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VW Passat W8 (2001-2004): Klassiker der Zukunft?

Nur gut 11.000 Exemplare des Passat mit Achtzylinder baute VW in drei Jahren: Wir blicken auf die seltene Super-Limousine zurück

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Die Zeit rund um die Jahrtausendwende waren im Volkswagen-Konzern geprägt von einer Mischung aus Größenwahn und Genialität: Unter der Ägide von Ferdinand Piëch entstanden der Bugatti Veyron, der VW Phaeton und der VW Passat W8. Und so unterschiedlich dieses Trio auch war, gemeinsam hatte es die Idee des W-Motors als Weiterentwicklung der VR-Idee.

W-Motor debütierte im Bugatti

Der womöglich wahnwitzigste Plan war es, fast zeitgleich zum Debüt des Phaeton W12 vor 20 Jahren ihm einen kleinen Bruder zur Seite zu stellen: den Passat W8 der Baureihe B5, die im Jahr 2000 einem großen Facelift unterzogen worden war.

Der erste W-Motor, der 1997 vom damaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Ferdinand Piëch, entwickelt wurde, war ein riesiges 18-Zylinder-Aggregat, das aus drei VR6-Sechszylindern bestand, die in einer geneigten "W"-Form angeordnet waren. Der W18 debütierte 1998 in einem Konzept der damals kürzlich übernommenen Marke Bugatti, aber die praktische Absicht der Motorarchitektur war es, kompakte, leistungsstarke Alternativen zu größeren V6- und V8-Motoren anzubieten.

Auf der Tokyo Motor Show 1997 zeigte man zudem das VW W12 Coupé, welches bis 2001 zum W12 Nardo mit 600 PS weiterentwickelt worden war, aber nie in Serie ging. Mit dem W16, der mit dem Bugatti Veyron auf den Markt kommen sollte, und dem W12, der Bentley wiederbeleben sollte, erwiesen sich die W-Motoren als marktfähig, und Volkswagen suchte nach kleineren Versionen für seine eigene Produktpalette.

Zwei engwinklige 15-Grad-VR4-Zylinderblöcke

Das Design des W8-Motors sah zwei engwinklige 15-Grad-VR4-Zylinderblöcke vor, die auf einer gemeinsamen Kurbelwelle in einem Winkel von 72 Grad angeordnet waren - stellen Sie sich zwei Vs vor, die an ihren Scheitelpunkten verbunden sind. Der daraus resultierende 4,0-Liter-W8 leistete 275 PS und ein Drehmoment von 370 Nm bei 2.750 U/min.

Noch wichtiger ist, dass der W8 dank seiner geringen Abmessungen quer unter die Motorhaube von Autos mit überwiegendem Frontantrieb eingebaut werden konnte. Der Passat mag auf den ersten Blick als ungewöhnliche Wahl für den W8-Motor erscheinen. Doch mit seinen Maßen von nur 16,5 x 28 x 26,9 Zentimetern passte der W8 problemlos in den Motorraum, in dem bis dahin nur ein V6-Motor Platz fand.

Die späten 1990er-Jahre waren eine Zeit des Wachstums für Volkswagen, und Piëch versuchte, auf der Welle in höherwertige Marktsegmente zu reiten. Zu diesem Vorstoß gehörten natürlich die Übernahme von Bugatti und die Wiederbelebung von Bentley, aber es bedeutete auch, dass man sich bemühte, Volkswagen selbst in die gehobene Klasse zu bringen. Ein Achtzylinder-Passat gab dem Unternehmen die Möglichkeit, mit höherwertigen, leistungsstärkeren Luxuslimousinen zu konkurrieren und sich gleichzeitig als preisgünstiges Angebot zu präsentieren.

Passat W8 "eine Brücke in den Luxussektor"

Volkswagen kündigte den Passat W8 bei seiner Premiere im Sommer 2001 als genau das an, was er war: "eine Brücke in den Luxussektor ... die Käufer ansprechen soll, die nach hoher Leistung und Qualität in einem subtilen und erschwinglichen Paket suchen."

VW Passat W8

VW Passat W8 Zoom

Leider nur etwas zu subtil. Denn außer dem (abbestellbaren) W8-Kürzel im Grill unterschied sich der Ober-Passat nur wenig von seinen zivilen Brüdern. Und wer unbedingt einen Luxus-VW wollte, konnte nun auch zum prestigeträchtigeren Phaeton greifen. Immerhin: Es gab den Passat W8 sogar als gepanzerte Sonderschutz-Version der Klasse B4.

Die W8-Passat-Modelle begannen in den USA bei etwa 40.000 Dollar und waren serienmäßig mit dem 4Motion-Allradantrieb des Unternehmens ausgestattet und wurden entweder mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder einem Fünfgang-Tiptronic-Automatikgetriebe angeboten. Gerade als Schalter war der Passat W8 ein Wolf im Schafspelz und benötigte nur 6,5 Sekunden auf Tempo 100.

Keine Chance gegen die Konkurrenz von Mercedes und BMW

In Deutschland kostete der VW Passat W8 zum Start gut 80.000 Mark. Immerhin hob er sich mit serienmäßiger Ausstattung wie getöntem und wärmegedämmtem Glas, Bi-Xenon-Scheinwerfern und Einparkhilfe deutlich von anderen Passat-Varianten ab. Im Innenraum traf geschmeidiges Leder auf Holzakzente und ein leistungsstarkes Audiosystem. Aber für 80.000 Mark gab es eben auch Alternativen mit Stern und BMW-Logo.

Als zusätzliches Schmankerl für Liebhaber war der Passat W8 auch als Kombi erhältlich. Die Kritiken waren lobend, aber die Idee eines höherwertigen Passats mit diesem seltsamen neuen Motor kam bei den Käufern nicht gut an. Im Jahr 2004 wurde der W8-Passat nach nur etwa 11.000 verkauften Exemplaren weltweit (laut Volkswagen USA, davon 2.359 in Deutschland) eingestellt - und damit auch der W8-Motor selbst.

Der Passat sollte das einzige Fahrzeug sein, in dem der Achtzylinder-W-Motor der Marke jemals zum Einsatz kam. Kurioserweise trug der Phaeton nämlich einen 4,2-Liter-V8 (bekannt aus dem Audi A8) unter der Haube, was den W8 zum teuren Solitär machte.

Weitere VW-Youngtimer im Überblick:

VW New Beetle (1997-2010): Klassiker der Zukunft?
VW Bora (1998-2005): Kennen Sie den noch?

Die kurze Lebensdauer des Passat W8 trug dazu bei, ihm nach seinem Ableben eine treue Fangemeinde zu bescheren. Im Laufe der Jahre wuchs die Wertschätzung - die geringe Stückzahl, die produziert wurde, machte ihn selten; die Tatsache, dass er die einzige Serienanwendung des W8-Motors überhaupt war, machte ihn einzigartig. Hinzu kam die Spezialität des Sechsgang-Schaltgetriebes.

Ein Liebhaberfahrzeug ist der VW Passat W8 20 Jahre nach seinem Debüt in jedem Fall und ein Youngtimer mit Zukunft. Doch Vorsicht: Bei Verbrauch und Ersatzteilpreisen bleibt der Chef-Passat von einst seinem damaligen Anspruch auch heute noch gerecht.

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