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Analyse: Was von der FIA zur Zukunft der WRC zu erwarten ist

Die Zukunft der Rallye-Weltmeisterschaft könnte sich in dieser Woche entscheiden: Die aktuellen Hersteller sind sich uneins über den richtigen Weg des Reglements

(Motorsport-Total.com) - In dieser Woche werden die Weichen für die Zukunft der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) gestellt. Es wird erwartet, dass der Automobil-Weltverband FIA bei der Sitzung des Motorsport-Weltrats am Mittwoch (28. Februar) ein Konzept präsentiert, das die künftige Ausrichtung der WRC mit Fokus auf die Top-Kategorie vorgibt.

Titel-Bild zur News: Autos der drei WRC-Hersteller M-Sport-Ford, Toyota und Hyundai

Über die Zukufnt der WRC wird aktuell intensiv diskutiert (Symbolbild) Zoom

Die Hybridklasse Rally1, die 2022 eingeführt wurde, steht auf dem Prüfstand, da sie bisher keine neuen Hersteller angezogen hat. In dieser Saison ist die Teilnehmerzahl in der Königsklasse bei den WRC-Läufen auf unter zehn gesunken.

Die Vorschläge der FIA sind das Ergebnis einer Arbeitsgruppe, die im vergangenen Dezember gegründet wurde, um die zukünftige Ausrichtung des Rallyesports zu evaluieren und Empfehlungen auszusprechen.

Geleitet wird die Gruppe von FIA-Vizepräsident Robert Reid, Beifahrer-Weltmeister von 2001, und David Richards, Beifahrer-Weltmeister von 1981 und Vorsitzender von Motorsport UK. Weitere Mitglieder sind Andrew Wheatley, FIA-Direktor für Straßensport, und Xavier Mestelan Pinon, Technischer Direktor der FIA.

Ganz oben auf der Agenda der Task Force steht die Frage, wie es mit der WRC-Topklasse Rally1 ab dem kommenden Jahr bis Ende 2032, dem Ende des nächsten Homologationszyklus, weitergehen soll. Dabei liegen mehrere Optionen auf dem Tisch.

Von einer Fortsetzung der Rally1 über einen Wechsel zur Rally2 bis hin zur Schaffung einer Rally2-Plus-Formel auf Basis eines modifizierten Rally2-Autos. Sogar Änderungen für das Jahr 2025, wenn der ursprüngliche Rally1-Homologationszyklus noch zwei Jahre läuft, scheinen möglich, wenn auch unwahrscheinlich.

Richards traf sich Anfang des Monats bei der Rallye Schweden mit Herstellern, Teams und dem WRC-Promoter, um die Zukunft zu besprechen. Die FIA hat zudem eine Fan-Umfrage zur Zukunft der Rallye-Weltmeisterschaft durchgeführt, deren Ergebnisse vor dem Motorsport-Weltrat ausgewertet werden. Ein Teil der gesammelten Daten wird voraussichtlich in den Entscheidungsprozess einfließen.

Während ein endgültiges Regelwerk für die nahe Zukunft und die Zeit nach 2027 erst im Juni dieses Jahres vorgestellt wird, soll das in dieser Woche veröffentlichte Konzept ein klares Bild für die Zukunft zeichnen.

"Es [das Konzept] wird eine Reihe von Zielen enthalten, die einen Weg in die Zukunft aufzeigen", sagt Wheatley gegenüber Autosport, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. "Es wird kein Reglement sein, weil es nicht möglich ist, in dieser Zeit ein Regelwerk zu entwickeln. Aber es wird eine Reihe klarer Ziele geben."

"Wenn man etwas macht, was nicht alle wollen, ist das ziemlich gefährlich, also muss man versuchen, einen Mittelweg zu finden. Wir haben eine ganze Reihe von Möglichkeiten, und wenn wir über Regeln sprechen, geht es nicht darum, etwas völlig Neues zu schaffen. Wir haben alle Zutaten, die wir brauchen. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden."

Esapekka Lappi

Spektakulär, sicher, aber teuer: die aktuellen Rally1-Autos Zoom

"Es geht vielmehr darum, ein Gleichgewicht zu finden, mit dem alle leben können. Das ist unmöglich, aber man muss versuchen, einen Kompromiss zu finden", ergänzt Wheatley auf die Frage, ob es wichtiger sei, die aktuellen Marken zufrieden zu stellen, als nach neuen Marken zu suchen.

