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Todt: Ferrari hätte man bestraft

27. Juli 2007 - 17:13 Uhr

Der Ferrari-Rennleiter ist nach dem FIA-Urteil stinksauer - an Ferrari hätte man in einer ähnlichen Situation ein Exempel statuiert

Jean Todt (Teamchef)
Jean Todt: "Wir bei Ferrari können noch guten Gewissens in den Spiegel blicken"
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Die Enttäuschung bei Ferrari sitzt tief. Am Donnerstag sprach der Weltmotorsportrat der FIA in Paris McLaren-Mercedes in der "Spionage-Affäre" frei. Zwar habe das Team über geheime Ferrari-Informationen verfügen können, es sei jedoch nicht exakt genug nachzuweisen, dass diese auch dazu gedient hätten, sich einen Vorteil zu verschaffen.

Für Jean Todt entspricht die Strafe - lediglich eine Warnung, dass im Falle von neuen Beweisen ein WM-Ausschluss folgen könnte - blankem Hohn. Immerhin habe man McLaren-Mercedes nachweisen können, dass sie im Besitz von zum Teil geheimen Ferrari-Informationen waren.

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Jean Todt kann das Urteil nicht nachvollziehen

"Ich frage mich, was passiert wäre, wenn die Rollen vertauscht gewesen wären", so Todt im Interview mit der 'Corriere della Sera'. "Ich frage mich, was passiert wäre, wenn sie im Haus eines Ferrari-Chefdesigners 780 geheime Papiere eines anderen Teams gefunden hätten. Es gäbe Skandal-Rufe. Man hätte gefordert, ein Exempel zu statuieren. Und das wäre auch passiert, da habe ich keinen Zweifel."

Nach einer Begründung oder einer Erklärung für den Freispruch sucht Todt dabei auch noch einen Tag später. "Es gibt nicht ein Anzeichen von Logik in diesem Urteil", fuhr er wütend fort. "Entweder sie sind schuldig oder sie sind es nicht. McLaren wurde dafür verantwortlich gemacht, gegen die Regeln der Formel 1 verstoßen zu haben oder sich arglistig verhalten zu haben - aber sie wurden nicht bestraft."

"Und das ist nicht alles: McLaren hat während der Anhörung zugegeben, vertrauliches Material erhalten zu haben. Das Wissen um diese Spionage kam auch ganz oben an, auch bei Ron Dennis. Und dennoch gab es keine Strafe. Das ist beschämend! Eines ist sicher: Wir bei Ferrari können noch guten Gewissens in den Spiegel blicken. Andere können das seit gestern nicht mehr", fuhr er fort.

Vorteil für McLaren-Mercedes sei "riesig"

Der Weltmotorsportrat bestrafte den Besitz der Dokumente durch einen McLaren-Angestellten (Mike Coughlan, Ex-Chefdesigner) ebenso wenig wie die Kenntnis über dieses Material bei weiteren Angestellten. Vielmehr versuchte man dem Team nachzuweisen, dass Ferrari-Informationen in das Team eingeflossen sind und auch verwendet wurden. Dieser Beweis konnte nicht erbracht werden.

Doch Todt zeichnet hier ein anderes Bild: Auch wenn Ferrari-Informationen nicht in die Entwicklung des McLaren-Mercedes MP4-22 eingeflossen seien, der Vorteil sei dennoch immens. "Es ist, als ob man gegen einen Gegner Poker spielt, der deine Karten kennt", erklärte er. "Der Vorteil ist riesig. Aber man gab vor, es wäre nichts passiert."

"Ich bin seit ungefähr 40 Jahren in diesem Umfeld, ich habe alle möglichen Dinge erlebt, daher überrascht mich nichts mehr. Aber das ist wirklich grenzwertig", so Todt weiter. Für Ferrari ist die Geschichte noch nicht ausgestanden, einen Einspruch gegen das Urteil schloss er nicht aus. "Wir denken darüber nach, was zu tun ist, dann werden wir entscheiden."