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BoP-Hammer kurz vor VLN-Auftakt: SP9 wird weiter kastriert

Die FIA bremst die GT3-Klasse auf der Nürburgring-Nordschleife aus: Rund 30 PS Leistungsverlust noch zum Saisonstart - In der VLN brennt der Baum

(Motorsport-Total.com) - Entgegen aller Beteuerungen seitens VLN und DMSB, dass es keine Einbremsungen geben werde, müssen die SP9-Teams am Nürburgring ihre Fahrzeuge für VLN und 24-Stunden-Rennen nun doch umrüsten. Grund dafür ist ein Einschreiten des Automobil-Weltverbands FIA, die dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) nahegelegt hat, die Leistung der GT3-Boliden zu begrenzen. Daraufhin schritt der Sicherheitsausschuss des DMSB ein und hat eine Rücknahme der Leistung der GT3-Boliden um fünf Prozent gefordert.

Nick Catsburg

Die GT3-Klasse am Nürburgring muss sich auf eine gewaltige Einbremsung einstellen Zoom

Die Verantwortlichkeiten sind nicht ganz einfach auszumachen: In einem Schreiben an den DMSB hat die FIA nicht ausdrücklich eine Einbremsung eingefordert, dem DMSB es wohl aber sehr nahegelegt, eine Reduktion um fünf Prozent vorzunehmen. Michael Günther, DMSB-Sicherheitsbeauftragter, hat das Schreiben der FIA als indirekte Aufforderung zum sofortigen Handeln interpretiert. 'Motorsport-Total.com' hat die FIA in dieser Hinsicht kontaktiert und wartet derzeit auf eine Antwort.

Die SP9 war schon vor der jüngsten Einbremsung nicht mehr auf originalem FIA-GT3-Stand: Neben zusätzlichen Schalldämpfern müssen die Fahrzeuge kleinere oder nach vorn versetzte Heckflügel aufweisen, sind in der Bodenfreiheit und dem Anstellwinkel beschränkt und dürfen nicht mehr auf Entwicklungsreifen fahren. Außerdem wurden sie in ihrer Leistung bereits nach dem Unfall von 2015 beschnitten, die jetzige Einbremsung wäre also schon der zweite Einschnitt.

Was passiert mit den anderen Klassen?

Die Maßnahme wäre an sich schon im Nürburgring-Fahrerlager unpopulär genug, doch so kurz vor dem Saisonstart ist nun die gesamte Planung der BoP-Macher und der Teams durcheinandergewirbelt. Teams müssen nun noch vor dem Saisonstart ein neues Restriktorkit in ihre GT3-Boliden einbauen, Turbolader müssen neu abgestimmt werden. Die Kosten sind je nach Hersteller unterschiedlich und reichen von 800 bis mehreren Tausend Euro.

Außerdem muss das Team der BoP-Macher rund um Norbert Kreyer nun kurz vor Saisonstart Überstunden schieben. Denn mit dem geplanten Leistungsverlust würden alle GT3-Boliden unter die Marke von 500 PS fallen. Schon mit dem Leistungsstand der Saison 2018 hatte die SP9 Mühe, auf der Döttinger Höhe mit kleineren Klassen, die weniger Flügelwerk am Auto haben, mitzuhalten. Mit noch weniger Leistung würden die GT3-Fahrzeuge auf der Geraden gegen manche Porsche Cayman aus den V-Klassen oder Cup-Porsche alt aussehen.


Fotostrecke: Bauarbeiten auf der Nürburgring-Nordschleife 2018

Die neue Einstufung in SP9 und SPX zieht einen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich: Die SP7 hatte in der vergangenen Saison bereits - auf normalen Kundenreifen - im Qualifying an der Marke von 8:10 Minuten gekratzt. Manthey Racing hat darüber hinaus noch ein SP-Pro-Kit für den Cup-Porsche in der Hinterhand, mit dem sich Zeiten im niedrigen 8-Minuten-Bereich realisieren ließen. Es wurde allerdings bislang auf der Nordschleife noch nicht im Rennbetrieb eingesetzt.