Sollte der Motorsport-Weltrat Regeländerungen für die Saison 2025 beschließen, hätten die Teams laut Wheatley genügend Zeit, diese umzusetzen.

"Es wird keine dramatische Regeländerung geben, die eine Neuentwicklung innerhalb von drei Monaten erfordert", sagt er. "Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die in verschiedenen Kategorien auf dem Tisch liegen, und wir müssen die richtigen Teile auswählen oder gar keine Änderungen vornehmen."

Der Standpunkt des WRC-Promotors

Die WRC Promoter GmbH ist zwar nicht Teil der Arbeitsgruppe, hat aber der Task Force, die sich um ein klares und attraktives Reglement bemüht, eigene Vorschläge unterbreitet. "Wir hatten ein gutes Treffen mit David Richards, und Andrew war auch dabei", sagt WRC-Sportdirektor Peter Thul gegenüber Autosport.

"Unser Standpunkt ist, dass wir sehr schnell ein Reglement brauchen, das in die Zukunft weist. Wir brauchen ein Reglement, das es den aktuellen Wettbewerbern erlaubt, weiterzumachen und gleichzeitig neue Wettbewerber anzieht. Neue Wettbewerber zu finden ist allerdings eine Herausforderung, denn die Automobilindustrie ist im Umbruch, aber das ist ja nichts Neues."

"Ich weiß nicht, was am 28. präsentiert wird, aber jeder macht sich seine Gedanken. Als Promoter können wir nur erfolgreich sein, wenn das Produkt selbst gut ist. Es war ein sehr gutes Gespräch und ich freue mich auf die Vorschläge."

Was sagen die Teams?

Wie bereits in einer früheren Analyse zu diesem Thema erwähnt, sind die aktuellen WRC-Teams geteilter Meinung, was die Zukunft angeht. Einig sind sich die Teams jedoch darin, die Kosten für die Rally1-Fahrzeuge zu senken, die nicht mehr weit von der Millionengrenze entfernt sind.

Toyota zeigt sich für die kurzfristige Zukunft völlig offen, ob man bis zum Ende des Homologationszyklus bei Rally1 bleibt oder zu Rally2 oder Rally2 Plus wechselt.

"Im Moment sind wir aus Toyota-Sicht grundsätzlich mit beiden Optionen einverstanden, Rally1 oder Rally2", sagt Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala gegenüber Autosport.

"Diese [Rally1-Autos] sind großartige Maschinen, ich würde sagen, sie sind schnell, sie sind sicher, sie sehen gut aus und sie klingen gut, aber sie sind sehr, sehr teuer", erklärt Latvala und nennt eines der Kernprobleme: "Wir haben keine Privatfahrer mehr wie früher. Ein Wechsel zu Rally2 oder sagen wir Rally2 Plus würde viele Probleme lösen, vor allem die Kosten, und es Privatfahrern ermöglichen, in der Königsklasse zu fahren."

Toyota GR Yaris Rally2

Toyota verfügt mit dem GR Yaris über das modernste Rally2-Auto Zoom

"Ich glaube nicht unbedingt, dass es [die Änderungen] für 2025 geben wird, aber ich denke, wenn sich jetzt alle Teams einig sind, mit diesen [Rally1]-Autos 2025 und 2026 weiterzumachen, dann würde ich erwarten, dass es 2027 Änderungen geben wird", sagt Latvala.

Hyundai hat viel in die Rally1 investiert und warnt die FIA vor radikalen Änderungen. Die Verantwortlichen der Marke plädieren dafür, die aktuelle Rally1-Klasse bis zum Ende ihres Zyklus im Jahr 2026 beizubehalten, bevor das Reglement 2027 geändert wird. Zudem brauche es eine Plattform, auf der die Hersteller Technologien aus ihren Straßenfahrzeugen präsentieren können.

Um die Rally1 bis zum nächsten Homologationsfenster ab 2027 zu schützen, ist Teamchef Cyril Abiteboul bereit, künftig vier Autos einzusetzen. Er hat der FIA einen Vorschlag für eine Regeländerung unterbreitet, die sicherstellt, dass sich alle Teams verpflichten, vier Autos einzusetzen, um die Zahl der Teilnehmer zu erhöhen.

