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  • 23.11.2022 · 08:57

  • von Roland Hildebrandt

Vergessene Studien: Audi Rosemeyer (2000)

Bernd Rosemeyer war das Rennfahrer-Idol der 1930er-Jahre - Die nach ihm benannte Konzeptstudie nahm bereits Elemente des Bugatti Chiron vorweg

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Er war das Rennfahrer-Idol im Deutschland der 1930er-Jahre und Popstar des Nationalsozialismus: Bernd Rosemeyer. Seine größten Erfolge, aber auch sein früher Tod mit nur 28 Jahren sind untrennbar mit den Rennwagen der damaligen Auto Union verbunden. Kein Wunder also, dass Audi ihm Jahrzehnte später eine Fahrzeugstudie widmete.

Audi Rosemeyer (2000) Zoom

Audi huldigte damals der Studie mit folgenden Worten: "Im Scheinwerferlicht taucht ein Fahrzeug auf, das auf den ersten Blick nicht von dieser Welt zu sein scheint. Flach, geduckt, auf dem Sprung. Ungebändigte Energie und präzise Geometrie gehen ineinander auf. Fließende, aerodynamische Linien verbinden sich mit der Klarheit unverstellter Funktionalität."

Nun gut. Widmen wir uns lieber den Fakten. Der Audi Rosemeyer war 4.539 mm lang, 1.920 mm breit und hatte einen Radstand von 2.911 mm. Der monumentale Kühlergrill erinnerte an die historischen Auto Union-Silberpfeile ebenso wie die langgestreckte, sanft zum Heck hin abfallende Motorhaube mit ihren vertikalen Lufteinlass-Schlitzen. Die matt schimmernde Karosserie bestand aus gebürstetem Aluminium.

Parallelen zum Audi TT und Bugatti Veyron

Die klaren architektonischen Linien mit der Kuppel des Dachs, die Radhäuser in Form eines exakten Halbkreises und die hohe Gürtellinie sollten die Verwandtschaft zum ersten Audi TT zeigen. Über 20 Jahre später entdeckt man an Front und Heck des Rosemeyer aber auch Parallelen zum Bugatti Veyron.


Fotostrecke: Vergessene Studien: Audi Rosemeyer (2000)

Dazu passt, was Audi seinerzeit zu einem möglichen Antrieb schrieb: "Wie die Silberpfeile könnte ein 16-Zylinder-Mittelmotor auch dieses flache Coupé antreiben. Zwischen den riesigen Rädern in weit nach oben ausgeformten Radhäusern ist viel Platz. Ein langer Radstand, der Raum lässt für zwei Insassen und einen großvolumigen Motor vor der Hinterachse."

Kurze, wie aus dem Vollen geschnitzte Überhänge betonten zusätzlich den langen Radstand und unterstrichen den kraftvollen Auftritt aus der Seitenansicht. Einen großvolumigen Mittelmotor mit sechzehn Zylindern, daran erinnert sich der Betrachter, hatten die Renn- und Rekordwagen der Auto Union in den dreißiger Jahren an Bord. Rennwagen, die Fahrer-Legenden wie Bernd Rosemeyer und Tazio Nuvolari von Sieg zu Sieg jagten.

Berns Rosemeyer starb 1938 bei Rekordfahrt

Bernd Rosemeyer galt als Genie im Rennwagen-Cockpit und war das Motorsportidol seiner Zeit. 1936 gewann er im Auto Union Typ C 16-Zylinder alle erreichbaren Titel: Europameister, Deutscher Straßenmeister und Deutscher Bergmeister. Er stellte mehrere Weltrekorde auf und überschritt als erster Mensch die 400 km/h Grenze auf einer öffentlichen Straße. Bei Rekordfahrten im Januar 1938 erfasste eine Windböe Rosemeyers Wagen bei einer Geschwindigkeit von knapp 440 km/h. Nach mehrfachem Überschlag konnte Rosemeyer nur noch tot geborgen werden.

Bernd Rosemeyer

Bernd Rosemeyer Zoom

Der Audi Rosemeyer war kein fahrbereiter Prototyp und auch nicht Vorgriff auf einen Serienfahrzeug. Vielmehr sollte er laut seinen Machern das technologische Potential der Marke Audi visualisieren.

Erkennbar in den riesigen Rädern sind großdimensionierte, gelochte Bremsscheiben. Anno 2000 hieß es: "Mit dem permanenten Allradantrieb quattro hätte Audi eine perfekte Basis, um die Kraft eines großen Motors in Vortrieb umzusetzen, um auch eine solch ultimative Sportwagenstudie zur perfekten Fahrmaschine zu qualifizieren."

Markante Lufteinlässe gliedern die gesamte Aluminium-Karosserie

Markante Lufteinlässe gliedern die gesamte Aluminium-Karosserie, prägen vor allem das Gesicht der Audi-Studie. Entschlossen scheinen die Leuchteinheiten in der aerodynamisch ausgeformten Frontpartie die Straße in den Blick zu nehmen: hinter Klarglasabdeckungen leuchten so kompakte wie leistungsstarke Xenon-Scheinwerfer. Die flachen Leuchten sind hinter Metallblenden geschützt, die bündig auf der Karosserie aufliegen. Diese schieben sich nach oben, wenn die Scheinwerfer in Aktion treten.

Audi Rosemeyer (2000)

Audi Rosemeyer (2000) Zoom

Großformatige Rückspiegel verbot der Perfektionsanspruch der Aerodynamiker. Die Audi-Studie sah stattdessen eine Rücksicht mit mehreren Kameras vor, die den Blick nach hinten und zur Seite auf Monitore im Cockpit projizieren.

Der Innenraum war mit feuerfestem Nomex-Stepp ausgeschlagen, hinzu kamen gebürstetes Aluminium, Carbon und Leder. Zwei lederbezogene Sitzschalen nahmen hinter der weit herumgezogenen Panorama-Frontscheibe Fahrer und Passagier auf. Der dominante Mitteltunnel mit seinen blanken Aluminium-Rohren, die hohe Fensterlinie integrierten die Position des Fahrers ergonomisch perfekt in das Fahrzeug.

Weitere vergessene Studien:

Vergessene Studien: Audi R8 V12 TDI Concept (2008)
Vergessene Studien: Opel GT2 (1975)

In der Cockpit-Rückseite gab ein Fenster den Blick frei auf das Herz dieses Automobils, auf den Mittelmotor. Dessen Puls zeigt ein riesiger analoger Drehzahlmesser an. Sein Design nahm wie die übrigen Instrumente auch die Ästhetik der Leuchteinheiten auf. Eine verstellbare Renn-Pedalerie, eine offene Schaltkulisse für das Sechsgang-Getriebe und das Lenkrad mit vier Speichen im 90-Grad-Winkel waren außerdem an Bord.

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