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Kolumne zur Honda-Entscheidung: GAU für die WTCC

Redakteur Markus Lüttgens erklärt, warum die Disqualifikation von Honda in Marrakesch für die Tourenwagen-WM eine Katastrophe ist

Honda

Die Disqualifikation von Honda ist für die gesamte Serie ein Dilemma Zoom

Liebe WTCC-Fans,

würde ich an diesem Wochenende vor Ort in Moskau für euch über die Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) berichten, wäre ich heute Mittag zu Jose-Maria Lopez gegangen und hätte ihm zum WM-Titel 2016 gratuliert. "Pechito" hätte in seiner bescheidenen Art diesen Glückwunsch zwar mit Sicherheit nicht angenommen, aber ich bin mir sicher, dass dieser 10. Juni rückblickend als der Tag in die Geschichte eingehen wird, an dem der Titelkampf in der WTCC-Saison 2016 entschieden wurde.

Durch die Entscheidung des Berufungsgerichts des Automobil-Weltverbands FIA, die Disqualifikation der Hondas beim Rennen in Marokko aufrecht zu halten, ist die Nummer gegessen. Klar, es sind noch 14 von 24 Rennen zu fahren, aber einen Vorsprung von mehr als 100 Punkten wird ein Jose-Maria Lopez nicht mehr verspielen - sofern er sich nicht ein Bein bricht.

Die Luft ist aus dem WM-Kampf heraus

Der Argentinier kann ab jetzt das machen, was er in den vergangenen beiden Jahren schon so vorzüglich gemacht hat: Dann zuschlagen, wenn sich ihm eine klare Chance bietet, ansonsten jedes Risiko vermeiden und Punkte sammeln, während die Verfolger auf Angriff fahren müssen und damit für Fehler anfällig werden. Und das ist für die WTCC mehr als tragisch, denn damit ist aus einer bisher abwechslungsreichen Saison endgültig jede Spannung verpufft.


WTCC: Warum Honda disqualifiziert wurde

Hintergründe und Reaktionen auf die Disqualifikation von Honda bei den WTCC-Rennen in Marrakesch

Dabei hatte bei den ersten vier Rennwochenenden alles so gut angefangen. Die Regeländerungen des Winters (Umstellung des Rennformats, Erhöhung des Kompensationsgewichts, Team-Zeitfahren MAC3) hatten sich bewährt. Darüber hinaus hatte Honda mit seinem neuen Fahrer-Trio Rob Huff, Tiago Monteiro und Norbert Michelisz und dem Civic deutliche Fortschritte gemacht. Klar, war Lopez immer noch der Mann, den es zu schlagen galt, doch die Zeiten der reinen Citroen-Show waren vorbei.

Mit Siegen von Piloten wie Mehdi Bennani und Tom Coronel und spannenden Entscheidungen in MAC3 kam Leben in die müde WTCC, die in den vergangenen Jahren durch die erdrückende Citroen-Dominanz bei vielen Fans für gähnende Langeweile gesorgt hatte. Doch was ist davon jetzt noch übrig? Ich befürchte nicht mehr viel, nachdem das Pendel am Nürburgring ohnehin schon in Richtung Lopez ausgeschlagen hatte.

Asien-Tour ohne Spannungsbogen

Die zweite Saisonhälfte dürfte zu einem Schaulaufen von "Pechito" zum dritten WM-Titel werden. Spannung? Fehlanzeige! Dabei wäre das gerade in Halbzeit Nummer zwei so wichtig. Nach dem Rennen in 14 Tagen in Vila Real verabschiedet sich die WTCC aus Europa und begibt sich auf die Reise um die Welt. Zwischen den Rennen liegen dann teilweise fünf Wochen.

Jose-Maria Lopez

Jose-Maria Lopez wird sich den Titel nicht mehr nehmen lassen Zoom

Nach dem Rennen in Argentinien, das Anfang August nicht nur mitten in der Urlaubszeit liegt, sondern auch mit dem Eröffnungswochenende der Olympischen Sommerspiele in Rio kollidiert, folgen die Asien-Rennen in Japan, China und Thailand, bei denen Frühaufsteher-Qualitäten gefragt sind. Und dann schließlich das Saisonfinale in Katar mit den unglücklich terminierten Rennen am Freitagabend.

Angesichts dieser Gesamtsituation könnte ich ehrlich gesagt verstehen, wenn der ein oder andere Fan sein Interesse von der WTCC abwendet und sich im Sommer und Herbst lieber mit anderen Serien beschäftigt. Für eine Meisterschaft, die aber ohnehin (trotz der Organisation durch Eurosport) um Sendezeit und öffentliche Aufmerksamkeit kämpft, und bei der viele Teams und Fahrer jetzt schon große Probleme haben, Sponsoren zu gewinnen, ist das fatal.

Kein Vorwurf an die FIA!

Um das aber klar zu stellen: Ich mache hier niemanden einen Vorwurf. Nicht den Sportkommissaren vom Nürburgring, und nicht den Richtern des Berufungsgerichts der FIA. Auch wenn es auch für mich aktuell ohne nähere Erklärung schwer verständlich ist, warum die Disqualifikation von Ungarn aufgehoben wurde, die in Marokko aber Bestand hat, habe ich keinen Anlass, an der Richtigkeit ihrer Entscheidung zu zweifeln.

Markus Lüttgens

Für Redakteur Markus Lüttgens ist die WM gelaufen Zoom

Auch Honda kann ich nicht wirklich böse sein. Denn eines hat der Urteilsspruch indirekt klargestellt: Die Richter gehen nicht von einem vorsätzlichen Betrug des Herstellers aus, vielmehr hat Honda aus ihrer Sicht das Reglement nicht richtig ausgelegt. Sprich: Honda glaubte eine Lücke im Reglement erkannt zu haben, welche die Regelhüter nicht so sehen. Und die Idee, das Kompensationsgewicht im Unterboden zu verbauen, ist aus technischer Sicht mehr als vernünftig. Nur halt nicht legal, wie wir jetzt wissen.

Leid tun mir die drei Honda-Piloten Tiago Monteiro, Rob Huff und Norbert Michelisz. Sie verlieren nun nicht nur ohne eigenes Zutun den Dreifachsieg in Marrakesch, sondern müssen auch ihre Hoffnungen auf den WM-Titel begraben und erneut ein Jahr warten.

Die Fans sind die großen Verlierer

Die größten Verlierer dieser Affäre sind jedoch die WTCC-Fans. Sie hätten nach zwei sportlich eintönigen Saisons einen Meisterschaftskampf verdient gehabt, bei dem Fahrer von verschiedenen Marken bis zum Ende um den Titel kämpfen. Doch auch dieser Traum ist heute geplatzt.

Bleibt der WTCC trotzdem gewogen, sie hätte es verdient!

Euer

P.S.: Wie seht ihr die Situation? Glaubt ihr auch, dass Lopez schon durch ist oder wird es doch noch einmal spannend? Schreibt mir bei Twitter unter @MST_MarkusL oder auf meiner offiziellen Facebook-Seite.

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