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24h 1991: Wie eine Rockerbande Dieter Questers BMW M3 reparierte

Altfrid Heger erzählt aus dem Repertoire von vier Jahrzehnten Profirennsport: Fünf Rocker, eine Kiste Bier und eine Oskar-reife Schauspielleistung von Dieter Quester

(Motorsport-Total.com) - Es gab eine Zeit beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, als noch nicht in jedem Auto Onboard-Kameras verbaut waren. Und in denen es keine Handykameras, ja nicht einmal Handys gab. Diese Zeit im Rennsport, die heute archaisch anmuten mag, brachte einige der verrücktesten Geschichten hervor, die so heute nicht mehr denkbar sind.

BMW M3 E30

BMW M3 E30 des Teams Lindner (Symbolbild) Zoom

Altfrid Heger, Chef der Hegersport GmbH und ehemaliger BMW-Werksfahrer, erinnert sich im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' an kuriose Situationen aus seiner aktiven Zeit.

1991 teilte sich der heute 61-Jährige einen BMW M3 E30 im Linder-Team mit Christian Danner und Dieter Quester. "Wir haben zeitweise geführt, bis um etwa 23 Uhr Dieter Quester ins Auto gestiegen ist", erinnert er sich. "Der ist dann im Brünnchen mit einem Auto kollidiert."

Streckensprecher Peter Theisen hat vermeldet, dass die Truppe von Ludwig Linder einpacken kann - 'Auto im Brünnchen stark beschädigt, Fahrer okay.' Dann haben wir natürlich etwas stinkig unsere Sachen gepackt."

Doch dann kam alles ganz anders: Mitten beim Zusammenpacken meldete sich Theisen erneut über die Streckenbeschallung: "Achtung Luggi Linder, das Auto von euch ist in langsamer Fahrt wieder auf dem Weg in Richtung Fahrerlager! Alles wieder auspacken, Auto müsste in wenigen Minuten da sein!"

Presse umzingelt ölverschmierten Dieter Quester

Und das Team staunte nicht schlecht, als der M3 auf drei Rädern mit einem sauber abmontierten rechten Vorderrad wieder an die Box zurückkam. "Der Dieter kam völlig ölverschmiert aus dem Auto raus, wo auf dem Beifahrersitz das Rad samt perfekt abmontiertem Radträger lag. Die Bremsleitung war improvisiert, aber vorbildlich abgeklemmt."

"Als er gerade seine achte Presserunde gab, kamen auf einmal fünf Rocker aus dem Ruhrgebiet an." Altfrid Heger

Jetzt war die Platzierung egal, die Presse hatte die Story des Rennens. Und Quester gefiel sich in seiner Rolle als rennfahrender Super-Mechaniker. Er nicht müde, in Presserunden, die im Fahrerlager improvisiert wurden, zu erzählen, wie er im Brünnchen eigenhändig das Rad abmontiert hat. Fremde Hilfe war zu dieser Zeit des Rennens nämlich nicht erlaubt.

Dummerweise hatte er im ganzen Medienrummel etwas vergessen. "Als er gerade seine achte Presserunde gab, kamen auf einmal fünf Rocker aus dem Ruhrgebiet an. So richtig eindrucksvolle Typen, Rocker eben. Sie klopften ihm auf die Schulter und meinten: 'Ey Fahrer, du hast uns doch 'ne Kiste Bier versprochen!' Das war dem Dieter natürlich hochpeinlich."

Wie es wirklich ablief

Was sich wirklich abgespielt hat: Quester wollte aufgrund des abgerissenen Rades eigentlich schon aufgeben, als die Rockerbande auftauchte. Diese fackelten nicht lang: "Einer von denen hat eine Werkzeugkiste geholt, zwei kräftige Typen haben das Auto angehoben und die anderen beiden haben das Rad fein säuberlich abmontiert." Es hat auch mal eine Zeit gegeben, in der die gesamtsiegfähigen Fahrzeuge weniger als eine Tonne auf die Waage brachten...

Natürlich blieb das nicht unbemerkt. "Ein Streckenposten hat das gesehen und hat natürlich mächtig Stunk gemacht. Da haben die Rocker ihm gesagt: 'Du schaust jetzt so lange, wie wir dir das sagen, in die andere Richtung. Und wenn du einen Ton sagst und etwas meldest, dann wirst du eine nette Bekanntschaft mit ein paar Leuten von uns machen.'" Dem bedauernswerten Sportwart blieb nichts anderes übrig, als das Spiel mitzuspielen.


24h 1991: Szenen aus der Startphase

Als die provisorische Reparatur beendet war, stieg Quester wieder ins Auto ein. "Als er dann an die Box zurückgefahren ist, hat er sich auf der Fahrt mit dem ganzen Geschmiere auf dem Radträger, der neben ihm lag, angemalt. Und dann hat er im Fahrerlager diese Geschichte erzählt", lacht Heger. Der Kreativität und der schauspielerischen Leistung zollten im Team viele Respekt. Nur Ludwig "Luggi" Linder stellte klar: "Du gehst mir besser aus den Augen."

Geholfen hat die Reparatur übrigens letztendlich nicht: Der BMW M3 war nicht mehr reparabel und Heger/Quester/Danner hatten vorzeitig Feierabend. Damals sehr frustrierend, ist das heute nur noch ein Randaspekt einer Geschichte, wie sie heutzutage nicht mehr denkbar wäre.

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