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Neuer Versuch: VLN/NLS stoppt SP3T-Einsätze für neue TCR-Boliden

Die Nürburgring-Langstrecken-Serie wagt 2021 einen neuen Anlauf: TCR-Boliden, die bislang nicht in der Meisterschaft angetreten sind, können nicht mehr SP3T fahren

(Motorsport-Total.com) - Die VLN, Veranstalter der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS), wagt einen neuen Anlauf, ihr altes Ziel durchzusetzen: Ab 2021 dürfen TCR-Boliden, die bislang noch nicht bei NLS-Läufen zum Einsatz gekommen sind, nur noch in der TCR-Klasse starten.

Heiko Hammel, Matthias Wasel

Die VLN wagt einen neuen Anlauf, TCR-Boliden in die TCR-Klasse zu zwingen Zoom

Für bisherige Fahrzeuge gilt hingegen Bestandsschutz: TCR-Boliden, die in der NLS bereits in Erscheinung getreten sind, dürfen weiterhin auch in der SP3T an den Start gehen. Allerdings gilt die Ausnahme nicht bei einem Besitzerwechsel des Fahrzeugs, was den Verkauf umgebauter TCR-Boliden erschweren dürfte.

Die VLN reagiert damit auf die Ereignisse des vergangenen Winters. Damals galt der Zwang zur TCR-Klasse für alle Fahrzeuge, die ihrem Wagenpass zufolge TCR-Boliden sind. Mehrere Teams, die ihre TCR-Boliden so weit umgebaut hatten, dass sie sie nicht mehr ohne Weiteres auf Serienstand zurückrüsten konnten, klagten gegen diese Regelung und bekamen beim Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) Recht.

Das sorgt für eine Zerstückelung der ohnehin schon nicht gerade prall gefüllten TCR-Teilnehmerfelder auf zwei Klassen. In der SP3T lässt sich zudem der Einheitsreifen umgehen, der in der TCR-Klasse vorgeschrieben ist. Goodyear entgingen dadurch einige Einnahmen.

TCR-Markt angespannt

Nun erfolgt also ein zweiter Anlauf. Konsens herrscht auf der Nordschleife über eines: Die TCR muss wieder attraktiv werden. Im Coronajahr 2020 fuhr nur noch eine Handvoll TCR-Fahrzeuge mit, in der TCR-Klasse selbst gar nur deren zwei im Schnitt.

Antti Buri

Selbst die einst prall gefüllte GT4 Germany kämpft derzeit um volle Starterfelder Zoom

Hinzu kommt ein seit rund zwei Jahren generell angespannter TCR-Markt in Europa. Die Starterzahlen in vielen TCR-Serien in Europa sind stark geschrumpft. Mögliche Erklärungen dafür sind die boomende GT4-Klasse und die generelle Aussicht für junge Fahrer, im GT-Sport eher ein Engagement als Profi-Fahrer zu erreichen als im recht brach liegenden Tourenwagensport.

Um die TCR-Klasse wieder attraktiver zu gestalten, wurde bereits beim 6-Stunden-Rennen 2020 ein Meeting mit den Teamchefs der TCR-Teams auf der Nürburgring-Nordschleife veranstaltet. Das Ergebnis war, dass sich die meisten Teams mit einer Festlegung auf die TCR-Kategorie anfreunden können. Allerdings fordern sie alte Freiheiten zurück.

Spielball liegt bei TCR-Dachorganisation

Dabei geht es um Umbauten an den Fahrzeugen bei Themen wie beispielsweise dem Sitz oder auch kleinere Modifikationen am Fahrwerk, um den Besonderheiten der Nürburgring-Nordschleife gerecht zu werden. Diese Freiheiten hatte es in der Vergangenheit gegeben. Für das Jahr 2020 wollte die TCR-Dachorganisation WSC diese aber nicht mehr einräumen.

Daher liegt WSC nun ein Antrag vor, die Freiheiten zurückzuerstatten. Zudem wird der ADAC München als Rechteinhaber der TCR-Kategorie in Deutschland gemeinsam mit dem ADAC Nordrhein eine gesonderte Balance of Performance (BoP) für die Nürburgring-Nordschleife erstellen.

Carrie Schreiner

Der "Girls only"-Golf ist der wohl bekannteste umgebaute TCR-Bolide am Ring Zoom

Die Begründung für den Nordschleifen-Sonderweg: Zwar gibt es seitens der WSC eine eigene Endurance-BoP. Diese ist aber auf Grand-Prix-Kurse ausgelegt. Der WTCR fährt mit TCR-Autos zwar auch auf der Nürburgring-Nordschleife nach der weltweit gültigen BoP, allerdings gehen die Rennen lediglich über drei Runden und nicht über vier bis 24 Stunden.

Die VLN hofft nun, mit dem Segen von WSC und dem Rechteinhaber plus Bestandsschutz nun auch beim DMSB bessere Chancen zu haben, sollte es erneut zu einer Auseinandersetzung vor Gericht kommen.

Noch muss die WSC über die Freiheiten entscheiden. Innerhalb der VLN ist man optimistisch, das Ziel zu erreichen. Ob das ausreicht, um im allgemein schwierigen TCR-Klima in Europa die Klasse endlich wieder aufzufüllen, wird sich zeigen müssen.

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