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Theissen: "Wir wollen den M3 nach Europa holen"

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen über das Motorsport-Programm 2010, die Fortschritte mit dem M3 und die Projekte im Kundensport

(Motorsport-Total.com) - In der Formel 1 ist BMW nicht mehr länger vertreten und in der Tourenwagen-WM (WTCC) haben die Münchener ihr Aufgebot deutlich reduziert. Der Fokus von BMW verschiebt sich im kommenden Jahr daher auf die Langstrecke und den Kundensport, welcher bei den Bayern nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert genießt. Eine Teilnahme beim Klassiker in Le Mans ist ebenfalls geplant.

BMW M3

Der M3 ist im kommenden Jahr die Speerspitze von BMW im Motorsport Zoom

Dies erläuterte BMW Motorsport Direktor Mario Theissen am Rande der BMW Sportpokal Verleihung in einer Medienrunde. Man werde sich 2010 verstärkt dem GT-Programm widmen, so Theissen - das Rennprojekt in der American-Le-Mans-Series (ALMS) wird demnach fortgesetzt und Dirk Müller, Tommy Milner, Joey Hand und Bill Auberlen pilotieren auch im kommenden Jahr die beiden M3-Autos.#w1#

Doch damit ist es freilich noch lange nicht getan: "Zusätzlich zu dieser Fortsetzung wollen wir den M3 nach Europa holen", sagt Theissen und fährt fort: "Sie dürfen davon ausgehen, dass zwei Werksautos bei den 24 Stunden am Nürburgring antreten werden. Darüber hinaus sind wir im Gespräch mit dem ACO bezüglich eines Werkseinsatzes in Le Mans und machen da gute Fortschritte."

"Natürlich müssen wir für diese europäischen Einsätze auch einige Probeläufe fahren." Mario Theissen

"Ein drittes Event können die 24 Stunden von Spa-Francorchamps sein, sofern die Homologation dort klappt. Natürlich müssen wir für diese europäischen Einsätze auch einige Probeläufe fahren, also Rennen in den jeweiligen Begleitserien. Das heißt für den Nürburgring VLN, für Le Mans wäre das die Le-Mans-Series (LMS) und für Spa eventuell Belcar - je nach dem, wie das Auto zugelassen wird."

"Genaueres kann ich derzeit noch nicht sagen, denn - abgesehen vom Nürburgring - hängt es eben an der Homologation", gibt Theissen zu Protokoll. "Bei Le Mans sieht es aber gut aus, bei Spa müssen wir noch reden. Da sind noch ein paar Fragen offen. Das Programm mit den Vorbereitungsrennen ist jedenfalls ein sehr umfangreiches und anspruchsvolles", so der 57-Jährige.

Das Schnitzer-Team wechselt auf die Langstrecke

Dieser Aufgabe wird sich das Schnitzer-Team widmen, das bis einschließlich 2009 noch für die Einsätze des BMW Teams Germany in der WTCC verantwortlich zeichnete. Auch Pilot Jörg Müller wird den Wechsel auf die Langstrecke vollziehen und scheidet aus dem Tourenwagen-Programm aus. Der 40-jährige Rennfahrer sitzt dafür permanent in einem der beiden GT-Fahrzeuge in Europa.

"Außerdem holen wir noch zwei Nordschleifen-Cracks an Bord." Mario Theissen

"Für das zweite Auto holen wir Dirk Werner als permanenten Fahrer neu an Bord", gibt Theissen bekannt. "Die Werksfahrer Andy Priaulx, Augusto Farfus und Dirk Müller werden das M3-Lineup ergänzen, so wie es ihr eigenes Programm zulässt. Außerdem holen wir noch zwei Nordschleifen-Cracks an Bord, um dort wirklich perfekt gerüstet zu sein: Das sind Dirk Adorf und Uwe Alzen."

Neuerungen gibt es aber auch auf technischer Seite: "Wir werden unser Produktportfolio ausweiten", sagt Theissen. "Wir haben in diesem Jahr den M3 GT4 an den Start gebracht, 2010 werden wir noch einen Z4 GT3 dazwischen setzen. Dieses Fahrzeug weist ein festes Dach auf und einen V8-Motor", so der BMW Motorsport Direktor. Die Zielgruppe für den neuen Rennwagen sind Privatteams.

Z4 GT3 und 4-Zylinder di-Turbo als Neuerungen

"Es ist nicht geplant, dass wir gezielt Werksfahrer auf dieses Auto setzen", bestätigt Theissen und fügt an: "Wir haben das in der Vergangenheit eigentlich immer ziemlich locker gehalten. Wenn irgendwo ein Auto von einem starken Kundenteam zu besetzen war und die Fahrer waren frei, dann haben wir ihnen alles andere als Steine in den Weg gelegt", erklärt Theissen. Auch ein neuer Motor ist am Start.

