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  • 20.08.2020 · 10:40

  • von Roland Hildebrandt

Ford Fiesta: So kam er zu seinem Namen

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum ihr Auto ausgerechnet Golf oder Corsa heißt? Die Taufe des Ford Fiesta war eine besondere Story

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Es ist ja so eine Sache mit den Namen unserer Autos: Was am Heck steht, soll prägnant klingen und ist im besten Fall überall auf der Welt leicht verständlich. Schlecht sind jene Wörter, die unanständig klingen oder gar obszön. Natürlich darf der angedachte Name nicht bereits in Benutzung sein.

Ford Fiesta (1976-1983) Zoom

Und so beschäftigen sich ganze Abteilungen bei den Autoherstellern mit Modellbezeichnungen. Was könnte zum Auto passen? Gehört der Name schon einer anderen Firma? Oder greift man auf etwas Altes zurück, wie kürzlich Ford beim Puma?

Normalerweise bleibt im Geheimen, wieso man gerade einen bestimmten Namen ausgewählt hat. Nicht so beim Ford Fiesta, der 1976 auf den Markt kam. Der französische Journalist Edouard Seidler durfte den gesamten Entwicklungsprozess von Anfang an begleiten. Darüber schrieb er ein Buch namens "Operation Fiesta" respektive "Let's call it Fiesta" auf englisch.

10 Namen kommen in die finale Auswahl

Ein Kapitel widmet sich dort der Namensfindung. Sie geschah im Frühjahr 1974, etwa zwei Jahre vor dem Produktionsstart des späteren Fiesta. Bis dahin hieß der Kleinwagen intern "Bobcat", übersetzt "Rotluchs". Doch wer außerhalb der englischsprachigen Länder sollte das verstehen? Zudem hatte kurz zuvor die Ford-Tochter Mercury ein Auto namens Bobcat in den USA herausgebracht. 

Erster und aktueller Ford Fiesta

Erster und aktueller Ford Fiesta Zoom

Also begab man sich auf die Suche: Ein kurzer Begriff, einfach auszusprechen, mit europäischer Note, leicht mit dem Namen Ford zu kombinieren und überall verständlich. Von zunächst 50 Vorschlägen reduzierte man die Auswahl auf 30 und final auf 10 Ideen.

Sie lauteten: Amigo, Bambi, Bebe, Bolero, Bravo, Cherie, Tempo, Chico, Fiesta, Forito, Metro, Pony und Sierra.

Warum Pony und Bambi durchfielen

Nun wurden Umfragen durchgeführt: Zehn Prozent der Befragten verwechselten Sierra mit Siesta. (Was Ford nicht davon abhielt, 1982 einen Sierra zu bringen.) Amigo, Fiesta und Sierra wurden zu sehr mit Spanien assoziiert, obgleich der Fiesta dort in großen Stückzahlen gebaut werden sollte. Pony mochten die Briten nicht, Bambi hingegen die Deutschen nicht. 

Ford Fiesta

Ford Fiesta Zoom

Kurios: 1980 kam der Austin Metro im Fiesta-Segment auf den Markt, 1991 zeigte VW die kleine Studie Chico. Und 1995 schließlich erschien ein Fiat Bravo.

Doch zurück ins Jahr 1974: Bei Ford schafften es Pony und Bambi doch in die finale Auswahl, außerdem Fiesta, Amigo und Sierra. Doch richtig froh war man offenbar nicht darüber und vertagte sich. Wäre nicht ein Städtename besser? Ein schöner deutscher Name von einem glamourösen Wintersportort? "So etwas wie Garmisch-Partenkirchen?" ätzte Bob Lutz, frisch gebackener Europa-Chef von Ford. 

Ein Nudelhersteller durchkreuzt die Pläne

Die Zeit tickte. Man könnte das kleine Auto mit globaler Ausrichtung doch auch "Model B" nennen, lautete ein ernst gemeinter Vorschlag. In der PR-Abteilung legte man sich auf Bravo fest: B wie Bobcat, bekannt durch das Funk-Alphabet und als Ausdruck von höchster Zustimmung. Ford Bravo! Das musste es doch sein!

Aber es gab Knackpunkte: Der Name gehörte einem italienischen Nudelhersteller, der ihn aber nicht nutzte. Zudem wurde gemunkelt, dass Lamborghini einen Bravo plane. Pony hingegen schied aus, weil 1974 der Hyundai Pony präsentiert worden war. 

Letztlich ging die finale Entscheidung im September 1975 nach ganz oben. Ganz ganz oben: Henry Ford II wurden die Namen Bravo, Fiesta und Amigo vorgelegt. Mit dem Zusatz, man brauche eine schnelle Lösung, schließlich müssten Embleme, Prospekte und die Werbung vorbereitet werden.

Die Antwort kam prompt. Man möge ihm bitte keine weiteren Vorschläge mehr schicken, befahl Henry Ford II. Und dachte nach: Bravo ist kein Name für ein Auto. Er klingt gut auf italienisch oder spanisch, aber nicht auf englisch. Fiesta hingegen schon. Zudem ergab sich eine klingende Alliteration: Ford Fiesta. 

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"Wir nennen ihn Fiesta!" befahl Ford. Doch dafür brauchte man die Erlaubnis von General Motors. Ford griff selbst zum Hörer und rief beim damaligen GM-Chef Tom Murphy an. Dessen Antwort: "Sie wollen Fiesta? Sie können ihn haben. Er gehört Ihnen!"

Die Planer und Entwickler atmeten auf: Das Auto hätte auch Adonis, Sonata, Gato, Piccolo, Ischia oder Bebe heißen können. All diese Namen waren auf der ersten Liste. Über 40 Jahre haben wir uns an Ford Fiesta gewöhnt, es hat einen vertrauten Klang. Kaum vorstellbar, in einem sportlichen Ford Bambi ST mit 200 PS zu fahren ...

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