weitere Langstrecke-Videos

Zwei Stunden nach den Problemen der #8 sorgte das nächste Drama für Entsetzen in der Toyota-Box. Der Führende Kamui Kobayashi wollte nach einem Stopp unter Gelb mit der #7 die Boxengasse verlassen, obwohl sich zeitgleich das Safety-Car auf der Start/Zielgeraden befand. Der Japaner hätte an der Boxenausfahrt also anhalten müssen. Stattdessen überfuhr er die Linie an der Boxenausfahrt, weil er glaubte, ein Streckenmarschall hätte ihm das Signal zur "freien Fahrt" gegeben.

Rob Leupen

Teamdirektor Rob Leupen analysiert, was diesmal alles schiefgelaufen ist Zoom

In Wirklichkeit war es aber ein falsch gedeutetes Handzeichen von LMP2-Fahrer Vincent Capillaire, der am Ende der Boxengasse auf seinen Einsatz wartete! Schließlich wurde Kobayashi von seinem Renningenieur aufgefordert, stehen zu bleiben. Das wiederholte Stoppen und Anfahren missfiel der Kupplung, die noch in der Safety-Car-Phase ihren Dienst um kurz nach 1:00 Uhr quittierte, weil sie nicht für manuelle Starts ausgelegt ist.

"Dazu ist alles gesagt und geschrieben worden. Es gab ein Kommunikationsproblem zwischen dem Fahrer und seinem Renningenieur. So etwas scheint offenbar nur uns zu passieren", übt Leupen bemerkenswert offen Selbstkritik.

Innerhalb von drei Stunden sorgte dann auch der dritte Toyota (#9) für Stockstarre bei TMG. Der Auffahrunfall von LMP2-Pilot Simon Trummer auf den TS050 Hybrid von Nicolas Lapierre ist aus Sicht von Leupen ein klassischer Rennunfall gewesen. "Das belegen die TV-Bilder und auch unsere eigenen. Durch den Aufprall wurde unter anderem das Getriebegehäuse beschädigt. Weil das Gehäuse nicht gewechselt werden darf, mussten wir die #9 (vor Ablauf der elften Stunde; Anm. d. Red.) aus dem Rennen nehmen."

Kritik der Medien nicht nachvollziehbar

Für Leupen ist die zum Teil sehr harte und nicht faire Kritik der Medien ("So etwas lese ich schon gar nicht mehr") an TMG nicht nachvollziehbar. "Wir haben sicher Fehler gemacht. Aber nicht alles, was schiefgelaufen ist, haben die Fahrer oder das Team zu verantworten", sagt Leupen, für den Toyota "auch in Le Mans das schnellste Auto hatte".

Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stephane Sarrazin

Beim nächsten WEC-Rennen am Nürburgring will Toyota Revanche nehmen Zoom

Bezüglich der Le-Mans-Revanche auf dem Nürburgring und den weiteren Saisonverlauf ist Leupen optimistisch: "Wir hatten in den ersten drei WEC-Rennen das schnellere Auto und deshalb glaube ich, dass wir auch am Nürburgring siegfähig sind. Die Voraussetzungen sind viel besser als 2015 und 2016, weil wir jetzt kein reines Le-Mans-Auto an den Start bringen. Vielleicht wird das neue Aero-Paket gut für Porsche sein, trotzdem glaube ich, dass wir konkurrenzfähig sind, denn auch wir haben unser Paket weiterentwickelt."

Für Porsche-Werksfahrer Timo Bernhard ist die Strategie, das neue Aero-Paket erst jetzt einzusetzen, die richtige gewesen. "Wir haben uns auf Le Mans konzentriert, um das High-Downforce-Paket weiter zu entwickeln. Es ist kein Neustart, aber es wird interessant zu beobachten sein, ob es eine Verschiebung in der Performance gibt. Dabei wird es streckenspezifisch sicher Unterschiede geben. Ich glaube aber, dass es an der Spitze auch weiterhin sehr eng zugehen wird."

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