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Toro Rosso: Wer will mich?

24. April 2008 - 15:56 Uhr

Unsere Gastautoren Christian Sylt und Caroline Reid analysieren, was alles hinter den Verkaufsplänen von Dietrich Mateschitz steckt

Dietrich Mateschitz
Dietrich Mateschitz will für seine 50 Prozent 80 Millionen Euro haben
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich müsste sich die Formel 1 bester Gesundheit erfreuen. Laut Formula One Management (FOM) sind die TV-Zuschauerzahlen im Vorjahr auf 597 Unique-Viewers angestiegen, die Rennen sind spannender als in den vergangenen Jahren und nach dem Ausstieg der Tabakindustrie haben große Banken das Loch auf Sponsorenebene gestopft. Also muss man sich fragen, warum den zwei zum Verkauf stehenden Teams nicht die Tür eingerannt wird.

Entgegen der allgemeinen Annahme verdienen Formel-1-Teams kein Geld. Eine alte Weisheit besagt, dass man in der Formel 1 am schnellsten dann zum Millionär wird, wenn man als Milliardär anfängt. Das unterstreicht, wie viel Geld notwendig ist, um einen Rennstall auf den Grid zu bringen. Aber natürlich erwarten die meisten Unternehmer einen Return of Investment, schließlich wollen sie in erster Linie eines: Geld verdienen.

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Die Bilanzen der Formel-1-Teams

Die jüngst veröffentlichten Bilanzen der britischen Formel-1-Teams ergeben, dass Red Bull Racing mit einem Gewinn von 641.000 Euro vor Steuerabzügen finanziell am besten abgeschnitten hat. Dahinter folgt Honda mit einer ausgeglichenen Bilanz, während die anderen vier Teams alle rote Zahlen geschrieben haben. Die Spanne reicht von 4,5 Millionen Euro (Renault) bis 43,3 Millionen Euro (Williams) Verlust. Die Gründe dafür sind die hohen Kosten und limitierten Einnahmen.

Das Abkommen, dass die in der Formel 1 engagierten Automobilhersteller vor knapp drei Jahren mit CVC, der Eigentümergesellschaft der Königsklasse, abgeschlossen hat, hat sich auf die Finanzen der Teams bisher ebenso wenig ausgewirkt wie die von Max Mosley anvisierten Kostensenkungsmaßnahmen. Und dass sich daran bald etwas ändern wird, erscheint unwahrscheinlich, schließlich ist der FIA-Präsident momentan anders beschäftigt...

Nun stehen Super Aguri und Toro Rosso zum Verkauf. Toro Rosso hat laut der aktuellsten Steuererklärung einen Gewinn von 187.000 Euro erwirtschaftet, aber der geforderte Kaufpreis ist wesentlich höher. Red Bulls Dietrich Mateschitz, der seine 50 Prozent verkaufen möchte, erklärte kürzlich dem 'Focus': "80 Millionen ist ein Fixpreis und nicht verhandelbar. Damit bekommt man den Entry in die Formel 1, ein exzellentes Team und ein exzellentes Auto, auf dem man seine weitere Entwicklung aufbauen kann."

Wie viel ist Toro Rosso wert?

Für 80 Millionen Euro gibt es bekanntlich nur 50 Prozent, der volle Kaufpreis würde dann theoretisch bei 160 Millionen Euro liegen - also auf dem Niveau, das Honda seinerzeit für BAR bezahlt hat, und doppelt so hoch wie bei der Benetton-Übernahme durch Renault. Im Gegensatz zu Toro Rosso waren diese beiden Teams mit Produktionsstätten und einem Windkanal voll ausgestattet. Zieht man diese eingeschränkte Infrastruktur ab, dann wäre der Toro-Rosso-Deal wohl der teuerste der Formel-1-Geschichte.

Weil es Jahrzehnte dauern würde, den Kaufpreis durch das Team zu erwirtschaften, kann es bei der Werteinschätzung nur um das Premiumasset gehen: das Recht, in der Formel 1 an den Start zu gehen. Allerdings hat David Richards' Prodrive-Organisation erst kürzlich einen kostenlosen Startplatz sausen lassen, sodass man sich fragen muss, ob ein Startplatz wirklich einem Gegenwert von 80 Millionen Euro entspricht. Somit ist der Slot nur solange wertvoll, solange er exklusiv ist, und dass das ewig so bleiben wird, ist nicht in Stein gemeißelt.

Dennoch empfindet Mateschitz den hohen Preis durchaus als angemessen. Aber: "Niemand hat bisher aktiv einen Käufer gesucht, und die Wahrscheinlichkeit ist genauso groß, dass wir Toro Rosso behalten werden." Schade nur, dass Super Aguri nicht einen Milliardär im Hintergrund hat, der sich so ein Vorgehen leisten kann...