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Investoren gefunden: Formel E startet 2014

Wichtiges Zukunftsprojekt für die FIA: Die Formel E mit Elektromotoren soll 2014 den Rennbetrieb aufnehmen - Agag und Drayson unter den neuen Investoren

(Motorsport-Total.com) - Die Zukunft beginnt jetzt: Hinter den Kulissen arbeitet der Automobil-Weltverband FIA schon länger an einer neuen Formelserie für Elektroautos - ein Projekt, das von den Medien teilweise fälschlich als Elektro-Formel-1 dargestellt wurde. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine völlig eigenständige Rennserie, die Formel E heißen und 2014 starten wird.

Jean Todt

Jean Todt ist die treibende Kraft hinter der für 2014 geplanten Formel E Zoom

Der Prototyp Formulec EF 01 wurde bereits getestet, 2013 sollen weitere Probefahrten mit einem weiterentwickelten Modell stattfinden. Wenn es dann 2014 mit Rennen möglichst in den wichtigsten Städten der Welt losgeht, sollen zehn Teams 20 Fahrer einsetzen - und keinen Tropfen Benzin mehr verbrauchen. Denn die Idee ist, dass in der Formel E mit 100-Prozent-Elektroautos gefahren wird, nicht mit Hybridantrieb.

Als Investoren haben sich der spanische Milliardär Enrique Banuelos, der einflussreiche GP2-Teameigentümer Alejandro Agag aus Spanien, der frühere britische Wissenschaftsminister Paul Drayson, der inzwischen eine im Motorsport aktive Sportwagen-Firma aufgebaut hat, und der Franzose Eric Barbaroux, mit seiner Firma Electric Formula einer der Pioniere auf dem Gebiet des E-Motorsports, zusammengetan.

Prestigeprojekt für Todt und die FIA

Laut FIA-Präsident Jean Todt sollen die Rennen "im Herzen großer Städte" ausgetragen werden: "So ist sicher, dass sie ein neues Publikum generieren." Für den Weltverband ist die Formel E ein wichtiges Prestigeprojekt, auch um die Abhängigkeit von der Formel 1 zu verringern. Todt: "Diese spektakuläre Serie wird Unterhaltung bieten und zugleich eine Plattform, um FIA-Werte wie saubere Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit mit einem größeren und jüngeren Publikum zu teilen."

Ähnlich wie die Formel 1, aus der es in jüngerer Vergangenheit Innovationen wie das semiautomatische Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung in die Serie geschafft haben, soll auch die Formel E ein Innovator für die Automobilindustrie werden: "Wir erwarten, dass diese Meisterschaft Forschung und Entwicklung rund um das Elektroauto antreiben wird", erklärt Agag. Das sei ein Schlüsselelement für saubere Städte der Zukunft.


Go-Karts mit Elektroantrieb

Wie wichtig der Erfolg der Formel E für die FIA ist und wie ernst das Projekt genommen wird, beweisen neben den hochgesteckten Ambitionen auch die Bemühungen hinter den Kulissen. So wurde eine eigene Kommission für Meisterschaften mit elektrischen und anderen alternativen Antriebskonzepten gegründet. Deren Vorsitzender ist übrigens Burkhard Göschel, zu Formel-1-Zeiten Vorstand von BMW.

Durch den alternativen Antrieb wird das Format der Rennen diktiert, bei dem die Veranstalter nicht sonderlich flexibel sind. "Man könnte locker die Leistung eines GP3-Autos oder eines Formel BMW erreichen, aber nur bei einer Renndistanz von zehn bis 15 Minuten", erklärt Pete May, Ingenieur für Motorsport-Applikationen bei Zytek, dem Entwickler jenes Mercedes-Systems, das 2009 den historischen ersten KERS-Sieg in der Formel 1 feierte.

Batterien effizienter als Benzintanks

"Benzin verfügt über ein Potenzial von 13 Kilowattstunden pro Kilogramm. Die besten Batterien, die es momentan gibt, kommen auf 0,25", deutet er an, dass das größte Problem ist, die notwendige elektrische Energie zu speichern. "Es ist ein bisschen besser als es klingt, denn die Effizienz eines Benzinmotors liegt nur bei rund 25 Prozent. Batterien sind zu 90 Prozent effizient. Unterm Strich ist das Energie-pro-Kilogramm-Verhältnis bei Benzin aber trotzdem sechsmal besser."

"Benzinmotoren sind nicht besonders effizient, obwohl sie seit 100 Jahren laufend weiterentwickelt werden." Eric Barbaroux

Umso wichtiger ist die Formel E, um die Entwicklung in diesem Bereich in einem Wettbewerbsumfeld voranzutreiben. "Obwohl in einem Liter Benzin viel mehr Energie steckt als in einem Liter Elektrolyt, gibt es noch gewaltige Potenziale in der elektrischen Energie, die nicht erforscht sind", weiß Barbaroux und unterstreicht: "Benzinmotoren sind nicht besonders effizient, obwohl sie seit 100 Jahren laufend weiterentwickelt werden. Ich glaube, der Elektromotor hat mehr Potenzial."

Ingenieure gehen davon aus, dass der EF 01 in weniger als drei Sekunden von null auf 100 beschleunigen und 250 km/h schaffen wird. Die FIA prognostiziert, dass 20-minütige Rennen möglich sein werden. Das ist kurz, aber: "Der 100-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen dauert auch nur zehn Sekunden, ist aber das größte Medienspektakel von allen Disziplinen. 30 Minuten Rennen und 20 Minuten Analysen sind ein perfektes TV-Paket", argumentiert Barbaroux.

Doch zunächst einmal gilt es, den Prototypen bis 2014 weiterzuentwickeln. Bereits im September 2010 fanden erste Tests mit dem Elektro-Formelwagen statt, damals mit Jules Bianchi und Alexandre Premat am Steuer. 2011 war ein Jahr der Weiterentwicklung, wobei auch auf Formel-1-Ressourcen zugegriffen wurde - etwa auf den Mercedes-Windkanal in Brackley. Nun gilt es, neben dem Auto auch die Organisation der Rennserie zu planen.

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