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  • 07.08.2016 · 14:01

Monterey Car Week: Pilgerstätte für Oldie-Lovers

Die Automobilia Monterey Expo ist die größten Messe ihrer Art in den USA, wo rund 45 Händler Kühlerfiguren, Markenzeichen, Schriftzüge, Prospekte und Fachbücher anbieten

(Motorsport-Total.com/Auto-Medienportal) - Das Städtchen Monterey und der Nachbarort Carmel by-the-Sea und der angrenzende Pebble Beach gehören zur Pilgerstätte für Verehrer älterer Fahrzeuge. Hier findet seit 1950 regelmäßig im August die Monterey Car Week statt, ein Festival klassischer Automobile mit Paraden und Auszeichnungen, mit Ausstellungen von Autos vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Tage und nicht zuletzt mit Versteigerungen rarer Fahrzeuge, die oft für nicht weniger als einen zweistelligen Millionenbetrag unter den Hammer kommen.

1962 - Shelby 260 Cobra CSX 2000

1962 - Shelby 260 Cobra CSX 2000 Zoom

Am Dienstag, dem 16. August geht es mit der Automobilia Monterey Expo im vornehmen Embassy Suites-Hotel los, wo rund 45 Händler ihr Angebot an Kühlerfiguren, Markenzeichen, Schriftzügen, Prospekten und Fachbüchern bei der größten Messe ihrer Art in den USA anbieten. Am gleichen Tag macht auf der dann gesperrten Ocean Avenue in Carmel by-the-Sea der Verkehr Platz für die erste Vorstellung begehrter Oldies aus aller Welt für staunendes Publikum. Der Eintritt ist frei, was für die wenigsten Veranstaltungen der Woche gilt. Bei einigen Events sind Ticketpreise von 450 Dollar und mehr an der Tagesordnung.

Danach beginnt ein schier endloser Ausstellungs- und Kongressreigen, dieses Jahr von der Little Car Show mit über 100 japanischer Kleinwagen, die mindestens 30 Jahre oder älter sind, bis zum von der Bank Credit Suisse ausgerichteten Pebble Beach Classic Car Forum, wo es um Trends in der Szene geht.

Versteigerungen von den renommiertesten Auktionshäusern der Welt

Seit 2009 veranstaltet der BMW Car Club of America ein Event namens Legends of the Autobahn. Ein Jahr später gesellte sich der Mercedes Club of America hinzu und schließlich 2012 der Audi Club of North America. Alle drei - normalerweise heftige Konkurrenten - veranstalten diesmal im vornehmen Nicklaus Club-Monterey in trauter Eintracht Präsentation und Parade von Autos, die in den tempolimitierten USA mit neidvollem Blick über den großen Teich als "German alternative" angesehen werden. Der Eintritt ist frei, Parken kostet 20 Dollar.

Zahlreich und Aufsehen erregend auch die vielen Paraden alter und neuer Autos, die am Sonntag mit dem Pebble Beach Concours d'Elegance ihren Höhepunkt erleben und der gleichzeitig das Finale der Woche ausmacht. Dabei geht es ausschließlich um Schönheit und detailgetreue historische Genauigkeit der teilnehmenden Autos und Motorräder. Treffpunkt ist der Golfplatz des Hotels The Lodge at Pebble Beach, wo für den Eintritt 375 Dollar und das VIP-Ticket 750 Dollar pro Person auf den Tisch des Hauses zu blättern sind. Mit einigen Extras wie Getränken, Mahlzeiten und ein paar Memorabilia ist das sogenannte Chairman's Hospitality Paket zu haben. Kostenpunkt: 2.500 Dollar.

Ebenso zahlreich wie diese Paraden sind die Versteigerungen während der Monterey Car Week, veranstaltet von den renommiertesten Auktionshäusern der Welt. Im vergangenen Jahr belief sich der in Monterey erzielte Betrag auf fast eine halbe Milliarde Dollar, in diesem Jahr könnte es sogar noch eine Handvoll mehr werden. Denn die Zahl der Highlights ist gewaltig, sämtliche Höhepunkte einzeln aufzuzeigen würde ein Buch füllen.

