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Bugatti - die Sammlung Fritz Schlumpf

Seine Liebe zu Bugatti war so groß, dass Fritz Schlumpf möglichst viele Bugattis besitzen wollte - er holte 30 Fahrzeuge aus den USA zurück

(Motorsport-Total.com/Classic-Car.TV) - Seine Liebe zu Bugatti war so groß, dass Fritz Schlumpf möglichst viele Bugattis besitzen wollte. Er war besessen von der Idee die umfangreichste Bugatti-Sammlung aufzubauen.

Bugatti - die Sammlung Fritz Schlumpf

Fritz Schlumpfs Leidenschaft beschert uns heute ein ganz besonderes Museum: das Schlumpf Museum im Elsässischen Mühlhausen. Zoom

Vor rund 60 Jahren begann er wie ein Besessener über ein Jahr mit einem amerikanischen Sammler zu verhandeln, bis er am Ziel war und 30 Bugattis zurück nach Frankreich verschifft wurden. Schlumpfs Leidenschaft beschert uns heute ein ganz besonderes Museum: das Schlumpf Museum im Elsässischen Mühlhausen.

Bugatti und Schlumpf, das sind zwei Namen, die seit langer Zeit miteinander verbunden sind. Fritz Schlumpf kaufte 1928, mit gerade 22 Jahren, seinen ersten Bugatti, fuhr damit am Wochenende und startete auch bei Autorennen. Der Auto-Enthusiast hielt in den kommenden Jahren den Kontakt zum Elsässer Unternehmen Bugatti. Er war ein Fan.

Schlumpf verdiente sein Geld als Makler für Wolle. 1929 stieg sein zwei Jahre älterer Bruder Hans ebenfalls ins Textil-Geschäft ein. 1935 gründeten sie Société Anonyme pour l'Industrie Lainière (SAIL), eine Aktiengesellschaft, die mit Wolle handelte und nach Kriegsende kauften die Brüder mehrere Fabriken und Spinnereien im Elsass auf, bis sie die Textilindustrie im Osten Frankreichs fast völlig dominierten.

1957 erstanden die Brüder im elsässischen Mulhouse eine stillgelegte Wollmanufaktur - hier sollte später das Schlumpf-Museum untergebracht sein.

Schlumpf kontaktiert weltweit Bugatti-Besitzer


Bugatti - die Sammlung Fritz Schlumpf

Fritz Schlumpf war inzwischen besessen von der Idee, immer mehr und noch mehr Bugattis zu besitzen. Um sein Ziel zu erreichen schrieb Schlumpf Anfang der 1960er-Jahre Bugatti-Besitzer auf der ganzen Welt an. Die Adressen hatte er sich aus einem Register von Hugh Conway (Bugatti Owners Club) besorgt, der ihm 1962 einen Kontakt zum amerikanischen Sammler John W. Shakespeare aus Hoffman, Illinois, Amerika, herstellte.

Der Sammler J.W. Shakespeare widmete sich schon seit den 1950er-Jahren Bugatti-Fahrzeugen. Sein erstes Auto ist ein Bugatti Type 55 von 1932, dazu kam ein Type 41 Royale Park Ward, das dritte und letzte Kundenfahrzeug, zwölf Type 57, drei Type 55 sowie Ettore Bugattis persönliches Elektro-Auto Type 56 von 1931. Insgesamt besaß Shakespeare mit etwa 30 Bugatti-Fahrzeugen damals die größte Bugatti-Sammlung weltweit.

Schlumpf musste diese Autos einfach haben. Er bot Shakespeare pauschal 70.000 US-Dollar. Der aber forderte mindestens 105.000 Dollar, worauf Schlumpf 1963 die Sammlung von Bugatti-Kenner Bob Shaw aus Illinois prüfen ließ. Der kam zu einer wenig schmeichelhaften Einschätzung: "Die meisten Autos befinden sich in einem Teil des Gebäudes mit einem schmutzigen Boden, zerbrochenen Fenstern, undichtem Dach und nistenden Vögeln.

Jedes Auto ist in irgendeinem Zustand der Demontage und seit mindestens 18 Monaten ist keines von ihnen gelaufen." Shaw riet vom Kauf ab, doch Schlumpf hatte sich schon festgebissen. Er bot nun 80.000 Dollar für alle Fahrzeuge. Ein zähes Hin- und Her mit gegenseitigen Drohungen und Erpressungen folgte über einen Jahreszeitraum, bevor sich die beiden auf die Kaufsumme von 85.000 Dollar (aktuell etwa 720.000 Dollar) inklusive Transport nach Frankreich einigten. Aus heutiger Sicht ein mehr als gutes Geschäft - ein wahres Schnäppchen.
30 Bugatti-Fahrzeuge auf einem Zug

Am 30. März 1964 verließen die 30 Bugatti-Fahrzeuge auf einem Zug der Southern Railway Illinois Richtung New Orleans, um dort auf ein niederländisches Frachtschiff verladen zu werden. Ein Foto zeigt den offenen Zug mit den vielen seltenen Fahrzeugen. Wenige Wochen später erreichte der Frachter, in dem die Automobile über den großen Teich schipperten, den französischen Hafen Le Havre, wo Fritz Schlumpf seinen Schatz entgegennahm.

Damit war er seinem Traum, der größte Bugatti-Sammler zu werden, ein Riesenstück näher gekommen. Erst 1965 machten die Schlumpf-Brüder ihre Sammlung durch einen kleinen Pressebericht bekannt - und die Idee eines Museums entstand. Doch offiziell eröffnet wurde es von Fritz Schlumpf nie.

Aber die Freude über die schönen Autos hielt nur wenige Jahre an. Die Brüder Schlumpf hatten wenig Gelegenheit, ihre einzigartige Autosammlung zu genießen: Großflächige Streiks, ihre fragwürdigen Geschäftspraktiken und der Niedergang der französischen Textilindustrie in den 1970er-Jahren veranlassten die beiden zur Flucht in die Schweiz. 1977 fanden Arbeiter den automobilen Schatz in der Lagerhalle - ein Tag, der in die Automobilgeschichte einging.

Geblieben sind die exklusiven Fahrzeuge in einer außergewöhnlichen und einzigartigen Ausstellung: Mitten im Elsass, in Mülhausen, befindet sich heute die größte Automobilausstellung der Welt: die "Cité de L´Automobile Nationalmuseum Collection Schlumpf", die Sammlung Schlumpf.

Auf über 25.000 Quadratmetern stehen 400 der wertvollsten, prachtvollsten und seltensten Autos der Welt - darunter rund 100 Bugatti-Modelle, wie zwei der nur sechs gebauten Bugatti Type 41 Royale. Eines davon ist das ehemalige Shakespeare-Fahrzeug mit der Karosserie Park Ward. Andere Modelle der 30 Fahrzeuge parken im unrestaurierten Originalzustand im Mullin Automotive Automobile Museum in Oxnard (Kalifornien).

Dort, und im Elsass, können sie Besucher nach ihrer fast 60 Jahre dauernden Odyssee bewundern.

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