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Vor 30 Jahren debütierten die Mercedes Cabrios der Baureihe 124

1991 zeigte der Hersteller nach längerer Pause wieder ein viersitziges Cabriolet auf Basis der Baureihe 124. Heute sind die Modelle beliebte Klassiker

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Wenn Sie heute langjährige Fans der Marke mit dem Stern fragen, welches Modell für sie persönlich denn der letzte echte Mercedes sei, werden Sie oftmals diese Antwort erhalten: W124.

Das kantige und gradlinige Design der 1980er-Jahre gepaart mit einem unglaublichen Qualitätsanspruch sorgt heute für diese Einschätzung und gleichzeitig dazu, dass die nun sukzessive 30 Jahre alt werdenden Fahrzeuge bald den 123er in der H-Zulassungsstatistik ablösen werden.

Während Limousine (W) und T-Modell (T) der Baureihe bereits 1984 beziehungsweise 1985 vorgestellt wurden und das Coupé (C) im Jahr 1987 folgte, kam das Cabriolet erst etwas später. Premiere hatte der offene Viersitzer mit dem internen Namen A 124 vor 30 Jahren auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main, die vom 12. bis 22. September 1991 stattfand.

Mercedes knüpfte mit diesem Wagen nach einer Pause von genau 20 Jahren erfolgreich an eine Tradition an. Bis 1971 wurden nämlich die Cabrios mit der Bezeichnung W 111 und W 112 gebaut.

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere Zoom

Das Cabriolet basiert auf dem Coupé der Baureihe und dient Mercedes nach der im Herbst 1990 vorgestellten Hochleistungslimousine 500 E als ein weiteres Leuchtturmprojekt. Der Aufwand ist enorm: Rund 1.000 Teile verändern oder konstruieren die Ingenieure völlig neu, um die hohen Anforderungen an passive Sicherheit und Fahrkomfort trotz der wegfallenden Dachstruktur zu erfüllen. So fertigt Mercedes zahlreiche tragende Teile des Cabriolets aus dickeren oder festeren Blechen als bei den Coupés.

Hochbelastete Stellen erhalten zudem nach aufwendigen computergestützten Simulationsberechnungen zusätzliche Verstärkungen in Form doppelter Bleche, Knotenbleche oder Streben.

Unter anderem werden die Blechdicken an A- und B-Säulen sowie den seitlichen Längsträgern verstärkt, der Verdeckkasten ist als quer versteifendes Element ausgeführt, und ein Druckgussträger ist mit dem Tunnel der Bodengruppe sowie dem Querträger der Armaturentafel verschraubt. Diagonalstreben vorn sowie hinten steigern die Verwindungssteifigkeit. Hier setzen die Ingenieure Erfahrungen aus der Entwicklung des Mercedes SL der Baureihe R 129 um.

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere Zoom

Zusätzlich kommen Schwingungstilger zum Einsatz, um den Fahrkomfort zu optimieren. Solche Elemente haben die Entwickler bereits beim 1965 vorgestellten Mercedes-Benz 600 Landaulet der Baureihe W 100 verwendet. Insgesamt vier dieser Masse-Feder-Systeme mit zusammen 26 Kilogramm Gewicht werden an neuralgischen Punkten des Cabriolets eingebaut: auf dem Dom des vorderen linken Federbeins, im Dachrahmen und in den hinteren Kofferraummulden.

Das US-amerikanische Magazin "Road & Track" würdigt in Ausgabe 7/1994 in einem Vergleich die Qualitäten des E 320 Cabriolet:

"Ein guter Teil des Preisunterschieds ist in der Fahrzeugkonstruktion begründet. Es ist mit geöffnetem Verdeck merklich leiser als die beiden anderen. Unregelmäßigkeiten im Straßenbelag werden von der Federung registriert und dem Fahrer auf subtile Weise mitgeteilt, ohne die Gelassenheit zu verlieren. Auf der Autobahn ist der E 320 fast so leise wie seine Geschwister als Coupé und Limousine, dank der außergewöhnlich soliden Karosseriestruktur und der exzellenten Passgenauigkeit des Verdecks."

Ein weiteres Sicherheitsfeature: Hinter den Rücksitzen wird ein neu entwickelter und patentierter, linear arbeitender Überrollbügel eingebaut, dessen Oberseite die Form von zwei einzelnen Kopfstützen hat. Der Bügel fährt innerhalb von 0,3 Sekunden auf einer leicht gekrümmten Laufbahn nach oben aus, wenn die Fahrzeugsensoren einen drohenden Überschlag erkennen. Auf Wunsch kann er als Kopfstütze für die Fondpassagiere auch manuell aus- und eingefahren werden.