Wenn man nun die anderen Klassen nicht einbremst, könnten plötzlich die SP-Pro und auch die SP7-Kategorie zur Gefahr für die GT3-Boliden werden - letztere zumindest für die langsameren SP9-Fahrzeuge. Somit müssten auch diese Klassen mit kleineren Luftmengenbegrenzern versehen werden, um den Abstand zu wahren. Damit würden Zusatzkosten für weitere Teams außerhalb der SP9 fällig werden - zusätzlich zu den in den meisten leistungsstarken Klassen bereits höheren Nenngeldern in der Saison 2019.

Wird die SP7 jedoch eingebremst, würden wiederum normale Cup-Porsche gegenüber dieser Klasse konkurrenzfähig werden, die nach normaler Carrera-Cup-Einstufung fahren. Das würde etwa den Business Case von Manthey-Racing gefährden, die mit dem MR-Kit für die SP7 einen Performance-Vorteil gegenüber den normalen Cup-Porsches versprechen. Mit weniger Leistung würde das Aufrüst-Kit seinen Vorteil verlieren.

Flörsch-Unfall spielte indirekt mit rein

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass die FIA erst so wenige Wochen vor Saisonstart aktiv wird? Die Maßnahmen sollen in Verbindung zu einem Ereignis stehen, das gar nichts mit der Nürburgring-Nordschleife zu tun hat: Dem schweren Unfall von Sophia Flörsch in Macau. Dieser hat die FIA weiter für schwere Unfälle sensibilisiert - vor allem, wenn fliegende Fahrzeuge im Spiel sind, die über Sicherheitsbarrieren hinweg fliegen. Und so geriet auch die Nordschleife wieder ins Visier, wo genau das beim tödlichen Unfall von 2015 passiert ist.

Und bei der FIA sieht man spektakuläre Unfälle, auch wenn sie glimpflich ausgehen, bekanntermaßen alles andere als gerne. Selbst die Porsche-Rekordfahrt im vergangenen Jahr sorgte für großen Ärger hinter den Kulissen. Für Jean Todt steht das Thema Sicherheit an oberster Stelle. Am liebsten hätte der Franzose gar keine medienwirksamen Unfälle mehr im Motorsport.

Uwe Alzen

Die SP7 könnte zum GT3-Schreck werden, wenn sie nicht eingebremst wird Zoom

Die bittere Pille sorgt für Frust an vielen Stellen. "Irgendwer will uns doch da ans Bein pinkeln", sagt ein VLN-Techniker gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Wir tragen Kuppen ab, asphaltieren ganze Streckenabschnitte neu, machen die Bodenwellen raus und dann beschweren sie sich, dass es immer schneller wird."

Und das eigentliche Problem der SP9 wird dadurch gar nicht angegangen: Die immer höheren Kurvengeschwindigkeiten durch immer bessere Reifen. Die Zeiten dürften zudem auch nicht signifikant langsamer werden, weil die Nordschleife gerade erst die größte Neuasphaltierungs-Aktion ihrer jüngeren Geschichte hinter sich hat.

Doch auch der DMSB wird sich fragen müssen, ob er das Thema nicht unterschätzt hat. Einen Austausch mit der FIA gibt es seit langer Zeit es handelt sich um einen stetigen Prozess. Um die schnelleren Rundenzeiten im Zaum zu halten, hat der DMSB der FIA ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, das unter anderem eine Begrenzung der Anzahl der Reifen auf drei Mischungen pro Wochenende vorsieht (bisher: sechs) und weitere aerodynamische Einschränkungen ab 2020. Das Paket tritt zwar bezüglich der Reifen ebenfalls in Kraft, war für die FIA augenscheinlich nicht ausreichend.

Die Teams müssen nun ihre Fahrzeuge blitzschnell umrüsten, denn die Test- und Einstellfahrten finden bereits am übernächsten Wochenende statt.

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