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Safety-Car-Phasen & Rennabbrüche: War das zu viel Vorsicht?

Die Piloten beschreiben die Bedingungen in Brasilien als extrem, dennoch hätten sich einige mehr Action gewünscht - Lauda: "Sollen sie doch langsamer fahren"

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Gewohntes Bild: Wenn es regnet, ist das Safety-Car im Dauereinsatz. Jetzt durch die Highlights des Grand Prix von Brasilien klicken!
Gewohntes Bild: Wenn es regnet, ist das Safety-Car im Dauereinsatz. Jetzt durch die Highlights des Grand Prix von Brasilien klicken!

(Motorsport-Total.com) - Als die Formel-1-Rennwagen beim Brasilien-Grand-Prix aus der Box in die Startaufstellung rollten und es regnete, schwante vielen Fans Übles: genauer gesagt die so verhasste Prozession hinter dem Safety-Car, wenn die Fahrbahn nass ist. In der Tat wurde die Geduld der Motorsport-Enthusiasten vor den Fernsehern und auf den Tribünen in Sao Paulo am Sonntag auf die Probe gestellt. In über drei Stunden reiner Rennzeit gurkten die Boliden 27 von 71 Runden hinter dem Führungsfahrzeug.

Hinzu kamen zwei Abbrüche. Erst nach dem Unfällen Kimi Räikkönens in Runde 20 und nach dem anschließenden Versuch, das Rennen fortzusetzen. Die zweite rote Flagge stiftete Verwirrung, weil es nicht stärker regnete als zuvor und die Meteorologen eher schlechteres als besseres Wetter vorausgesagt hatten. Jenson Button nimmt die Rennleitung in Schutz: "Schwierige Bedingungen und eine schwierige Entscheidung", sagt der Routinier. "Keiner hat sich verletzt. Eine gute Sache."

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Aber: Die Königsklasse hat einmal mehr Kredit verspielt. Die Brasilianer quittierten das Geschehen mit nach unten zeigenden Daumen und einem gellenden Pfeifkonzert. In dem wirtschaftlich gebeutelten Land geben viele ein Monatsgehalt und mehr für ein Formel-1-Ticket aus. Dann standen sie im Regen und bekamen keine Action geboten. Dass Romain Grosjean - der in der Aufwärmrunde crashte (!) - am Kommandostand frisch geduscht meckerte ("Ist ja wie in der NASCAR-Serie, wo nicht bei Nässe gefahren wird"), wirkte nicht lindernd auf die Zornesröte der TV-Zuschauer.

Auch diverse im Fernsehen übertragene Funksprüche kamen einer Bloßstellung des Rennleiters Charlie Whiting gleich. "Ich weiß nicht, warum wir anhalten. Das sind Regenreifen-Bedingungen. Das ist normal", monierte etwa Lewis Hamilton. Bei Red Bull unterstellte man der FIA, dass die Sicherheit nicht oberste Prämisse sei, als Max Verstappen im Funk die Freigabe forderte. Christian Horner wörtlich: "Da gibt es wohl einen Interessenkonflikt zwischen Fahrern. Das ist das Problem."

McLaren-Rennleiter Eric Boullier rät: "Traut den Funksprüchen nicht." Denn genauso, wie Nico Rosberg einen Abbruch forderte, als nicht so viel Renndistanz absolviert war, dass es volle WM-Punkte gegeben hätte, wünschte sich Teamkollege Hamilton so viel Unwägbarkeit wie möglich. Und zwar, um seine WM-Chancen aufzupolieren. Fakt ist - und da sind sich ausnahmsweise alle einig: Die Bedingungen in Interlagos waren grenzwertig, wozu auch die archaische Strecke beitrug.

