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24h 1992: Als Joachim Winkelhock Zigaretten vom Streckenposten schnorrte

Altfrid Heger erzählt aus dem Repertoire von vier Jahrzehnten Profirennsport: 1992 wurde es Joachim Winkelhock hinter dem Safety-Car am Nürburgring zu langweilig

(Motorsport-Total.com) - Es gab eine Zeit beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, als noch nicht in jedem Auto Onboard-Kameras verbaut waren. Und in denen es keine Handykameras, ja nicht einmal Handys gab. Diese Zeit im Rennsport, die heute archaisch anmuten mag, brachte einige der verrücktesten Geschichten hervor, die so heute nicht mehr denkbar sind. Altfrid Heger, Chef der Hegersport GmbH und ehemaliger BMW-Werksfahrer, erinnert sich im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' an kuriose Situationen aus seiner aktiven Zeit.

1992 war die Reihe der Favoriten für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ziemlich begrenzt: Zwei werksunterstützte BMW M3 und ein Opel Omega waren aus dem favorisierten DTM-Lager gemeldet, dahinter lagen mehrere Porsche 911 RSR in Lauerstellung in der Hoffnung, dass die hochgezüchteten DTM-Renner Probleme bekommen sollten. Doch denen sollte eine ungewollte Verkürzung des Rennens in die Karten spielen.

Das Rennen war nämlich vom gefürchteten Eifelwetter komplett gekennzeichnet: Es regnete schon kurz nach dem Start so heftig, dass die Drainage versagte. In der Nacht kam auch noch Nebel hinzu. Das Rennen musste für Stunden unterbrochen werden. Der Rennsieger absolvierte ganze 76 Rennrunden - bis heute die kürzeste Distanz aller Zeiten bei Eifelmarathon. Nur eine Handvoll Stunden wurde überhaupt unter Grün absolviert.

Unterforderung weckt Lust

Die Veranstaltung anno 1992 war geprägt von Kuriositäten: Das Karussell stand durch den nicht enden wollendem Regen nach einiger Zeit unter Wasser, sodass die Feuerwehr es abpumpen musste, ein Blitzeinschlag legte die Tankanlagen in der Box lahm, im Nebel verirrten sich Autos, die teilweise einem in die Boxengasse abbiegenden Safety-Car folgten. Den Vogel schoss jedoch Joachim Winkelhock ab: In den zahlreichen Safety-Car-Phasen, die sich über Stunden hinweg zogen, ließ sich "Smoking Jo" von einem Streckenposten brennende Zigaretten ins Auto reichen.


Ausschnitte 24h Nürburgring 1992 mit dem SC-Skandal

"Der Jockel saß immer im Auto, als gerade das Safety-Car draußen war", erinnert sich sein Teamkollege Altfrid Heger. "Der kam immer völlig ungeschwitzt aus dem Auto." Das brachte den Raucher jedoch in Probleme: Aufgrund der Unterforderung schrie der Körper nach Nikotin. Winkelhock machte es auf dem kurzen Dienstweg: Er suchte sich einen Streckenposten im Adenauer Forst aus und hielt an.

"Der reichte ihm tatsächlich eine brennende Zigarette ins Auto", lacht Heger. "Und 20 Minuten später kam der ganze Zug wieder am Adenauer Forst an. Da stand der Streckenposten schon mit der brennenden Kippe am Fahrbahnrand. So ist das jede Runde abgelaufen, die der Jockel da vorbeigekommen ist."

Sportliches Chaos unter Safety-Car

Die Konsequenz gab es noch während der ersten SC-Phase, als der BMW entscheidend zurückfiel. Hintergrund: Heger und Winkelhock teilten sich den Schnitzer-BMW #1 mit Armin Hahne. Als einzig nennenswerter Gegner erwies sich der Warthofer-BMW von Johnny Cecotto, Christian Danner, Jean-Michel Martin und Marc Duez. Der Opel Omega von Irmscher stellte nur mit Volker Strycek am Steuer eine echte Gefahr dar.

Christian Danner, Johnny Cecotto, Marc Duez, BMW M3 E30, Warthofer

Der Warthofer-BMW verteidigte die Führung das ganze restliche Rennen Zoom

Nun mussten die BMWs unter SC an die Box kommen. Der Ablauf ist vergleichbar mit den heutigen 24 Stunden von Le Mans: Drei Safety-Cars waren im Einsatz, ein Boxenstopp warf ein Fahrzeug einen SC-Zug zurück. Beim Warthofer-BMW #2 ging alles glatt: An die Box, Fahrerwechsel und Nachtanken, einen Zug später wieder raus. Doch der Schnitzer-M3 #1, der zu diesem Zeitpunkt in Führung lag, hatte weniger Glück und landete plötzlich in einem Rattenschwanz von Fahrzeugen, der sich am Ende der Boxengasse vor einer roten Ampel aufgestellt hatte. Aus irgendeinem Grund war die Ampel nach einem SC-Zug nicht auf Grün gesprungen.

Nun herrschte plötzlich große Aufregung. Alle Autos am Ende der Boxengasse mussten zwei Safety-Cars passieren lassen, bis sie wieder raus durften. "Lasst die Autos raus!", brüllten aufgebrachte Teammitglieder, die an den Ort des Geschehens gestürmt waren. Heger persönlich geigte dem Leiter der Streckensicherung die Meinung, Teamchef Charly Lamm platzte wutentbrannt in die Rennleitung.

"Herr Lamm, seien Sie jetzt mal ganz leise"

"Da haben sie ihm dann gesagt, dass er mal ganz leise sein und schnell wieder runter in die Box stapfen sollte", erinnert sich der heute 60-jährige Heger, der den Ärger darüber mittlerweile mit einem Schmunzeln wegwischen kann. "Sie sagten ihm, dass er froh sein sollte, dass das Auto für Jockels Aktion sich noch keine Strafe eingefangen hat." Selbst in der damaligen Zeit war Rauchen am Steuer ein Vergehen. Denn es war eine nicht ganz ungefährliche Nummer, da sich im Cockpit eines völlig ausgeräumten Autos gerne mal Benzindämpfe bilden - damals wie heute.

"Dem würden sie heute die Lizenz entziehen und ihn für ein Jahr in eine Entzugsklinik stecken." Altfrid Heger

Dennoch würde eine solche Aktion natürlich ganz andere Konsequenzen haben. "Dem würden sie heute die Lizenz entziehen und ihn für ein Jahr in eine Entzugsklinik stecken!", amüsiert sich Altfrid Heger, dessen Team den Rückstand nicht mehr zufahren konnte und am Ende ziemlich genau mit dem Abstand durch den verpassten SC-Zug Zweiter hinter dem Warthofer-BMW wurde. "Und der Sportwart wäre auch gleich dran."

Doch es ist davon auszugehen, dass es auch damals schon Konsequenzen hätte geben können, wenn es nicht gerade das Schnitzer-Team gewesen wäre, vor dem ein jeder riesigen Respekt hatte. Und vielleicht, weil das Team durch die Ampelpanne schon genug gestraft war. Das Chaos von 1992 war übrigens mit ein Grund, warum die Safety-Cars auf der Norschleife in der Folge erst von Intervention Cars und mittlerweile Code-60-Zonen abgelöst wurden.

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