Maserati 3500 GT von Elizabeth Taylor

Rund 100 Ferrari sind dabei, viele Mercedes, Shelby, Maserati, Jaguar, Aston Martin oder Duesenberg. Ganz zu schweigen von den Höhepunkten amerikanischer Autokunst aus den Jahren zwischen den Weltkriegen und den 1950er und 1960er Jahren sowie berühmte Wettbewerbswagen aus der europäischen Renngeschichte. Auch einige Fahrzeuge, die einst in der Garage berühmter Persönlichkeiten standen, warten auf neue Besitzer.

1962er Maserati 3500 Elizabeth Taylor

1962er Maserati 3500 Elizabeth Taylor Zoom

Zum Beispiel der Maserati 3500 GT von Elizabeth Taylor (1932 - 2011). Die Schauspielerin brachte es auf acht Ehen mit sieben verschiedenen Männern (mit dem Briten Richard Burton war sie zweimal verheiratet). Ihr kürzestes Verhältnis aber war wohl das mit ihrem Maserati. Den bekam sie von ihrem vierten Ehemann Eddie Fisher zu Weihnachten nachdem sie ihm zum Geburtstag einen olivgrünen Rolls-Royce geschenkt hatte. Die Freundschaft zum neuen Sportwagen währte jedoch nur eine Viertelstunde.

Liz machte eine kurze Probefahrt um den Block und drückte Eddi danach die Schlüssel enttäuscht vom hart gefederten Sportwagen in die Hand. Fisher wiederum verscherbelte dann das Auto an seinen Kollegen Anthony Quinn, der es mit nach Beverly Hills nahm und neben seinem Facel Vega parkte. Später erhielt der Maserati 3500 GT eine Restauration, die ihn reif für jeden Concours d'Elegance machte. Am Samstag, dem 20. August, wird er bei Gooding and Company versteigert. Das Unternehmen hofft, zwischen 400.000 und einer halben Million Dollar zu erzielen.

1961er Lincoln Continental Cabrio von Jacqueline Kennedy

1961 - Lincoln Continental Jacky Kennedy

1961 - Lincoln Continental Jacky Kennedy Zoom

Zum Beispiel ein Lincoln Continental Cabrio aus dem Jahr 1961, das Ford der damaligen First Lady der USA, Jacqueline Kennedy, mit zahlreichen Extras des Secret Service ausstaffiert als Leihgabe überreichte. Nach dem Attentat auf den Präsidenten im November 1963 - ausgerechnet in einem Lincoln Continental Cabrio - war der Name Kennedy mit diesem Modell auf traurige Weise noch mehr verbunden, der glamouröse Nimbus der offenen Version verdorben. Später entfernte der Geheimdienst seine speziellen Extras aus Jacquelines Lincoln, und das Auto wurde als Gebrauchtwagen verkauft.

Kürzlich erhielt es eine Renovierung und wird jetzt von Mecum Auctions in Monterey zu einem Schätzpreis von 100.000 bis 150.000 Dollar neben einem Ferrari LaFerrari (3,9 bis 4,5 Millionen) und einem Aston Martin Vulcan (2,3 bis 3,3 Millionen) versteigert. Insgesamt will Mecum in Monterey 600 Fahrzeuge unter den Hammer nehmen.

Porsche 935 von 1979

Zum Beispiel der Porsche 935 von 1979, den Gooding & Company neben 139 weiteren automobilen Pretiosen am 20. und 21. August versteigern möchte. Der Rennwagen ist eines der wichtigsten Modelle in der Porsche-Geschichte. Mit ihm kam der damals 54jährige Schauspieler Paul Newman zusammen mit Teameigner Dick Barbour und Rolf Stommelen bei seinem Einsatz für die 24 Stunden von Le Mans auf einen viel beachteten zweiten Platz.

