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Halo-Debatte spaltet Fahrer: "Trauriger Tag für die Formel 1"

Die Einführung des Cockpitschutzes Halo entzweit das Fahrerlager: Pro-Seite lobt Sicherheitsfortschritt, Kritiker bemängeln Optik und stellen Notwendigkeit in Frage

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Ferrari-Pilot Sebastian Vettel testete den Halo 2016 und befürwortet die Einführung des Cockpitschutzes im nächsten Jahr. Alle Fahrerstimmen gibt es hier zum Durchklicken.
Ferrari-Pilot Sebastian Vettel testete den Halo 2016 und befürwortet die Einführung des Cockpitschutzes im nächsten Jahr. Alle Fahrerstimmen gibt es hier zum Durchklicken.

(Motorsport-Total.com) - Es ist Thema Nummer eins im Paddock am Hungaroring: Die Einführung des Cockpitschutzes Halo, die die FIA in der vergangenen Woche quasi im Alleingang beschloss, spaltet das Fahrerfeld der Formel 1. Von 17 Fahrern, die wir vor dem Großen Preis von Ungarn zu dem umstrittenen Bügel befragten, sprachen sich elf für die geplante Einführung aus oder blieben neutral, sechs waren dagegen (alle Stimmen gibt es in der Fotostrecke). Dass das System noch überarbeitet werden muss, darin sind sich jedoch alle einig.

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Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, der in Silverstone zuletzt den alternativen Cockpitschutz Shield testete, zieht Halo diesem ganz klar vor: "Ich war kein großer Fan von Shield, vor allem weil es die Sichtbarkeit negativ beeinflusst hat. Halo testete ich im vergangenen Jahr in Abu Dhabi. Man muss sich daran gewöhnen, aber es beeinträchtigt nicht die Sicht. Das war der größte Unterschied", vergleicht der Deutsche die beiden Sicherheitssystems.

Er befürwortet die Entscheidung der FIA, Halo einzuführen, zumal man sich bereits vor einem Jahr in der Fahrergewerkschaft GPDA darauf verständigt habe, die Sicherheit in dieser Hinsicht verbessern zu wollen. Vettel erinnert sich: "Vor einem Jahr haben wir intensiv über Halo gesprochen, über den Nutzen bei verschiedenen Unfällen, und das Ergebnis war eindeutig", nämlich dass es besser als gar Schutz wäre.

Vettel: "Immer schwierig, alle zufriedenzustellen"

Danach habe man die FIA gebeten, weiter daran zu arbeiten. Es stand laut Vettel demnach außer Zweifel, dass 2018 ein zusätzlicher Kopfschutz kommen wird. "Das jetzt war nur eine Bestätigung. Daher bin ich ein wenig verwundert, dass die Entscheidung so viele überrascht. Ich denke, die Mehrheit der Fahrer unterstützt diesen Vorstoß", sagt der aktuelle WM-Leader, auch wenn er weiß: "Was die Ästhetik angeht, ist es immer schwierig, alle zufriedenzustellen."

Doch Vettel geht fest davon aus, dass sich die Leute schnell daran gewöhnen werden. "Und man wird mit Sicherheit daran arbeiten, dass es besser ausschaut", ergänzt der 30-Jährige. "Aber den Sinn und Zweck dabei darf man nicht vergessen. Dass die Formel 1 gefährlich ist, gehört dazu. Ganz sicher machen wird man sie nie und sollte man auch nie. Aber man kann nicht die Augen verschließen, wenn man weiß, dass man die Sicherheit gerade für uns verbessern kann."

So erinnert er unter anderem an den tödlichen Unfall von IndyCar-Pilot Justin Wilson, der 2015 von einem umherfliegeden Teil getroffen wurde und seinen schweren Kopfverletzungen erlag. "Ich denke, hätte man es ihm vor einiger Zeit angeboten, hätte er es dankend angenommen - wir alle hätten das, um sein Leben zu retten. Aber leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen", so Vettel. Einen Unterstützer findet er in McLaren-Pilot Fernando Alonso.

Hamilton fürchtet zusätzliches Gewicht am Auto

Auch für den Spanier steht Sicherheit an erster Stelle. Er glaubt, dass Halo in der Vergangenheit viele schwere Unfälle hätte verhindern können. "Und genau darauf kommt es an. Die Ästhetik ist für mich dabei zweitrangig", betont der erfahrene Formel-1-Routinier und zeigt Unverständnis für die aktuelle Debatte: "Vor 40, 50 Jahren gab es Sicherheitsgurte. Damals gab es gar keinerlei Diskussion. Ich bin glücklich über einen zusätzlichen Kopfschutz für das nächste Jahr."

Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton verlor ebenfalls kein böses Wort über die Entscheidung der FIA, Halo in der kommenden Saison einzuführen und verwies darauf, dass Studien des Weltverbands ergeben hätten, der Bügel erhöhe die Sicherheit um 17 Prozent. "Es ist schwer, das zu ignorieren", gibt der Brite zu. Gleichzeitig bemängelt er neben der fragwürdigen Optik aber auch die Tatsache, dass das Gewicht der Autos unter dem zusätzlichen Bauteil leide.

"Die Autos sind schon jetzt viel zu schwer. Wir haben diese kleinen Bremsen, um diese schwere Autos zu stoppen. Daher hoffe ich, sie finden einen Weg, das Gewicht zu reduzieren, damit wir das Teil anbringen können und es nicht noch schwerer wird", sagt Hamilton. Unabhängig davon würde er sich auch einem komplett geschlossenen Cockpit nicht verwehren. Das würde besser aussehen und es gebe bereits "ein paar wirklich gute Konzepte dafür".

