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Citroën Traction Avant (1934-1957): Fortschritt von gestern

Als "Gangster-Limousine" wurde er bekannt: Der Citroën Traction Avant punktete mit Frontantrieb - Wie fährt er sich heute?

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Suchen Sie einen Oldtimer, der so richtig alt aussieht? Am besten nach Vorkriegs-Manier mit freistehenden Scheinwerfern und ausladenden Kotflügeln? Aber gleichzeitig soll er relativ modern sein? Das gibt es. Gestatten: Der Citroën Traction Avant. Gebaut von 1934 bis 1957 (etwas Weltkrieg kam dazwischen) und mit einem Namen, der Programm ist: "Traction Avant" heißt nichts anderes als Vorderradantrieb respektive Frontantrieb. 

Ich hatte vor geraumer Zeit die Gelegenheit, einen Traction Avant zu fahren. Doch dazu später mehr. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Historie.

Am 18. April 1934 wurde mit dem 7A das erste Modell der Citroën Traction Avant-Reihe vorgestellt. Seine Konstruktion versetzte die Fachwelt in Erstaunen, da Citroën als einer der Vorreiter in Europa erstmalig den Frontantrieb in der Großserienproduktion einsetzte.

Damit zählt der Traction Avant zu den Wegbereitern des modernen Automobils, wenngleich er den Frontantrieb nicht erfunden hat. Dabei war der innovative Vorderradantrieb, der dem Modell seinen Namen gab, nicht die einzige Überraschung. Von den meisten Wettbewerbern jener Zeit unterschied sich der Citroën Traction Avant durch seine selbsttragende, aerodynamische Ganzstahlkarosserie.

Citroën Traction Avant

Citroën Traction Avant Zoom

Ingenieur André Lefèbvre und Designer Flaminio Bertoni hatten eine wohldurchdachte Form mit einem einteiligen Kabinenaufbau und einer ausgewogenen Gewichtsverteilung entwickelt, die in erster Linie durch den deutlich niedrigeren Schwerpunkt, die breite Spur, den langen Radstand sowie den Einbau des Getriebes vor Motor und Vorderachse erzielt wurde.

Zudem war der Traction Avant für seine herausragende Straßenlage und seinen ausgezeichneten Komfort bekannt. Dabei reduzierte der schwimmend gelagerte Motor die Übertragung von Vibrationen in den Fahrzeuginnenraum. Auch die starre Hinterachse, die an zwei Längslenkern mit Torsionsstabfedern geführt wurde, trug wesentlich zu einem hohen Fahrkomfort bei.

Nicht weniger Aufsehen erzielten weitere Neuerungen wie beispielsweise die hydraulischen Bremsen, die Einzelradaufhängung vorn oder die erstmals 1936 eingebaute Zahnstangenlenkung. Ebenso gut kamen durchdachte Details an: Die Frontscheibe des Traction Avant konnte unten leicht ausgestellt werden, um den Innenraum bei wärmeren Außentemperaturen zu belüften.

Im Winter konnte vor den Kühlergrill eine Jalousie montiert werden, damit der Motor schneller seine Betriebstemperatur erreichte.

Der "schwebende" Vierzylinder-Motor verfügte über obenliegende Ventile, die über Kipphebel aus Schleuderguss betätigt wurden, und über nasse, herausnehmbare und damit wartungsfreundliche Zylinderlaufbuchsen. Der 32 PS starke Motor mit einem Hubraum von 1.303 ccm war mit einem Drei-Gang-Getriebe ausgestattet und hatte einen Verbrauch von 9 l/100 km. Die maximale Geschwindigkeit betrug 95 km/h.

Beworben wurde das Modell der oberen Mittelklasse unter anderem mit "La Traction Avant dompte la force centrifuge" - "Der Traction Avant zähmt die Zentrifugalkräfte".

Der 1934 präsentierte erste Typ 7A wurde binnen weniger Monate abgelöst durch die stärker motorisierten Typen 7B und 7C; der Typ 7S ("Sport") wurde zum 11A und 11B weiterentwickelt. Diese wurden später umgangssprachlich als "7 CV" und "11 CV" bekannt, benannt nach ihren französischen Steuerklassen. Alternativ zur klassischen Limousine (als kleineres Modell "Légère" neben dem "Normale") entstanden auch Cabriolet, Commerciale, Familiale und Faux Cabriolet (Coupé).

Neben den legendären Achtzylinder-Prototypen von 1934 (22 CV), die nie in Serie produziert wurden und deren Verbleib ein Mythos ist, wurden die ab 1938 gefertigten 15-Six ("15 CV") mit 2,8 Liter-Reihen-Sechszylinder zum Synonym für komfortables Reisen. Technischer Höhepunkt war 1954 das Modell 15-Six H mit hydropneumatisch gefederter Hinterachse als Vorgänger der legendären DS.

Aufgrund seiner hervorragenden Fahreigenschaften wurde der Traction Avant im Volksmund auch "Gangster-Limousine" genannt. Mit seinem niedrigen Schwerpunkt, der breiten Spur und dem langen Radstand eignete er sich der Legende nach als ideales Fluchtfahrzeug ? was er auch in vielen zeitgenössischen Filmen und Krimis unter Beweis stellte.

Nun bin ich an der Reihe: Der 11 CV aus dem Jahr 1956, den ich fahren darf, wirkt in schwarzer Lackierung altmodisch und elegant zugleich. Innen setzt sich der Eindruck fort: Die Instrumente atmen den Geist der 1930er, ich selbst sitze auf einer sofaartigen Bank. 

Vor mir ein sehr großes Lenkrad, rechts davon ragt ein langer Schalthebel in meine Richtung. Bei allen "Traction Avant" sitzt das Getriebe vor dem in Silentblöcken gelagerten Motor. Die vier Gänge (drei Vorwärts- und ein Rückwärtsgang) werden über einen Schalthebel im Armaturenbrett gewählt, also keine Revolverschaltung wie später bei 2 CV und Renault 4.

Verblüffend gut lassen sich die Gänge sortieren, die Bedienung ist schnell erlernt. Überhaupt bin ich erstaunt, wie einfach der Traction Avant zu fahren ist. Dazu viel Platz innen und tatsächlich eine auch für 1956 noch ausgezeichnete Straßenlage. 60 PS leistet der Vierzylinder, eine längere Strecke würde ich mir und dem Citroën ohne weiteres zutrauen. 

Vom Citroën Traction Avant wurden zwischen 1934 und 1957 insgesamt 759.123 Fahrzeuge produziert. Zwischen 1934 und 1935 wurde der Typ "Front", die deutsche Variante des Citroën Traction Avant, im Werk in Köln-Poll gefertigt.

Insgesamt wurden 1.031 Einheiten des 7CV sowie 800 Einheiten des 11 CV produziert. Aufgrund seiner kölschen Herkunft wurde der Typ "Front" in Deutschland auch zeitweise als "der Poller" bezeichnet.

Wie sieht es heutzutage mit den Preisen aus? Vorkriegsmodelle des Traction Avant notieren im Zustand 2 bei rund 23.000 Euro. Am häufigsten findet man 11 CV aus den 1950er-Jahren, sie liegen mit Note 2 bei um die 20.000 Euro. Der 15 CV hingegen kratzt an der 30.000-Euro-Marke. Gemäßigte Werte also, wegen denen niemand zum Gangster werden muss.

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