Auf dem welligen Asphalt gab es viel stehendes Wasser, das nicht ablief. Solche Pfützen sind für Aquaplaning wie gemacht. Auf dem Weg zur Start- und Zielpassage zeigte sich das besonders deutlich, als Weltklasse-Fahrer reihenweise das Heck verloren. "Es war schwieriger als es sich viele Leute vorstellen. Glaubt mir das", insistiert Fernando Alonso. Renault-Kollege Jolyon Palmer pflichtet bei: "Ich bin gecrasht, weil ich nicht einmal weiter als mein Lenkrad schauen konnte."

Nico Hülkenberg, eigentlich als Regenspezialist bekannt, wird besonders deutlich, wenn es um die Mischung aus schlechter Sicht in der Gischt der Konkurrenten und Aquaplaning geht: "Von zu Hause sieht es vielleicht entspannt aus, aber im Auto... Das ist wirklich Selbstmord, wenn man da weiterfährt." Dass es nach dem Räikkönen-Abflug nicht zu einem Massencrash kam, war Fortuna zu verdanken. Und dennoch: Müssen die besten Piloten der Welt nicht trotzdem die Pobacken zusammenkneifen und sich den Bedingungen stellen?

An der Frage, ob das Handeln den Verhältnissen angemessen war oder ob die Rennleitung mit ihrer Vorsicht über das Ziel hinausschoss, scheiden sich die Geister - besonders, wenn es um den zweiten scheinbar grundlosen Abbruch geht. "Die Formel 1 soll extrem sein. Sie sollte sogar das Extremste sein. Das waren viel zu viele Runden hinter dem Safety-Car", sagt Hamilton. Kevin Magnussen stimmt zu: "Ich habe das Gefühl, dass wir zu vorsichtig waren. Dann dürfen wir eben nicht ans Limit gehen, denn das ist genau das, was wir auch im Trockenen immer tun müssen."

Selbst Rennlegende Niki Lauda, früher Sicherheitspionier, ärgert sich. Er bekennt, die zweite rote Flagge überhaupt nicht verstanden zu haben: "Dann verliert man halt mal das Auto. Sie müssen mit diesen Bedingungen fertig werden, genau wie wir auf der Autobahn. Wenn zu viel Wasser da ist, muss man langsamer fahren." Das Problem bei der Sache könnte sein, dass es ein gewisser Jules Bianchi vor zwei Jahren in Japan nicht getan hat. Er verunglückte, seine Familie zieht jetzt gegen die Formel 1 vor Gericht. Zumindest im Hinterkopf der Rennleitung muss es eine Rolle spielen.

Auch Mercedes-Sportchef Toto Wolff hätte "den zweiten Abbruch nicht vorgenommen, weil sich die Bedingungen nie geändert haben". Vielleicht noch problematischer als das Wasser waren die ausgekühlten Reifen, die in der Boxengasse wieder unter die Heizdecken gesteckt werden konnten. Es wurde erst lange hinter dem Safety-Car gefahren - welches Bernd Mayländer nach Kräften um den Kurs prügelte, aber nicht so schnell bewegen konnte, als dass ein Formel-1-Auto davon warme Pneus bekäme -, weil die Stewards sich nicht zu grünem Licht durchringen konnten. Das war Gift.

"Du musst einen Restart durchziehen", betont Daniel Ricciardo. Die Qualität der Vollregenreifen von Pirelli bringt Sebastian Vettel ins Spiel, eben weil er selbst mit ihnen abflog und wenige Sekunden später Intermediates abholte. Eigentlich ein Treppenwitz. Ricciardo nimmt die Offiziellen wie viele andere trotzdem in Schutz. Teamchef Horner spricht von "Drahtseilakten", Rosberg nennt die Bedingungen "am Limit" und einen "Ritt auf der Rasierklinge", was Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz anschaulich erklärt: "Zeitweise konnte man während der Safety-Car-Neustarts mit 300 km/h absolut gar nichts sehen." Klar ist: Jedem wird es Charlie Whiting nicht recht machen können. Und wenn es zu einer Tragödie kommt, ist sein Kopf der erste, der rollt.

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