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120 Starter in VLN/NLS: Kriseneffekt oder neues Normal?

Die Nürburgring-Langstrecken-Serie verliert in der Pandemie immer mehr Starter - Liegt es an Corona und Flutkatastrophe oder wird es zum Dauerzustand?

(Motorsport-Total.com) - Die Entwicklung ist dramatisch: Bei den Läufen vier, acht und neun der Nürburgring-Langstrecken-Serie 2021 nahmen zum ersten Mal in der nachvollziehbaren Geschichte von VLN und NLS weniger als 120 Fahrzeuge den Renntag in Angriff. Beim Finale starteten weniger als 110 Autos.

Die Fahrzeugdichte auf der Nürburgring-Nordschleife war schon einmal deutlich höher

Die Fahrzeugdichte auf der Nürburgring-Nordschleife war schon einmal deutlich höher Zoom

Besorgte Fans stellen sich die Frage: Ist das das neue Normal auf der Nürburgring-Nordschleife? Oder wird es bald eine Entspannung geben?

VLN-Chef Ralph-Gerald Schlüter gibt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' zunächst Entwarnung: "Natürlich ist das nicht normal und natürlich sind wir damit nicht zufrieden. Wir hoffen, dass es 2022 (VLN/NLS-Kalender 2022!) wieder etwas besser wird und wir uns bei 140 bis 150 Fahrzeugen einpendeln werden."

Allerdings warnt er auch, dass die Pandemie noch lange nicht auf der Zielgeraden ist: "Ganz lange" werde uns das Coronathema noch verfolgen, sagt er. Schlüter muss es wissen, denn hauptberuflich leitet er Kliniken.

"Wenn man sich ansieht, wie die Wellen rauf und runtergehen, werden wir selbst bei deutlich höherer Impfquote noch bis in den Sommer hinein damit kämpfen müssen. Und niemand kann momentan einschätzen, wie Omikron wirken wird" mahnt er. Von möglichen weiteren Mutationen einmal ganz zu schweigen.

30 Autos pro Lauf weniger

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass mit Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020 die Starterzahlen einen Knick verbuchten, der sich 2021 fortgesetzt hat. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass in der Saison 2020 alle Rennen vor dem 24-Stunden-Rennen stattfanden. Bekanntermaßen sind die Rennen vor dem Saisonhöhepunkt auf der Nordschleife die am stärksten Besetzten.

Analyse VLN/NLS-Starterzahlen 2017-2021

Starterzahlen in VLN/NLS: Der Einbruch kam mit Corona Zoom

Die schwächer besetzten Herbstrennen hat es 2020 nicht mehr gegeben, weil im Zuge der zweiten Welle die Saison frühzeitig abgebrochen werden musste. Und viele Budgets für 2020 waren noch im Jahr 2019 festgezurrt worden. 2021 war also die erste Saison, in der sich die Pandemie vollständig auf den Motorsport durchgeschlagen hat.

Durchschnittliche Starterzahl in der VLN/NLS 2017 bis 2021 (auf ganze Zahlen gerundet):
2017: 163
2018: 151
2019: 156
2020: 138
2021: 127

Analyse VLN/NLS-Starterzahlen 2017-2021

Starterzahlen pro Lauf: Rote Linien 2017-19, gelbe 2020/21 (dunklere Linie = späteres Jahr) Zoom

Ein Blick auf die Starterzahlen bei jedem einzelnen Lauf offenbart, dass die Zahlen in den Coronajahren konstant unter "normalen" Jahren gelegen haben. Der Einbruch in den Jahren 2017 und 2018 bei VLN3 ist darauf zurückzuführen, dass dieses Rennen schon nach dem 24h-Rennen gelegen hat.

Generell lässt sich festhalten: Es fehlen schlicht und einfach rund 30 Autos pro Rennen. Dait handelt es sich um keine saisonal bedingte Schwankung. Eine solche zeigt sich aber bei den Herbstrennen in diesem Jahr.

Nach der Flutkatastrophe brachen weitere Starter weg. Während die meisten Teams von den Fluten verschont geblieben sind, sind einige Fahrer betroffen gewesen. Dadurch verringerte sich die Starterzahl noch einmal.

Starterzahlen im Spitzenfeld stabil

Das Phänomen betrifft nicht die Spitze des Feldes. In den Topklassen SP9, SPX und SP-Pro ist die Starterzahl über die Jahre konstant geblieben - sogar mit einem Ausreißer nach oben im Jahr 2020, als alle NLS-Läufe vor dem 24-Stunden-Rennen lagen.

Analyse VLN/NLS-Starterzahlen 2017-2021

In SP9/SPX/SP-Pro gibt es keinen Teilnehmerschwund Zoom

Es sind die kleineren Teams, die fehlen. "Wir haben viele Geschäftsleute, die bei uns fahren" sagt Schlüter. "Ich kann aber unmöglich meine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und dann gleichzeitig Tausende von Euros am Nürburgring am Nürburgring verbrennen. Das wird uns auch den einen oder anderen Starter gekostet haben."

"Und ein großer Teil ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass aufgrund der Reisebeschränkungen ausländische Teilnehmer weggefallen sind", fügt er hinzu. Das betrifft auch hier insbesondere Fahrer von kleineren Teams.

Analyse VLN/NLS-Starterzahlen 2017-2021

Entwicklung SP9/SPX/SP-Pro: Nur 2020 (hellgelb) sticht mit seinem anderen Kalender heraus Zoom

Die Topteams scheuen die zusätzlichen Kosten für das Erfüllen der Einreisebeschränkungen weniger als kleinere Mannschaften, bei denen PCR-Tests und Hotelquarantäne einen größeren Teil des Budgets ausmachen würden.

Langfristige Planungen noch immer schwierig

Die Hoffnung liegt nun darauf, dass sich die Welt mittlerweile ausreichend auf die Pandemie eingestellt hat, sodass wieder etwas mehr Normalität einkehren kann, wenn man das Wort in dieser Situation überhaupt benutzen kann.

Doch schon zeigt sich anhand von Omikron, wie schnell sich die Situation unvorhergesehen ändern kann. Und solange solche Unsicherheiten bestehen, wird es schwer werden, komplette Saisons zu planen. Der Nürburgring-Langstrecken-Serie droht somit ein weiteres schwieriges Jahr.

Und die ganz großen Zahlen früherer Jahre gehören endgültig der Vergangenheit an, betont Schlüter: "Es werden nie mehr die 180 oder 190 sein, die wir noch vor 15 Jahren hatten. Diese Zeiten sind vorbei, das muss man ganz klar sagen." Vor allem das Nordschleifen-Permit hat hier viele Gelegenheitsstarter ausgesiebt.

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