"Wenn man drei Hersteller hat, die bereit sind, vier Autos einzusetzen, dann hat man zwölf Autos", sagt Abiteboul gegenüber Autosport.

"Wir haben gesehen, dass wir vielleicht nicht genug Autos haben, aber diese Autos und die Qualität der Rallyes sind meiner Meinung nach hervorragend", verteidigt Abiteboul das aktuelle Reglement. "Vielleicht müssen wir darüber diskutieren, wie wir es für alle Teams wirtschaftlich tragbar machen können. Ich denke, das ist etwas, das man ins Reglement aufnehmen könnte, und vielleicht könnte eines dieser vier Autos einem jungen Fahrer zur Verfügung gestellt werden."

"Wir müssen nicht eine Kategorie [Rally1] abschaffen oder alles auf den Kopf stellen, um die Probleme kurzfristig zu lösen. Wenn wir das [seinen Vorschlag] machen, haben wir mehr Zeit, uns bis 2027 auf das größere Problem zu konzentrieren."

Cyril Abiteboul

Hyundai-Teamchef Abiteboul ist ein Verfechter des Rally1-Reglements Zoom

In der aktuellen Situation wäre es für M-Sport-Ford, dessen Geschäftsmodell auf dem Verkauf von Rallye-Fahrzeugen basiert, äußerst schwierig, sich auf vier Autos zu verpflichten. In der Rally1-Ära verkaufte das Unternehmen nur einen Ford Puma Rally1 an einen Privatfahrer, in der Vergangenheit waren es zwischen acht und 14 Top-Autos pro Jahr.

Das Team ist offen für die Ideen der FIA für die Zukunft, hat aber bereits in der Vergangenheit erklärt, dass ein Top-Auto notwendig ist, um an die Spitze zu kommen.

"Wir sind offen dafür, uns anzuhören, was in Zukunft möglich sein könnte. Wir haben alle einen Fünf-Jahres-Vertrag für das aktuelle Reglement unterschrieben, also sehe ich keine Änderungen vor 2027. Aber wir sind nicht abgeneigt, uns alles für die Zukunft anzuschauen, und ich denke, es ist fair zu sagen, dass alles verbessert werden kann", sagt M-Sport-Gründer Malcolm Wilson gegenüber Autosport.

"Es gibt die Möglichkeit, das Hybridaggregat aus dem aktuellen Auto zu entfernen, aber auch das will gut überlegt sein. Das würde wahrscheinlich 150.000 Euro einsparen und könnte sich positiv auf mögliche Einsätze von Privatfahrern auswirken. Das ist offensichtlich das, was uns wirklich fehlt, und ich denke, der Sport würde davon profitieren, mehr Leute in einem Rally1-Auto zu sehen. Es gibt viel zu besprechen", so Wilson.

Erschwerend kommt für M-Sport hinzu, dass das aktuelle Fiesta Rally2-Auto des Teams auf einem Serienfahrzeug basiert, das nicht mehr gebaut wird. Daher wäre es schwierig, eine Finanzierung von Ford zu erhalten, sollte die FIA entscheiden, dass in Zukunft ein auf Rally2 basierendes Reglement gelten soll.

Ford Fiesta Rally2

Der Ford Fiesta Rally2 ist ein Auslaufmodell Zoom

Wilson schloss die Möglichkeit nicht aus, in Zukunft ein Auto für ein solches Reglement zu entwickeln, räumte aber ein, dass dies zwei Jahre Entwicklungszeit in Anspruch nehmen würde. "Das [ein neues Auto] ist etwas, das für 2027 gemacht werden könnte. Aber wie man es auch betrachtet, es dauert zwei Jahre, um ein Auto zu entwickeln, und wenn wir uns entscheiden, diesen Weg zu gehen, dann muss das technische Reglement geschrieben werden", fügt er hinzu.

"Den Fiesta gibt es nicht mehr, und der Puma ist ein größeres Auto. Wir müssten einen Weg finden, die Leistung aller Autos anzugleichen. Aber das geht nicht über Nacht", sagt Wilson.

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