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VW 411/412 (1968-1974): Kennen Sie den noch?

Mit dem Volkswagen Typ 4 reizte der Konzern anno 1968 das Käfer-Konzept maximal aus, doch er wurde zum Flop: Ein Blick zurück

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen.

Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Youngtimer und Oldtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Ein neues Modell von VW war in den 1960er-Jahren ein Höhepunkt wie heute die Vorstellung eines neuen Tesla oder iPhone. Doch 1968 hatte man in Wolfsburg das Käfer-Konzept zu sehr ausgereizt: Der VW 411 respektive Typ 4 mit Heckmotor wirkte anachronistisch und sah überdies auch nicht wirklich hübsch aus. "Vier Türen, elf Jahre zu spät" unkte bald der Volksmund über das Auto, welches der kurz zuvor verstorbene gottgleiche VW-Chef Heinrich Nordhoff als Erbe hinterlassen hatte.

Nach sechs Jahren war schon Schluss

Trotz eines üppigen Facelifts (im wahrsten Wortsinne) zum VW 412 hielt sich der Typ nur sechs Jahre im Modellprogramm und wurde im Golf-Jahr 1974 beerdigt. Lediglich 368.000 Fahrzeuge wurden in dieser Zeit gebaut. Für andere Marken viel, für VW allenfalls mittelprächtig.

Im Jahr 1968 hatte sich der ikonische Käfer jedes Jahr millionenfach verkauft und Volkswagen als einen der weltweit größten Automobilexporteure etabliert. Dennoch erforderte der anhaltende Erfolg ein sich ständig weiterentwickelndes Portfolio. VW blickte mit dem Typ 4 (besser bekannt als 411) in die Zukunft - ein Auto, das aus der Käfer-Plattform hervorging, aber größer war, um besser für Familien auf der ganzen Welt geeignet zu sein.

Die Produktion begann im September 1968, wobei der 411 als Zweitürer oder - Premiere für Volkswagen - als viertürige Limousine angeboten wurde. Technisch setzte der 411 auf eine Einzelradaufhängung vorne und eine Pendelachse hinten anbot. 

Lange Front beherbergt den Kofferraum

Das ungewöhnliche Antriebslayout des 411 wurde dem Käfer entlehnt: Ein hinten liegend montierter Vierzylinder-Boxermotor mit Doppelvergasern wurde auf 1.679 ccm vergrößert und lieferte zunächst 80 PS bei 5.000 U/min und ein Drehmoment von 126 Nm bei 3.300 U/min, gepaart mit einem Viergang-Schaltgetriebe oder einem Dreigang-Automatikgetriebe.

VW 412

VW 412 Zoom

Aber die Optik blieb gewöhnungsbedürftig: Eine lange Frontpartie beinhaltete den großen Kofferraum, denn der Motor saß ja hinten. Gleichzeitig blieb der Radstand mit 2,50 Meter nahe am Niveau des Käfer. Und kein Grill schmückte die kahle Frontparte. Die Folge war ein unharmonisches Design und der Spitzname "Nasenbär" für den 411.

Der Typ 4 wurde der Welt mit einer Werbekampagne vorgestellt, die sich auf die Größe und die Eigenschaften des Fahrzeugs konzentrierte. Eine der ersten Anzeigen für den Wagen kündigte in Fettdruck oben "Der Große aus Wolfsburg" an, eine andere verkündete "Manche Dinge sind einfach das Beste". Verkaufsbroschüren unterstrichen diese Idee und wiesen auf gehobene Ausstattungsmerkmale wie zugfreie Luftzirkulation, eine thermostatgesteuerte Zusatzheizung und sechsfach verstellbare Vordersitze hin, die sich vollständig zurücklehnen ließen.

Auch der Kombi wird kein Erfolg

Mit Blick auf die Sicherheit gebaut, verfügte der 411 über Knautschzonen vorn und hinten, eine gepolsterte Instrumententafel, eine klappbare Lenksäule und ein Lenkrad mit gepolsterten Speichen. In Broschüren wurde die Aufhängung des 411 als ähnlich der des Porsche 911 angepriesen, jedoch mit dem Schwerpunkt auf Stabilität statt Geschwindigkeit.

Obwohl der 411 einen Großteil seiner DNA mit dem Käfer teilte, profitierte er nicht von dessen ikonischem Platz in der Popkultur oder seiner geliebten Ästhetik. Die Anfangsverkäufe verliefen schleppend; da die Produktion erst Ende 1968 begann, wurden etwas mehr als 20.000 Stück verkauft.

Im Jahr 1969 wurden mehr als 48.000 411er produziert und ein Kombi in das Programm aufgenommen. Aber die Stückzahlen waren immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zum Käfer, der immer noch jährlich zu Hunderttausenden produziert wurde.

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1970 begann mit der Einführung des K 70, einer Übernahme von NSU und Vorläufer des Passat die Ära der wassergekühlten Volkswagen mit Frontmotor. Der 411 wurde im folgenden Jahr auch nach Amerika exportiert, 1972 folgte eine gründliche Modellpflege, die in 412 umbenannt wurde, und 1973 ein Motor mit höherer Leistung.

Doch alle diese Maßnahmen zogen nicht wirklich. Die Produktion des Typ 4 übertraf pro Jahr nie die Zahl von 80.000 Einheiten. Die letzten 412er wurden 1974 gebaut, als mit Passat, Scirocco und Golf die moderne VW-Generation entstand.

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