Halo-Gegner argumentieren: Formel 1 ist sicher genug

"Und wenn man darüber nachdenkt, was Fahrern schon alles passiert ist, ist es schon verrückt, dass unser Kopf, der wertvollste Teil unseres Körpers, noch immer freiliegt. Ich spreche mich also sicher nicht dagegen aus. Aber die Formel 1 muss weiter daran arbeiten", appelliert der Mercedes-Pilot. Doch das sieht jedoch längst nicht jeder im Fahrerlager so. Denn unter denen, die Halo ablehnen, finden sich nicht wenige, die dessen Notwendigkeit in Frage stellen.

Max Verstappen (Red Bull) zum Beispiel verweist auf die Regelanpassungen im Zuge von Jules Bianchis folgenschwerem Formel-1-Unfall im Jahr 2014. "Seit Einführung des virtuellen Safety-Cars ist das Risiko, unter Gelb zu schnell zu fahren, deutlich gesunken", weiß der Niederländer. "Auch die Befestigungsseile der Räder sind ziemlich stark. Und wenn Teile herumfliegen, wird dich der Halo nicht wirklich schützen. Daher verstehe ich nicht, warum wir es brauchen."

Nico Hülkenberg argumentiert ähnlich. "Unfälle, in denen es hilft, passieren extrem selten. Die Technik am Auto wird besser und besser und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Reifen oder Ähnliches umherfliegt, immer geringer. Ich bin mir daher nicht sicher, ob dieser zusätzliche Schutz wirklich nötig ist. Denn alle andere Bereichen entwickeln sich weiter", findet der Renault-Pilot und kritisiert vor allem die Optik: "Der Look leidet doch sehr."

Grosjean enttäuscht: "Ein trauriger Tag für die Formel 1"

Neben der Außenansicht bringen Kritiker auch immer wieder die gewöhnungsbedürftige Sicht aus dem Cockpit vor. "Als ich es testete, mochte ich die Sicht ganz und gar nicht, mit diesem Ding direkt vor mir", sagt etwa Verstappen und sieht den Fahrspaß in Gefahr. Kevin Magnussen (Haas), ebenfalls scharfer Halo-Kritiker, stimmt ihm zu: "Es ist kein schönes Gefühl, so etwas unmittelbar vor deiner Nase zu haben."

Doch der Däne denkt noch weiter. So könne der "Heiligenschein" die Sicht auf bestimmten Streckenabschnitten, die bergauf gehen, derart beeinträchtigen, dass überhaupt erst eine Gefahrensituation entsteht. "Zum Beispiel in Kurve eins in Austin oder in Eau Rouge in Spa, dort könnte man Schwierigkeiten haben, die Spitze zu sehen", mutmaßt Magnussen. Sein Haas-Teamkollege Romain Grosjean sieht ebenfalls Hürden in puncto Sichtbarkeit.

Zwar räumt er ein, dass der Halo in vielen Fällen helfen könne, "aber es gibt ein paar Probleme, über die wir noch nicht nachgedacht haben, zum Beispiel ob man die Startlampe sehen kann - oder Flaggen an der Seite. Noch niemand hat das ausprobiert." Doch nicht nur deshalb bereitet der Cockpitschutz Grosjean Kopfschmerzen. Als er ihn 2016 in Brasilien erstmals testete, wurde ihm nämlich tatsächlich schlecht.

Halo in der nächsten Formel-1-Saison einzuführen, ist seiner Meinung nach ein Fehler: "Es war ein trauriger Tag für die Formel 1, als es bekanntgegeben wurde. Ich bin noch immer dagegen. Ich denke, dafür gibt es keinen Platz in der Formel 1", zeigt er sich enttäuscht. Zwar unterstütze er die Bemühungen der FIA, die Sicherheit zu verbessern, hofft aber auf "bessere Lösungen" in der Zukunft. Dafür gilt es zunächst, mit dem Halo weitere Erfahrungswerte zu sammeln.

Halo noch nicht ausgereift - Entwicklungsarbeit nötig

Befürworter wie Williams-Pilot Felipe Massa mahnen deshalb zu etwas Geduld. Auch für ihn sei die erste Testfahrt mit dem Halo "etwas seltsam" gewesen. "Aber ich habe schon so viele Dinge getestet, die ich zu Beginn seltsam fand, und dann gewöhnt man sich daran. Dafür müssen wir mehr damit fahren, es in unterschiedlichen Situationen ausprobieren", sagt der 36-Jährige und vertraut auf die Entwicklungsarbeit der FIA und der Teams.

Denn noch gibt es viele unbekannte Variablen. So sorgen sich Beobachter, ob die Fahrer mit Halo am Auto schnell genug aus ihrem Wagen steigen können. In Tests dauerte das Aussteigen etwa acht Sekunden. Derzeit müssen die Piloten das Cockpit in fünf Sekunden verlassen können. Doch die FIA will diese Marke im Zuge der Halo-Einführung nach oben korrigieren. Alonso sieht darin kein gravierendes Problem: "Ich glaube nicht, dass es beim Aussteigen Probleme geben wird."

Er sieht sich künftig sorgenfreier im Auto sitzen: "Meine einzige Angst war immer, mit dem Helm aufzuprallen. Mit dem Halo wäre ich wahrscheinlich etwas weniger ängstlich, was Verletzungen angeht", gibt er zu. Eine solche erlitt Massa 2009 in Ungarn. Auch wenn Halo ihm wohl nicht geholfen hätte, sagt er: "Wir sind hier, um eine gute Show darzubieten, aber nicht um unser Leben zu riskieren. Wenn ein Rad oder eine Nase umherfliegt, kann der Halo Leben retten."

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