"Es ist unser Plan, diesen Motor noch in den 320si einsetzen zu können." Mario Theissen

"Die zweite Neuentwicklung ist ein 1,6 Liter 4-Zylinder di-Turbo, der auf das künftige S2000-Regelement ausgerichtet ist", so Theissen. "Es ist unser Plan, diesen Motor noch in den 320si einsetzen zu können. Dadurch können Kunden, die den 320si einsetzen, mit diesem Fahrzeug auch noch über 2011 hinaus Rennen bestreiten" - wie zum Beispiel in der Tourenwagen-WM.

Vorrangig möchte sich BMW in der kommenden Saison allerdings mit dem GT-Sport beschäftigen, denn im Rahmen der Europazulassung des M3 gibt es noch einige Baustellen: "Es ist klar, dass der Rennwagen in der GT2-S-Form, in der er in den USA weiterhin fahren kann, hier nicht akzeptiert wird. Wir stehen aktuell in der Diskussion mit dem ACO", hält Theissen in seiner Medienrunde fest.

Der BMW M3 schon bald als Kundenauto?

"Wir haben eine Verständigung über ein Umbaupaket, das wir stemmen können. Aus diesem Grund habe ich vorhin angeführt, bezüglich Le Mans gute Fortschritte zu machen. Im Detail möchte ich noch nicht sagen, welche Maßnahmen wir angehen werden. Aber das scheint zu funktionieren", so Theissen. Möglich wäre darüber hinaus auch, dass Kundenteams mit dem M3 antreten werden.

"Es gibt inzwischen Interesse an diesem Auto." Mario Theissen

"Es gibt inzwischen Interesse an diesem Auto, nachdem es in der VLN schon zweimal zu sehen war. Es kann durchaus sein, dass wir im kommenden Jahr GT2-Kundenautos haben werden", meint Theissen. "Es gibt verschiedene Anfragen - nicht nur für die VLN. Es gibt aber noch keinen Deal. Zu den einzelnen Anfragen möchte ich erst dann etwas sagen, wenn wir einen Deal haben."

Zumindest eine erste Sondierung plant offenbar auch die ITR, die sich mit dem Gedanken trägt, ein GT-Reglement für die DTM einzuführen - möglicherweise in Absprache mit den japanischen Serien. Theissen heißt diesen Vorstoß gut: "Es ist klar, dass die DTM in ihrer heutigen Form kein Thema für uns ist", stellt er heraus. Man spreche aber nach wie vor mit ACO, FIA, IMSA und ITR über GTs.

GT-Sport steht bei BMW sehr hoch im Kurs

"Wir hatten kürzlich auch Kontakt mit der ITR, um noch einmal einen Interessenabgleich herzustellen", erläutert Theissen. "Für uns ist einfach entscheidend, dass so ein künftiges Auto nicht nur in einer Serie in Europa einsetzbar ist, sondern auch auf anderen Kontinenten. Wir begrüßen ausdrücklich, dass die ITR Kontakte mit Japan aufgenommen hat", gibt Theissen in München zu Protokoll.

"Aus meiner Sicht müssen die japanischen Hersteller genau dasselbe Interesse haben wie wir." Mario Theissen

"Aus meiner Sicht müssen die japanischen Hersteller genau dasselbe Interesse haben wie wir. Auch die Serienbetreiber müssen dasselbe Interesse haben. Wenn man sich dabei auf ein Reglement verständigen kann - ich weiß nicht, wie konkret das ist -, so wäre das gewiss ein Riesenschritt", findet der BMW Motorsport Direktor, für den Japan "absolut" einen sehr wichtigen Markt darstellt.

Hält er die Rennsaison 2010 unterm Strich für ein Übergangsjahr? Theissen: "Es ist klar, dass wir für 2010 über den Kunden-Z4 hinaus kein neues Auto und kein großes Werksprogramm aus dem Hut zaubern konnten. Insofern fahren wir 2010 mit dem verfügbaren Material. Ob das nun ein einmaliges Paket bleibt für ein Jahr oder ob wir das verlängern, ist derzeit offen", sagt der 57-Jährige.

"Es ist in Summe mehr, als das, was wir 2009 und in den Vorjahren im Produktionswagensport gemacht haben. Das ist durchaus eine gute Basis", meint Theissen und fügt abschließend an: "Wir diskutieren auf GT-Basis aber alle möglichen Optionen. Wenn ein attraktives Szenario entsteht, dann kann das auch heißen, dass wir dafür ein neues Auto entwickeln", so der BMW Motorsport Direktor.

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