1979 Porsche 935 Le Mans Paul Newman

1979 Porsche 935 Le Mans Paul Newman Zoom

Das gleiche Auto beendete zwei Jahre später mit anderen Fahrern als Sieger die 24 Stunden von Daytona und die von Sebring und nach einer aufwändigen Restauration 2007 als Erster den Concours d'Elegance von Amelia Island. Wie viel er kosten wird, steht noch in den Sternen.

Den Auktionatoren von Sotheby's kennen bei der Schätzung für den Wert eines Fahrzeugs normalerweise keine Hemmungen, auch wenn der in die Millionen geht. Bei einem der Stars ihrer Versteigerung in Monterey scheint es ihnen aber den Atem verschlagen zu haben. "ESTIMATE: PRICELESS" steht in Großbuchstaben unter der Beschreibung für das Auto mit der Losnummer 117. Es handelt sich dabei um einen Shelby 260 Cobra aus dem Jahr 1962.

Die beiden teuersten Objekte stammen aus England beziehungsweise aus Italien

Nicht um irgendeinen Shelby 260 Cobra, sondern um den CSX 2000, das allererste von Carroll Shelby höchstpersönlich veredelte Modell eines AC Cobra. Der Wagen landete im Februar 1962 per Luftfracht ohne Motor und Getriebe aus England kommend auf dem Flughafen von Los Angeles, woraufhin ihm Shelby einen Ford V8-Zylinder mit 4,3 Liter Hubraum und 194 kW - 264 PS einpflanzte. "Dieses Auto zu versteigern", so ist bei Sotheby's voller Ehrfurcht zu hören, "ist etwa so, als nähme man das Original der Mona Lisa oder die amerikanischen Unabhängigkeitserklärung unter den Hammer."

1939 Alfa Romeo 8C

1939 Alfa Romeo 8C Zoom

Von den rund 150 Exemplaren edelster Old- und Youngtimer bei Sotheby's befinden sich allein 21 Ferrari, sieben Mercedes, sieben Shelby, zwölf Maserati drei Jaguar und ein Alfa Romeo. Drei davon könnten einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen.

Die beiden teuersten Objekte stammen aus England beziehungsweise aus Italien. Was für die Franzosen der Bugatti Atlantic, das war für die Italiener der Alfa Romeo 8C 2900B Lungo Spider von 1939: der ultimative Sportwagen seiner Generation. Von diesem Fahrzeug existieren heute schätzungsweise nur noch zwölf Exemplare, von denen eins am Ende der Monterey Car Week für einen Schätzpreis zwischen 20 Millionen und 25 Millionen Dollar als erstes in diesem Jahrhundert überhaupt unter den Hammer kommt.

Zwischen 20 und 25 Millionen für den "zweifelsfrei wichtigsten Jaguar der Welt"

Das Auto mit dem drei Liter großen Achtzylindermotor und 134 kW - 182 PS verfügt über ein Vierganggetriebe und fand seit dem Zweiten Weltkrieg zunächst Eigner in Südamerika, dann in Europa. Zuletzt war es Bestandteil der Autosammlung von Sam und Emiliy Mann in Englewood/New Jersey, wo es die vergangenen 20 Jahre gehegt und gepflegt verbrachte. Die Manns waren bisher die einzigen Autosammler, die mit verschiedenen Fahrzeugen aus ihrer Kollektion bereits viermal den Pebble Beach Concours d'Elegance gewinnen konnten.

1955 - Jaguar D-Type

1955 - Jaguar D-Type Zoom

Ebenfalls zwischen 20 Millionen und 25 Millionen schätzt Sotheby's den Wert des "zweifelsfrei wichtigsten Jaguar der Welt", ein Jaguar D-Typ aus dem Jahr 1955. Der zweisitzige Rennwagen, Nachfolger des Jaguar C-Type belegte 1956 bei den 24 Stunden von Le Mans den ersten Platz mit fünf Runden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Auch die beiden Jahre danach standen seine Fahrer auf dem Siegertreppchen von Le Mans ganz oben.

Sein Sechszylinder mit 3,5 Liter Hubraum und 184 kW - 250 PS schaffte rund 250 km/h. Der in Monterey angebotene Jaguar hat die Fahrgestellnummer XKD 501, die ihn als den ersten D-Typ ausweist, der für ein privates Rennteam produziert und am 5. Mai 1955 an den Schotten Ecurie Ecosse ausgeliefert wurde.

