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  • 04.01.2021 · 10:10

Vergessene Studien: VW Berlin/Milano/London Taxi (2010/2011)

Bevor die Serienversion des VW Up im Jahr 2012 auf den Markt kam, zeigte eine Taxi-Variante, wie geräumig das kleine Auto sein konnte

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Name: VW Milano Taxi/Berlin Taxi/London Taxi
Premiere: 2010
Technische Daten: 3,73 Meter Länge, 1,66 Meter Breite, 1,60 Meter Höhe, Elektromotor mit 85 kW Spitzenleistung, Dauerleistung 50 kW

Hintergrund:

Auf dem Weg zur Serienversion des VW Up zeigte man sich kreativ. Diverse Studien vermittelten den Eindruck, es sei eine ganze Modellfamilie geplant. Besonders vielversprechend wirkte das "Milano Taxi", das Volkswagen auf der Hannover Messe im April 2010 vorstellte. Ihm folgten im gleichen Jahr noch das "London Taxi" und das "Berlin Taxi", die sich nur durch die jeweils lokale Taxi-Farbgebung unterschieden.

Das seriennah wirkende Milano Taxi basierte auf der 3,68 Meter langen VW-Studie "space up!", welche im Oktober 2007 auf der Tokyo Motor Show erstmals gezeigt wurde. Als wesentlichsten Unterschied wies das Milano Taxi aber nur zwei Türen auf: Ein Portal links für den Fahrer und eine Schiebetür rechts für den Einstieg der Fondpassagiere. Eine Beifahrertür ist nicht nötig, da auf dessen Platz das Gepäck transportiert wird.

Die Entwicklungscrew verpasste dem Taxi eine weit nach vorn öffnende Schwenktür mit einer völlig neu entwickelten, zweiachsigen Kinematik. Die Schwenktür reichte zudem bis weit in das Dach hinein, wodurch auch eine hohe Öffnung erreicht wurde. Mit 3,73 Meter war das Milano Taxi und seine Ableger rund 15 Zentimeter länger als der spätere Serien-Up.

Stilistisch dem Volkswagen Samba-Bus der 50er Jahre ähnlich, hatte VW die äußeren Dachbereiche (vorne und rechts hinten als Teil der Türen) transparent ausgeführt. Die in Grün und Schwarz gehaltene Zweifarblackierung der Studie war eine Hommage der Marke Volkswagen an die Modemetropole Mailand; dort waren die Taxis einst in dieser Farbkombination lackiert.

Bewusst gab es an Bord dieses Taxis keinen Beifahrersitz. Stattdessen befand sich dort wie in den meisten London-Taxis ein Cargobereich für das Gepäck; durch die in diesem Bereich entsprechend angepasste Schalttafel konnte zusätzlich Raum gewonnen werden.

Da die Koffer über keine Ladekante gewuchtet werden müssen, können die Passagiere sie leicht selbst verstauen und mittels eines Bügels auf Knopfdruck fixieren. Der eigentliche Kofferraum hinter der Rücksitzbank wird indes nur noch für kleine Utensilien genutzt, um möglichst viel Raum für die Fondgäste zur Verfügung stellen zu können.

Bemerkenswert war das opulente Raumangebot, ein Elektroantrieb machte es möglich. Der Knieraum hinter dem Fahrersitz erreichte mit 120 Millimeter laut VW das Niveau ausgewachsener Luxuslimousinen. Wer im Fond rechts Platz nahm, konnte seine Beine dank des nicht vorhandenen Beifahrersitzes sogar komplett ausstrecken. Die Kopffreiheit betrug 994 Millimeter.

Ganz neu war das spezielle Taxi-Interface, bei dem die wesentlichen Anzeigen und Bedienelemente zentral in einem Acht-Zoll-Touchscreen im Bereich der Mittelkonsole konzentriert wurden. Auch das Kombiinstrument vor dem Fahrer ist mit dem Touchscreen der Mittelkonsole vernetzt. Bis zu vier Funktionsmodule können durch eine einfache Wischgeste mit den Fingern in das Instrument ,geschoben" werden, um dort entsprechend minimiert visualisiert zu werden.

Angetrieben wurden die kleinen Taxis von einem Elektromotor mit einer Spitzenleistung von 85 Kilowatt (Dauerleistung: 50 Kilowatt gleich 68 PS). Mit Energie versorgt wurde der Motor über eine im Unterboden der Studie integrierte Lithium-Ionen-Batterie. Tatsächlich wurde die Spitzenleistung ab 2013 im VW e-Up realisiert.

Nicht aber die Speicherkapazität von 45 Kilowattstunden. Wegen des relativ geringen Fahrzeuggewichtes von 1.500 Kilogramm sollten je nach Fahrweise Distanzen von bis zu 300 Kilometern zurückgelegt werden können. In Abhängigkeit von der vorhandenen Ladeinfrastruktur und dem aktuellen Ladezustand konnte die Speicherbatterie in gut einer Stunde auf bis zu 80 Prozent ihrer Gesamtkapazität nachgeladen werden.

Zu schade, dass die kleinen Taxis nie in Serie gingen. Für einen Verbrennungsmotor hätte der kurze vordere Überhang wohl nicht gereicht. Doch mit Elektroantrieb hätte VW einen interessanten Konkurrenten zum BMW i3 gehabt. Vielleicht geht ja Herbert Diess mal ins Archiv und holt sich beim Milano Taxi Inspirationen für den künftigen ID.1.

Weitere vergessene Studien:

Vergessene Studien: Trabant nT (2009)

Vergessene Studien: Opel Maxx (1995)

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