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Mouton kontert Kritik des Fahrerlagers

FIA-Präsident Jean Todt und WRC-Managerin Michele Mouton sind einiger Kritik aus dem Rallye-Fahrerlager ausgesetzt - Mouton unterstützt Todts Visionen

(Motorsport-Total.com) - Noch hat der Automobilweltverband FIA keinen neuen Promoter für die Rallye-WM gefunden. Als Jean Todt im Jahr 2009 zum neuen FIA-Präsidenten gewählt wurde, hieß es, dass er dem Rallyesport zu neuem Glanz verhelfen will, weil ihm die WRC aus seiner persönlichen Vergangenheit wichtig ist. Viel ist bisher nicht geschehen. Die Organisatoren dürfen ihren Rallyes einen eigenständigeren Charakter geben. Außerdem darf die Distanz länger sein und zwischen 300 und 500 Kilometern betragen. Dazu wurden Sparmaßnahmen eingeführt. Unter anderem darf 2012 über die Saison ein Motor weniger verwendet werden und auch das Reifenkontingent wurde beschnitten.

Titel-Bild zur News:

WRC-Managerin Michele Mouton glaubt, dass die größte Krise überstanden ist

Im Rallyelager regt sich aber Unmut über Todt und Michele Mouton, die als Managerin der WRC fungiert. Die Teams und speziell die Privatiers sind gegen längere Rallyes, weil das die Kosten deutlich erhöht und der Nutzen in Frage gestellt ist. Später im Jahr werden die Rallyes in "Classic" und "Endurance" unterteilt werden. Die klassische Strecke beträgt 300 bis 400 Kilometer, während die Rallyes zwischen 400 und 500 Kilometern als Ausdauerveranstaltung bezeichnet werden. Das Problem daran ist, dass in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, diese Kosten nur noch von wenigen Privatiers getragen werden können.

Alleine nach Argentinien wollen kaum Kunden von M-Sport, die mit ihren Ford Fiesta den Großteil des WRC-Feldes stellen, reisen, weil es zu teuer ist. Die FIA will diesen Ausdauerfaktor in Zukunft aber noch erhöhen. Zum Beispiel soll die Anzahl der Reifen noch deutlich reduziert werden. All das stößt auf Unmut bei den beteiligten Fahrern und Teams. Mouton wehrt sich aber gegen diese Kritik: "Die FIA macht sich Gedanken über die Kosten. Wir wollen sie nicht erhöhen, sondern wir wollen den Sport aufregender machen."

"Wir haben bereits für diese Saison daran gearbeitet. Den Teams steht ein Motor pro Jahr und 14 Reifen weniger pro Rallye zur Verfügung", wird die 60-Jährige von 'Autosport' zitiert. "In Zukunft können wir noch mehr sparen, indem wir beim Service Einsparungen treffen. Die Philosophie ist es, einen Tag ohne Service zu fahren. Das würde die Rallye herausfordernder machen."


Fotos: WRC: Rallye Mexiko


Ein anderer häufig gehörter Kritikpunkt betrifft die Rallye2. Todt ist kein Fan von dieser Regel. Bei der Rallye Monte Carlo wurde sie auch ausgesetzt und viele gute Fahrzeuge schieden vorzeitig aus, obwohl sie mit Hilfe der Rallye2-Regel am nächsten Tag wieder starten hätten können. Die Folge war ein sehr dünnes Teilnehmerfeld. "Ich verstehe die Gedanken der Leute im Service-Park und habe mit den Fahrern, den Teams und den Privatiers gesprochen."

Mouton: Das Schlimmste ist überstanden

"Die Aufgabe der FIA besteht darin, sich um den Sport zu kümmern", so Mouton. "Natürlich wollen wir diese Fahrer und Teams behalten. Wir brauchen sie in der Meisterschaft." Dennoch schränken einige Privatfahrer aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ihr Programm ein. Eine gute Promotion der Rallye-WM ist wichtig, wenn man neue Sponsoren anziehen will. In diesem Bereich gibt es noch klar Nachholbedarf.

Trotzdem glaubt Mouton, dass das Schlimmste überstanden ist: "Ich versuche immer positiv zu denken. Ich bin wirklich sehr optimistisch, dass das Schlimmste hinter uns ist. Es war jetzt nicht so wie in Monte Carlo und Schweden", spricht sie die Situation in Mexiko an. "Ich bin nicht mehr nervös. Zwei Jahre lang habe ich nur schlechte Dinge über North One gehört. Das passiert, wenn man jemanden verliert. Wir sollten das als Möglichkeit nutzen, eine neue Basis auszuarbeiten."

Mouton steht hinter Todt

Im Zuge der Promoterkrise hat sich FIA-Präsident Todt bislang nur in Monte Carlo blicken lassen. In den vergangenen Wochen kümmerte er sich um die Tourenwagen- und die Langstrecken-WM. Kritik wurde laut, dass er die WRC vernachlässigen würde. Mouton kontert aber: "Wir haben einen Präsidenten, der die WRC voranbringen möchte. Er steht dahinter. Er sagt nicht, dass wir eine Lösung finden sollen. Er möchte jeden Tag alles über die Situation wissen und kennt sie im Detail."

Da den Organisatoren der Rallyes mehr Freiheiten eingeräumt wurden, gibt es nun auch Prüfungen, in denen der Untergrund wechselt, oder es wird in die Dämmerung hinein gefahren. Bei der Rallye Portugal stehen drei kurze Nachtprüfungen auf dem Programm. Trotz eines Startintervalls von drei Minuten befürchten viele Fahrer, dass der Staub in der Luft hängen bleibt und man nichts mehr sieht und es gefährlich wird.

Jean Todt, Sebastien Loeb

FIA-Präsident Jean Todt ist in der Rallye-Szene groß geworden Zoom

Diskussionen sind vorprogrammiert. Mouton winkt aber ab: "Die Fahrer sind es nicht gewohnt, in der Nacht bei Staub zu fahren. Ich verstehe sie und stimme mit ihnen überein. Es ist aber wichtig, dass die Rallyes herausfordernder werden. Wenn es zu leicht ist, was beweist man dann? Nichts! Der Wert der Fahrer steigt, weil sie ihr Hirn für eine Herausforderung benutzen müssen. Wenn ich auf Jeans Seite bin, dann nur, weil ich seine Vision von der Zukunft des Sports gesehen habe. Ich stimme mit ihm überein."