Zwölf bis 14 Millionen für einen Ferrari 250 GT LWB California Spider

1958 - Ferrari 250 GT California Spider

1958 - Ferrari 250 GT California Spider Zoom

Dagegen erscheint der Preis für den dritten im Bunde der Exemplare mit einem zweistelligen Millionenpreis fast bescheiden. Auf zwölf Millionen bis 14 Millionen schätzt Sotheby's den Wert des Ferrari 250 GT LWB California Spider aus dem Jahr 1958. Kein Zweifel, der Begriff California Spider lässt das Herz eines jeden Ferraristi schneller schlagen. Der Kandidat in Monterey kam im Januar 1959 über New York zu einem Händler in Texas bevor er zu seinem ersten Besitzer in Kalifornien ausgeliefert wurde.

Danach wanderte es durch die Hände mehrerer Ferrari-Sammler und erhielt 1994 eine Überholung für 150.000 Dollar. 1998 kaufte den Wagen der deutsche Vermögensberater und Rennfahrer Jörn-Holger Richter aus Gstadt am Chiemsee, wo er die folgenden 13 Jahre blieb und eine weitere Restauration erlebte. Schließlich überquerte er nochmal den Atlantik und stand seither wieder in Kalifornien.

1952 - Mercedes-Benz 220 Cabriolet A Rose Garden

1952 - Mercedes-Benz 220 Cabriolet A Rose Garden Zoom

Weniger wertvoll, dafür aber besonders farbenfroh ist bei Sotheby's das 1952er Mercedes 220 A Cabriolet "Rose Garden" mit der Losnummer 225. Zwischen 200.000 und 250.000 Dollar soll das vom japanischen Künstler Hiro Yamagata bunt und psychedelisch nach Flower Power-Art bemalte Fahrzeug kosten. Mit Mercedes-A- Cabrio-Modellen kennt sich Yamagata bestens aus. Seit den 1990er Jahren bearbeitete er rund drei Dutzend dieser Autos, ließ sie von Grund auf restaurieren und veredelte sie dann mit seiner Kunst. "Rose Garden" stand zuletzt in der Garage von Vincent Mandzak, dem Mercedes-Benz-Starverkäufer in Beverly Hills, der im vergangenen Jahr starb.

Rennwagen Bugatti Typ 51 Grand Prix könnte Preisrekord aufstellen

1931er Bugatti Typ 51

1931er Bugatti Typ 51 Zoom

Immer wieder besondere Automobile in Millionenwert bietet auch das Auktionshaus Bonhams während der Monterey Car Week an. Der zweisitzige Rennwagen Bugatti Typ 51 Grand Prix aus dem Jahr 1931 ist in diesem Jahr eines davon. Auch dieses Fahrzeug könnte einen neuen Preisrekord aufstellen. Es handelt sich um das erste Modell einer Serie von 40 produzierten Exemplaren, das Francis Curzon, der fünfte Graf Howe und Präsident des British Racing Driver's Club kaufte. Gefahren wurde der Rennwagen unter anderem in Donington, Montlhéry, Monza, Reims und auf dem Nürburgring von den namhaftesten Rennfahrern seiner Zeit.

Der bekannteste darunter war Tazio Nuvolari, der noch heute als einer der besten Rennfahrer der Geschichte sowohl auf zwei als auch auf vier Rädern gilt. Beim Bergrennen von Shelsey Walsh erreichte er die schnellste Zeit im Jahr 1932. Im gleichen Jahr wurde der Wagen Vierter beim Monaco Grand Prix. Nun kommt er, der seit den 1950er Jahren nur zwei Besitzer hatte und bisher noch nie öffentlich zum Verkauf stand, am 19. August 2016 an der Quail Lodge Versteigerung von Bonhams unter den Hammer. Wie hoch sein Schätzwert ist? Noch hüllt sich Bonhams in Schweigen.

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