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Alfa Romeo Arna (1983-1986): Kennen Sie den noch?

Anfang der 1980er-Jahre planten Nissan und Alfa Romeo einen gemeinsamen Kompaktwagen: Herauskam der Arna - Er schockierte die Alfisti

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein.

Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Es ist eine Geschichte nach dem Motto "Gut gemeint, schlecht umgesetzt": Gegen Ende der 1970er-Jahre befand sich Alfa Romeo in der Krise. Veraltete Modelle, krudes Design, miese Verarbeitung, dazu Streiks ohne Ende, die insbesondere die Produktion des modern konzipierten Alfasud torpedierten.

Als Folge herrschte Ebbe im Konzern-Geldspeicher des Staatskonzerns. Für aufwendige Neuentwicklungen war schlicht kaum eine Lira mehr da. Was tun? Zunächst einmal basierte der Alfa Romeo 33 als Alfasud-Nachfolger auf dessen Plattform. Weil der 33 aber in den Abmessungen zulegte, war plötzlich Platz für ein Vier-Meter-Auto als neues Einstiegsmodell da. Zumindest dachte man das in der Führungsetage.

Aber wie erwähnt: Leere Kassen. Und so klopfte Alfa-Präsident Ettore Massacesi bei Nissan an. Herauskam "Alfa Romeo Nissan Automobili", kurz Arna. Ein Name, der noch heute Alfisti schaudern lässt. Das dazugehörige Fahrzeug geriet nämlich maximal langweilig. Eigentlich hätte man erwartet, dass jede Seite ihre Spezialität liefert: Italien ein rassiges Design, Japan zuverlässige Technik. Es kam genau andersherum.

Alfa Romeo Arna

Alfa Romeo Arna Zoom

Nissan steckte die Rohkarosserie des kompakten Cherry plus diverse Mechanik wie die Hinterradaufhängung in Container und schickte diese nach Italien. Alfa Romeo spendierte den Motor und Antriebsstrang. Kurioserweise baute man das Arna-Puzzle nicht etwa im Alfasud-Werk in Pomigliano d'Arco bei Neapel zusammen, sondern baute eigens eine neue Fabrik in Pratola Serra, nur 50 Kilometer entfernt.

Dort sollten zehn Roboter an halbautomatischen Fertigungsstraßen für ein hohes Niveau sorgen, Alfa gab sechs Jahre gegen Durchrostung. (Spötter können hier anmerken, dass bei manchen Alfasud schon sechs Monate für Rost reichten ...)

Pro Tag konnten bis zu 300 Einheiten vom Band rollen, 60.000 Fahrzeuge plante man pro Jahr. Es wurden exakt 53.047. In drei Jahren. Warum, merkt man beim Anblick der Bilder schnell: Der Alfa Romeo Arna war praktisch ein Nissan Cherry mit Scudetto und leicht modifizierten Rückleuchten.

Dass unter dem extrem sachlichen Blech die feinen Boxermotoren mit 1,2 bis 1,5 Liter Hubraum aus dem Alfasud zum Einsatz kamen, sah man nicht. Vermutlich auch nicht die Besucher der IAA im September 1983, wo die Weltpremiere des Alfa stattfand.

Alfa Romeo Arna

Alfa Romeo Arna Zoom

Die Leistung von zunächst 60 PS wäre vielleicht nicht einmal das Problem gewesen, schließlich wog der drei- und fünftürig angebotene Arna nur 850 Kilogramm. Zudem war ein Fünfgang-Getriebe serienmäßig. Doch der eckigen Karosserie ging jeder Hauch von Dynamik ab.

Umso skurriler muten die Sprüche im deutschen Arna-Prospekt an: "Verwechslungen ausgeschlossen" hieß es da bierernst. Oder auch hübsch: "Anders als die anderen". Wenn ich kurz zitieren darf: "Leistungsangebot, Raumkomfort, Vernunft und Sicherheit vereinigen sich in seiner äußerst attraktiven Erscheinung zu einer erfreulichen Kompaktwagen-Alternative." Marketingsprech ist also keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ...

Alfa Romeo Arna

Alfa Romeo Arna Zoom

Gewiss, mit Frontantrieb und Einzelradaufhängung rundum war der Arna technisch durchaus auf Höhe der Zeit. Aber warum sollte man dieses Auto einem Fiat Ritmo, Lancia Delta, VW Golf oder Ford Escort vorziehen?

Nicht zuletzt stand ebenfalls ab 1983 beim Alfa-Händler der kaum längere 33 mit deutlich mehr Charme. Kein Wunder, dass man beim Arna als letzte Trumpfkarte ein Sportmodell lancierte: Bis zu 95 PS leistete der TI, in Deutschland bot man den 85 PS starken 1.3 Ti an. Er schaffte immerhin 172 km/h. 

Apropos Deutschland: Andere Alfa-Importeure weigerten sich, den zwitterigen Arna ins Programm aufzunehmen. Auch hierzulande waren die Prospekte eher dünn, mit nur sechs Lackierungen zur Auswahl. Unterschiedliche Ausstattungslinien? Fehlanzeige. In der Not sprang sogar der italienische Staat ein und kaufte eine größere Anzahl Arna für seine Beamten. Kein Wunder, gehörte Alfa Romeo doch der staatlichen Holding IRI.

Alfa Romeo Arna

Alfa Romeo Arna Zoom

Letztlich war die krasse Fehlkalkulation beim Arna wohl der letzte Sargnagel für die Eigenständigkeit von Alfa Romeo. Bei der IRI zog man die Notbremse, im November 1986 kaufte Fiat das Unternehmen. Eine der ersten Amtshandlungen: Die Einstellung der Arna-Produktion Ende des Jahres. In Pratola Serra lässt FCA heute Motoren fertigen.

Heute ist der Arna selbst in Italien superselten, in Deutschland müssen Sie gar nicht erst mit der Suche beginnen. Als Gebrauchtwagen mit null Image wurde der Italo-Japaner früh entsorgt oder diente als Technikspender für Alfasud-Restaurierungen. Könnte man sich denn heute damit auf Alfa-Fantreffen zeigen? Wird man nicht mit Steinen beworfen? Keine Angst, versicherten mir vor zwei Jahren einige Alfisti: Inzwischen ist der Arna ob seiner Eigenwilligkeit und Rarität wieder gern gesehener Gast.

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