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Die Erklärung der Eiszeit zwischen Dennis und Alonso

19. September 2007 - 15:13 Uhr

Der Stunk zwischen Teamchef und Fahrer kam auch bei der Anhörung im Weltmotorsportrat auf den Tisch - inklusive der "Erpressung"

Ron Dennis (Teamchef)
Ron Dennis (Teamchef) findet keinen Zugang mehr zu seinem eigenen Fahrer
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Dass sich Ron Dennis und Fernando Alonso spätestens seit dem Ungarn-Grand-Prix nicht mehr sonderlich gut verstehen, war zunächst nur ein Gerücht, dem jedoch niemand widersprechen wollte. Nach und nach sickerten weitere Details durch, so die versuchte "Erpressung" von Alonso, der damit drohte, belastendes Material an die FIA zu geben, worauf Dennis selbst aktiv wurde.

Wie tief der Graben zwischen beiden ist, zeigt das Protokoll der Anhörung vor dem Weltmotorsportrat am 13. September. "Wir reden nicht miteinander, aber das macht nichts", erklärte Dennis in Paris. Seit dem Eklat in Ungarn, als Alonso drohte, er würde belastendes Material notfalls auch gegen McLaren einsetzen, sprachen die beiden kein Wort mehr miteinander - immerhin sind schon bis zur Anhörung fünf Wochen vergangen.

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"Wir hatten seither keine Unterhaltung mehr", fuhr er fort. "Die Beziehung zwischen Fernando und mir ist extrem unterkühlt - und das ist eine Untertreibung. Fernandos feste Ansicht ist es, dass unser Grundsatz, beide Fahrer gleich zu behandeln, nicht seinen Status als Weltmeister widerspiegelt. Er stützt seine Behauptung auf die Tatsache, dass seine Erfahrung und Kenntnisse und das, was er mit seinem bisherigen Team (Renault; Anm. d. Red.) hatte, es rechtfertigen würde, einen Vorteil zu erhalten."

Wiederholte Drohungen

Auslöser der Drohung von Alonsos Seite war die Unterredung nach am Sonntag in Ungarn. Einen Tag zuvor hatte Alonso in den Schlussminuten des Qualifyings seinen Teamkollegen Lewis Hamilton in der Box aufgehalten, wodurch der Engländer keine schnelle Runde mehr drehen konnte. "Bei dieser Diskussion war er aufgebracht über das, was am Vortag passiert ist, aber bei weitem nicht so aufgebracht wie ich", so Dennis in der Anhörung.

"Er hat Dinge gesagt, die anschließend in vollem Umfang wieder zurücknahm", fuhr er fort. Doch während des Streits kamen die belastenden E-Mails zur Sprache. "Er verwies genau auf E-Mails eines McLaren-Ingenieurs. Als er das gesagt hatte, sagte ich: 'Stopp!' Ich ging heraus und holte (Martin) Whitmarsh (McLaren-Geschäftsführer; Anm. d. Red.) hinzu. Fernando hat dann alles noch einmal gesagt, vor seinem Manager."

Danach stand der Streit mit Alonso nicht mehr im Vordergrund, denn die Tatsache, dass er Informationen hatte, von denen man immer annahm, nur McLaren-Designer Mike Coughlan hätte sie besessen, brachte die Teamführung in Zugzwang. Gemeinsam mit Whitmarsh entschied Dennis, FIA-Präsident Max Mosley in die Unterhaltung einzuweihen.

"Ich war aufgebracht und verärgert, aber Max beruhigte mich", so Dennis. "Er sagte, ich solle nichts tun. Da wurde ich ruhiger. Vor dem Rennen kam dann auch Fernandos Manager zu mir und sagte, er hätte einfach die Beherrschung verloren und hätte nun alles, was er sagte, zurückgenommen." Nun war wieder Mosleys Einschätzung gefragt. "Er verstand die Situation und erklärte, dass, wenn etwas von Alonsos Aussagen stichhaltig sei, er mich vor jeder Maßnahme kontaktieren würde."

26 Tage Ruhe...

Damit war das Thema fast wieder vom Tisch, denn auch Whitmarsh bestätigt, dass man sehr genau die eigenen Leute untersucht habe. Alonso könnte demnach nicht die Wahrheit sagen. Nach dem Rennen in Ungarn jedenfalls kam Alonso auf Dennis zu. "Er entschuldigte sich für den Ausraster und ich schrieb es der Hitze des Gefechtes zu", erklärte er. "Bis auf die weiteren Gespräche mit Martin endete das Thema - bis 26 Tage später die Fahrer einen Brief erhielten."

"Er spricht mit keinem mehr viel. Für einen Fahrer ist er ein bemerkenswerter Einsiedler."
Ron Dennis

Darin wurden Pedro de la Rosa, Fernando Alonso und Lewis Hamilton aufgefordert, der FIA Beweise zu ergeben, die die Anwendung der Ferrari-Daten, die Coughlan hatte, belegen. Sollten die Fahrer in Besitz solcher Beweise sein, so würde eine Übergabe an die FIA mit einer Straffreiheit für die Fahrer einhergehen.

Wie die Tatsache, dass diese E-Mails überhaupt existierten, an die Öffentlichkeit gelangte, konnte Dennis nicht in Erfahrung bringen. "Was in der Zwischenzeit geschah, weiß ich nicht", erklärte er. "Ich weiß auch nicht, unter welchen Umständen das an die Öffentlichkeit kam."

Eine Chance, mehr dazu herauszufinden, hätte man mit einer Befragung von Alonso gehabt. Doch der Spanier erschien nicht in Paris - und wie erst die Aufzeichnungen der Anhörung zeigen, wollte er nicht in Paris erscheinen. "Herr Alonso ist nicht hier, weil er nicht hier sein möchte", so Dennis. "Er spricht mit keinem mehr viel. Für einen Fahrer ist er ein bemerkenswerter Einsiedler. Ich kann ihn nicht zwingen, dass er hier erscheint. Wir haben ihn aber gefragt."

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