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  • 07.12.2022 · 13:58

  • von Manuel Lehbrink

Opel Patentmotorwagen (1899-1901): Kennen Sie den noch?

65 Exemplare wurden vom "System Lutzmann" hergestellt - Auf den ersten Opel folgten mittlerweile über 75 Millionen gebaute Fahrzeuge

(Motorsport-Total.com/Motor1) - In unserer beliebten Kategorie "Kennen Sie den noch?" stellen wir eigentlich Fahrzeuge vor, die Sie eventuell noch selbst aus Ihrer automobilen Vergangenheit kennen könnten. Wenn Sie also zufällig weit über 100 Jahre alt sind, haben wir jetzt einen besonderen Leckerbissen für Sie - den Opel Patentmotorwagen "System Lutzmann". Das erste Auto der Rüsselsheimer, das von 1899 bis 1901 gebaut wurde.

Opel Patent-Motorwagen (1899-1901)

Opel Patent-Motorwagen (1899-1901) Zoom

Blicken wir zurück ... sehr weit

Wenn man schon ins letzte Jahrtausend und ins vorletzte Jahrhundert zurückgeht, um eine Geschichte aufzuziehen, kann man auch noch ein paar Jahre weiter in die Vergangenheit reisen. Genauer gesagt ins Jahr 1862, als Adam Opel seine Nähmaschinenfirma gründete. Mehr als zwanzig Jahre später, im Jahr 1886, wurde dann beschlossen, das Geschäft auf Fahrräder auszudehnen, um sich der Welt des Verkehrs zu widmen.

Rein zufällig war das genau das Jahr, in dem zwei andere deutsche Herren, Gottlieb Daimler und Carl Benz, fast zeitgleich das erste richtige Automobil patentierten und bauten. Dies schien Opel jedoch zunächst nicht zu interessieren. Der Gründer glaubte nicht allzu sehr an das neue Verkehrsmittel, das er als "Zeitvertreib für Reiche" betrachtete.

Modelle, die man auch persönlich kennen könnte:

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Seine Söhne vertraten jedoch eine andere Meinung und als Adam 1895 an Typhus starb, übernahmen sie das Unternehmen und begannen mit der Planung ihres Einstiegs in den motorisierten Verkehr. Dies geschah zunächst durch die Übernahme der Firma Lutzmann (die erst seit einem Jahr im Geschäft war) und dann ab 1899 durch die Produktion ihres ersten Autos.

Die Geburt des Patentmotorwagen

Der erste Opel (damals noch ohne das Blitzlogo) entstand also aus Lutzmanns Erfahrungen und Patenten, basierte auf bestehenden Modellen und sollte später den Spitznamen Opel-Lutzmann erhalten. Opel Patentmotorwagen "System Lutzmann" ist auch eine wirklich komplexe Bezeichnung.

Bei dem Fahrzeug handelte sich um ein Vis-à-Vis. Also um ein Auto, in dem die Fahrgäste vor dem Fahrer auf einer Bank mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen. Eine Lösung, die von den Pferdekutschen übernommen wurde, denen die meisten Autos dieser Zeit noch sehr ähnlich waren.

Bei dem Motor handelte es sich um einen Einzylinder mit etwas mehr als 1,5 Liter Hubraum, der hinten in horizontaler Position angeordnet war und eine maximale Leistung von 3,5 PS bei einer Drehzahl von nur 650 U/min aufwies. Angetrieben wurden die Hinterräder, es gab zudem Kettenschaltung und die Höchstgeschwindigkeit betrug 20 km/h. Nicht unbedingt blitzschnell der erste Opel, oder? Und das war er selbst für diese Zeit nicht unbedingt.


Fotostrecke: Opel Patentmotorwagen (1899?1901): Kennen Sie den noch?

Doch der fehlende Hochgeschwindigkeits-Fahrspaß war nicht das größte Problem des Patentmotorwagens. Das Auto hatte einfach zu viele jugendliche Schwächen und war dadurch ziemlich unzuverlässig. Dadurch zerbrach auch die Beziehung zu Lutzmann und die Gebrüder Opel mussten die Produktion bereits 1901 nach nur 65 gebauten Exemplaren wieder einstellen.

Und wie ging es weiter?

Die Geschichte des Unternehmens endete glücklicherweise nicht mit diesem Misserfolg, sondern setzte sich ab 1902 mit einem neuen Vertrag fort. Diesmal mit dem französischen Unternehmen Darracq. Demselben Unternehmen, das bald darauf mit einem weiteren Vertrag über die Lizenzproduktion den künftigen Alfa Romeo hervorbringen sollte.

Genau 120 Jahre später, ist Opel nach mehreren Wechseln des Mutterkonzerns mittlerweile in den Automobil-Koloss namens Stellantis eingegliedert. Über 75 Millionen Autos wurden bislang verkauft. Dabei ist auch die Entwicklung interessant. Während man für die ersten 10 Millionen Fahrzeuge bis 1971 warten musste, wurde die Zahl nur acht Jahre später verdoppelt. Der Rekord D verkaufte sich einfach extrem gut. Hier übrigens im Test.

Dieses exponentielle Wachstum führte dazu, dass 1999 die 50-Millionen-Marke erreicht wurde. Man kann also sagen, dass ein Drittel aller jemals gebauten Opels in nur 25 Jahren das Licht der Welt erblickt haben - bei einer Rate von etwa einer Million pro Jahr. Und bei dieser Geschwindigkeit könnte das Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte 100 Millionen blitzende Autos feiern.

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