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Aston Martin Cygnet (2011-2013): Klassiker der Zukunft?

Anfang der 2010er-Jahre war der Flottenverbrauch ein Thema bei Aston Martin - Als Resultat kam der Cygnet, ein bizarres Stadtauto auf Basis des Toyota iQ

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die aber auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel haben.

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer neuen Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen. 

Ja, Sie sehen richtig: Dieses winzige Auto war tatsächlich ernst gemeint. 2011 kam der Aston Martin Cygnet auf den Markt. Die Antwort der britischen Nobelmarke auf Anforderungen beim Flottenverbrauch. Aber eigentlich nur ein etwas aufgepeppter Toyota iQ. Kann dieser Flop in Zukunft zur Legende werden?

Pro:

Nur 3,08 Meter lang, aber mit einem echten Aston-Martin-Grill und Logos: Der Cygnet (englisch für "junger Schwan") überraschte die Fans der Marke im Jahr 2011. Angepriesen wurde er als maßgeschneiderter Luxus-Stadtwagen mit ultrakompakter Verpackung und emissionsarmer Motortechnologie. An sich also keine schlechte Idee.

Allerdings war auch nicht zu übersehen, dass es sich eigentlich um einen Toyota iQ handelte. Um das zu kaschieren, setzte Aston Martin auf handwerkliches Können und ein hohes Maß an Individualisierung, darunter sechs "Race Collection"-Lackierungen, rautenförmig perforiertes Leder und gestepptes Alcantara. Änderungen am 1,3-Liter-Motor mit 98 PS? Null. Markentypische Sportlichkeit? Nicht existent.

Zum Marktstart gab es zwei "Launch Editions" des Cygnet. An Bord war dort ein maßgeschneidertes Bill Amberg-Gepäckset mit fünf Gepäckstücken. Das in einer zeitgemäßen Kombination aus schwarzem Leder und technischem Gewebe erhältliche Set besteht aus einer Handschuhfach-Tasche, einer abnehmbaren Türtaschen-Tasche, einer Reisetasche, einem Kleidersack und einer zusammenklappbaren Tragetasche. 

Aston Martin Cygnet

Aston Martin Cygnet Zoom

Der damalige Chef von Aston Martin, Dr. Ulrich Bez erklärte den Klenwagen wie folgt: "Der Cygnet soll unsere Sportwagen unterstützen, indem er ein größeres Maß an Freiheit im urbanen Kontext bietet; er ist ein ganz besonderes Auto, ein Premium- und doch kompaktes Paket mit Herz, Seele und Persönlichkeit.

Und weiter: "Dieses Auto ist Realität; der Cygnet ist die natürliche Wahl für alle, die ein hochwertiges, maßgeschneidertes Pendlerauto wünschen. Es ist an der Zeit, anders zu denken. Aston Martin ist ehrlich, und wir machen keine Kompromisse."

"Der Cygnet ist klein, aber luxuriös, ein Aston Martin, wie geschaffen für die Stadt", befand damals Marek Reichman, der Designchef von Aston Martin. Mit einer nahezu unbegrenzten Palette an Materialien, Farben und Texturen wird jeder handgefertigte Cygnet ein echtes Unikat sein, ein personalisierter Raum in der Stadt. "Luxus wird nicht durch den Maßstab eingeschränkt." Ob Reichman glücklich darüber war, einen Toyota aufzuhübschen, ist nicht überliefert.

Entgegen ersten Überlegungen seitens Aston Martin konnte der Cygnet von jedem Interessenten erworben werden. Wer bereits einen Aston Martin besaß, sollte jedoch bevorzugt beliefert werden.

Der Cygnet war in Deutschland ab einem Listenpreis von 37.995 Euro erhältlich. Die auf 100 Stück limitierte und ausschließlich in schwarz oder weiß erhältliche Launch-Edition kostete 48.995 Euro. Diese Preise beinhalteten allerdings keine Vollausstattung. So kostete beispielsweise die teuerste Lederausstattung noch einmal rund 5000 Euro und die teuerste Außenfarbe rund 4300 Euro Aufpreis.

Im September 2013 wurde die Produktion des Cygnets aufgrund des ungenügenden Absatzes nach nur zwei Jahren eingestellt. Anstatt der geplanten 4.000 Fahrzeuge pro Jahr wurden nur 593 insgesamt verkauft.

Einen davon kaufte die internationale Motorsportlegende Sir Stirling Moss und schenkte ihn seiner Frau zum Geburtstag. Er ist also eine Rarität, der Aston Martin Cygnet, was ihn für Sammler interessant macht. Tatsächlich findet man sogar gebrauchte Fahrzeuge zum Kurs des Neupreises.

Contra:

Buuuuuuuh! Was sollte diese Nummer denn, Aston Martin? Habt ihr echt geglaubt, dass eure Kunden und Fans sich so veräppeln lassen und fast 40.000 Tacken für einen Toyota ausgeben? Kommt ja auch bestimmt gut, wenn man sagt "Ich komme im Aston Martin" und fährt dann in dieser Hutschachtel vor. 

Aston Martin Cygnet

Aston Martin Cygnet Zoom

593 gebaute Fahrzeuge sind exakt 593 zu viel. Nur gut, dass James Bond sich nicht im Cygnet hat blicken lassen. (Obwohl uns das nach dem Ford Mondeo auch nicht mehr gewundert hätte ...) Ich erinnere mich noch gut daran, schon seinerzeit starke Zweifel an dem Konzept gehabt zu haben.

Denn das Beispiel Cygnet zeigt ja bestens, dass Badge-Engineering nur in den seltensten Fällen gut gehen kann. Warum sollte man als luxusverwöhnter Kunde das Doppelte ausgeben, um de facto das gleiche Auto (den Toyota iQ) samt gleichem Motor zu bekommen? Weil das Leder schön aussah? 

Fest steht: Der Aston Martin Cygnet bereichert die Automobilgeschichte als skurriler Flop. Und als Paradebeispiel, wie ein an sich gut gemeinter Gedanke komplett nach hinten losgehen kann.

Immerhin zeigte Aston Martin genügend Selbstironie und überrraschte beim Goodwood Festival of Speed 2018 mit einem speziellen Unikat: Unter dem Namen "The Ultimate City Car" wurde ein einmaliger Aston Martin Cygnet mit einem 4,7-Liter-V8-Motor mit 430 PS aus dem Vantage S und einem sehr kurzen Torsionsrohr gebaut.

Mit einem Gewicht von nur 1.375 Kilogramm hatte der V8 Cygnet ein Leistungsgewicht von 313 PS/Tonne. Dadurch war er in der Lage, schneller zu beschleunigen als der V8 Vantage S mit 0-60 mph in nur 4,2 Sekunden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h war er rund 100 km/h schneller als ein normaler Cygnet.

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