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NLS/VLN 2020 Lauf 1: Zeitstrafe macht Walkenhorst-BMW zum Sieger

Zum siebten Mal in Folge kreuzt ein Mercedes-AMG GT3 die Ziellinie als Erster - Doch der Sieg beim ersten Rennen in Deutschland seit Corona geht an BMW

(Motorsport-Total.com) - Die Siegesserie von Mercedes-AMG auf der Nürburgring-Nordschleife hat ein Ende: Bei der 51. Adenauer Rundstrecken-Trophy sahen die Polesetter Maro Engel und Patrick Assenheimer im Haupt-Mercedes #6 die Zielflagge als Erste, doch eine Zeitstrafe warf das Duo auf Platz zwei zurück. Die Sieger heißen damit David Pittard und Mikkel Jensen für Walkenhorst Motorsport.

Mikkel Jensen, David Pittard

Dank Zeitstrafe gewinnt Walkenhorst den Auftakt zur Nürburgring Langstrecken-Serie Zoom

Es war ein bitterer Verlust eines hart errungenen Sieges. Das Haupt Racing Team hatte es eigentlich schon geschafft, als erstes Team seit mindestens 30 Jahren (weiter reichen unsere Aufzeichnungen nicht zurück) in der Nürburgring Langstrecken-Serie direkt im ersten Anlauf einen Gesamtsieg zu holen. Auch wenn das Team aus ehemaligen Black-Falcon-Mitarbeitern kaum als Frischling zu bezeichnen ist.

Allerdings hatte es der AMG beim letzten Stopp zu eilig: Die Mindestzeit in der Boxengasse wurde unterschritten und so gab es eine Zeitstrafe von 37 Sekunden. Das bedeutete Platz zwei mit zehn Sekunden Rückstand.

Der Mercedes und der BMW lieferten sich mehrmals im Rennen packende Duelle. Unterschiedliche Strategien rissen die beiden Fahrzeuge ab Rennhälfte zunächst auseinander. Walkenhorst teilte die 27 Runden (plus Einführungsrunde) in gleichmäßige Sieben-Runde-Abschnitte ein, Haupt Racing fuhr Stints von meist acht Runden mit einem kurzen Stopp am Ende.

Nach jenem letzten Stopp kam es dann zum Showdown. Pittard hatte einen Vorsprung von rund fünf Sekunden, den Engel aber schnell zufuhr. In der vorletzten Runde kam der AMG-Werksfahrer vorbei und setzte sich ab. Der siebte Mercedes-AMG-Sieg in Folge wurde letztlich durch einen minimalen Timing-Fehler beim neuen Boxengassen-Tempolimit von 40 km/h gemacht.

Phoenix-Drama auf den letzten Metern

Im Kampf um Platz drei spielte sich ein Drama ab: Der Phoenix-Audi #15 (Beretta/Schramm) hielt lange Zeit den letzten Podiumsplatz, sah sich in der Schlussphase aber einem nachdrückenden GetSpeed-Mercedes #2 (Schiller/Buhk/Marciello) ausgesetzt.

Michele Beretta, der bis dahin ein hervorragendes Rennen abgeliefert hatte, war plötzlich auf den letzten Metern langsam unterwegs. Die Aufhängung hinten rechts war defekt, Spuren eines Einschlags wies der Audi aber nicht auf. Der bedauernswerte Italiener fiel noch bis auf Platz sieben zurück.

GetSpeed schnappte sich bei der Premiere als offizielles AMG-Performanceteam den dritten Platz, gefolgt vom Car-Collection-Audi #32 (Frijns/Rast/N. Müller) und dem Rowe-BMW #99 (Catsburg/Eng).

Alle diese Fahrzeuge waren vor allem in der ersten Rennhälfte in teils abenteuerliche Mehrkämpfe verwickelt. Zu einem Zeitpunkt trennten gerade einmal 1,1 Sekunden vier Autos. Highlights des Rennens waren ein Überholmanöver von Nico Müller gegen zwei Autos gleichzeitig im Yokohama-S und ein Überholmanöver von David Pittard über die Außenbahn im Schwedenkreuz.

Porsche chancenlos, Ferrari mit Wow-Effekt

Nicht viel zu melden hatte beim Saisonauftakt Porsche. Die Einstufung der 2019er-Ausbaustufe des 911 GT3 R scheint sich weiterhin als schwierig zu erweisen. Mit dem verkleinerten Luftmengenbegrenzer spielten die einst so dominanten Heckmotor-Boliden keine Rolle.

Mit Platz sechs holte der Manthey-Porsche #911 (Andlauer/Campbell/Kern) "Grello" das beste Porsche-Resultat des Tages mit einem Rückstand von 2:22 Minuten auf den Sieger. Der Falken-Porsche #3 (Engelhart/Olsen) belegte den achten Platz.

Der mit Werksfahrern besetzte Frikadelli-Porsche #31 (Christensen/Estre) schied gleich beim Start mit einem noch nicht näher beschriebenen Defekt im Kabelbaum aus.

Ein mögliches Siegerfahrzeug hätte der Octane-126-Ferrari #26 (Grossmann/Trummer/Hirschi/Ludwig) sein können, der mit brachial schnellen Rundenzeiten auf sich aufmerksam machte und bei der schnellsten Runde nur vom Haupt-Mercedes geschlagen wurde.

Jonathan Hirschi, Luca Ludwig, Simon Trummer, Björn Grossmann

Der octane-126-Ferrari setzte mit starken Rundenzeiten ein Ausrufezeichen Zoom

Doch die Hoffnungen auf ein Topresultat waren schon auf dem Grand-Prix-Kurs in der ersten Runde dahin. Jonathan Hirschi drehte sich beim Angriff auf den Phoenix-Audi von Kim-Luis Schramm ins Kiesbett und verlor mehrere Minuten. Trotzdem reichte es noch zu Platz neun vor dem Car-Collection-Audi #44 (Dontje/Niederhauser/Ortmann), der die Top 10 komplettierte.

Update: Der Ferrari hat nachträglich eine Zeitstrafe von drei Minuten erhalten und ist daher auf den zwölften Platz zurückgefallen. Die Top 10 komplettiert nun der Frikadelli-Porsche #30 (Abbelen/Arnold/A. Müller). 'Motorsport-Total.com' hat bei der VLN angefragt, warum der Ferrari als reines Pro-Fahrzeug auf Basis eines Paragraphen im Reglement bestraft wurde, der für Pro-Am-Fahrzeuge gilt.

Update 2: Die Strafe kam aufgrund eines Systemfehlers zustande. Die VLN hat am Samstagabend das alte Resultat wiederhergestellt.

Insgesamt ging das Rennen ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne. Das neue Boxenkonzept funktionierte reibungslos, Optimierungsbedarf wird es nur in Detailfragen geben. Für Diskussionen dürfte auch sorgen, dass der racing-one-Ferrari #39 (Kohlhaas/Rogivue/Köhler) zwischenzeitlich neun Runden mit einer Tankfüllung fahren konnte.

Am 11. und 12. Juli ruft die Nürburgring Langstrecken-Serie zu ihrem ersten "Doubleheader" der Geschichte.

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