Das vollversenkbare Stoffverdeck wiegt 43 Kilogramm. Die Konstruktion besteht aus 27 Gestängeteilen und 34 Gelenken. In zusammengeklapptem Zustand hat sie ein Volumen von 80 Litern. Das Verdeck ist durch eine 20 Millimeter dicke Schicht aus Faservlies zwischen dem äußeren Bezug und dem inneren Verdeckhimmel isoliert. Zudem ist die Außenhaut fest mit den vorderen und mittleren Spriegeln verbunden, um das bei Cabrios sonst oft auftretende Aufblähen des Verdecks zu vermeiden.

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere Zoom

Die heizbare Heckscheibe aus Sicherheitsglas ist durch einen Doppelrahmen bündig mit der Außenhaut verbunden und bietet verzerrungsfreie Sicht nach hinten. Als komfortable Sonderausstattung gibt es eine elektrohydraulische Verdeckbetätigung, die ab der Modellpflege 1993 zur Serienausstattung gehört.

Entwickelt wird das Cabriolet übrigens nicht in Eigenregie sondern - wie bereits beim 500 E - gemeinsam mit Porsche. Zunächst beginnt die Arbeit am offenen Viersitzer 1988 bei Karmann in Osnabrück. Im Januar 1989 übernimmt dann Porsche den Entwicklungsauftrag, wo man bis zu diesem Zeitpunkt an einem möglichen Cabriolet für die kommende C-Klasse der Baureihe 202 gearbeitet hatte.

Bei der Premiere im Jahr 1991 hat das 300 CE-24 Cabriolet einen 3,0-Liter-Reihensechszylindermotor und 220 PS unter der Haube. Die Serienfertigung in Sindelfingen läuft im März 1992 an. Es bleibt zunächst ein elegant-sportlicher Solitär im Modellprogramm der Marke.

Bereits zum Modelljahr 1993 erfährt der offene Viersitzer eine Modellpflege, die sich äußerlich unter anderem in dem nach dem Vorbild der S-Klasse der Baureihe 140 gestalteten "Plakettenkühler", vorderen Blinkleuchten mit farblosen Deckgläsern und den in der Farbe der Anbauteile lackierten Stoßfängerschutzleisten bemerkbar macht.

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere

Mercedes-Benz Cabriolets der Baureihe 124 haben 1991 Premiere Zoom

Fahrerairbag sowie elektrisch verstellbare Außenspiegel links und rechts sind nun serienmäßig, Zentralverriegelung und Fünfganggetriebe gehören bereits vorher zur Serienausstattung. Ebenfalls ändert sich der Name. Die E-Klasse ist geboren.

Das Modellprogramm umfasst nun insgesamt vier Varianten mit jeweils zwei Vier- und Sechszylindermotoren. Das E 200 Cabriolet (136 PS) wird zunächst und bis 1994 nur für den Export nach Griechenland, Italien und Portugal gebaut. Eigentliches Einstiegsmodell ist damit 1993 das E 220 Cabriolet (150 PS).

Nachfolger des 300 CE-24 Cabriolet wird das E 320 Cabriolet (220 PS) und neues Topmodell ist das E 36 AMG Cabriolet (272 PS). Insgesamt entstehen bis Juli 1997 genau 33.952 Exemplare des A124. Die meisten Kunden - nämlich 18.572 - entscheiden sich dabei für einen Typ mit Sechszylindermotor.

Mercedes Cabriolets der Vergangenheit:

Vergessene Studien: Mercedes Ocean Drive Concept (2007)
Mercedes 280 SE Cabriolet 3.5: Unterwegs im Luxus-Dampfer
Auf die offenen Modelle der Baureihe 124 folgen als offene Viersitzer mit Stoffverdeck die CLK-Cabriolets A 208 (1998 bis 2003) und A 209 (2003 bis 2010) sowie die E-Klasse Cabriolets A207 (2010 bis 2017) und A 238 (seit 2017).

Zudem haben im Jahr 2015 in der Mercedes S-Klasse (A217) und im Jahr 2016 in der Mercedes C-Klasse (A205) jeweils viersitzige Cabriolets Premiere. Ob auch diese Modelle irgendwann gesuchte Klassiker werden? Da müssen wir uns wohl noch ein wenig gedulden.

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