NASCAR Loudon: Bell "klaut" Reddick den Sieg nach zwei Stunden Pause

Christopher Bell gewinnt nach mehr als zweistündiger Unterbrechung im Schlussspurt auf Regenreifen - Frust für Tyler Reddick, Ryan Blaney, Kyle Busch

(Motorsport-Total.com) - Christopher Bell (Gibbs-Toyota) hat am Sonntag auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon ein mehr als fünfstündiges NASCAR-Rennen gewonnen, das allerdings mehr als zwei Stunden lang mit Rot unterbrochen war. Grund für die lange Pause war Regen in Verbindung mit einem Gewitter. Es stand mehr als nur im Raum, dass das Rennen vorzeitig abgebrochen wird. Doch es kam anders.

Titel-Bild zur News: Christopher Bell

Dritter Saisonsieg 2024 für Christopher Bell (Gibbs-Toyota) - und wie! Zoom

Nach der mehr als zweistündigen Wartezeit ging es tatsächlich weiter, und zwar auf den Regenreifen für kurze Ovale. Und mit insgesamt drei Sätzen dieser profilierten Reifen wurden die verbleibenden Runden von der Rotphase an (Runde 220) bis ins Ziel der 301-Runden-Distanz tatsächlich zurückgelegt. Am Ende gab es sogar noch Verlängerung, weshalb 305 Runden absolviert wurden. (Fotos: NASCAR in Loudon)

Im offiziellen Endergebnis des Rennens hat Christopher Bell als Sieger allen voran zwei Stewart/Haas-Piloten hinter sich gelassen: Chase Briscoe auf P2 und Josh Berry auf P3. Sie gehörten neben Bell zu den großen Gewinnern des Umstands, dass das Rennen doch fortgesetzt wurde. Tyler Reddick hingegen, der sich unter Rot schon fast als sicherer Sieger fühlen durfte, wurde im Schlussspurt noch bis auf P6 durchgereicht. (Ergebnis: NASCAR in Loudon)

Von den insgesamt 36 Punkterennen der NASCAR Cup-Saison 2024 sind nun 18 absolviert. Bis zum Beginn der Playoffs (8. September in Atlanta) verbleiben noch acht Rennen.

Kein Qualifying wegen Regen: Chase Elliott startet von P1

Das Wetter war am New Hampshire Motor Speedway - im NASCAR-Kalender die am weitesten nördlich gelegene Strecke - am gesamten Rennwochenende ein Thema. Das Freie Training ging am Samstag erst mit Verspätung und in stark verkürzter Form über die Bühne. Es umfasste weniger als zehn Minuten.

Das Qualifying musste am Samstag aufgrund von Regen sogar komplett abgesagt werden. Die Startaufstellung ergab sich daher aus der seit ein paar Jahren für solche Fälle vorgesehenen Rechenformel. Aus der ersten Reihe fuhren am Sonntag Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) und Penske-Pilot Ryan Blaney los. Und weil eben auch für den Renntag mit Regen zu rechnen war, wurde eine halbe Stunde früher als eigentlich vorgesehen gestartet.

Beim vorgezogenen Start um 14:07 Uhr Ortszeit (20:07 Uhr MESZ) verteidigte Chase Elliott die Spitze. Dahinter kam Christopher Bell (Gibbs-Toyota) sofort an Ryan Blaney vorbei. Auch Ross Chastain (Trackhouse-Chevrolet) und Joey Logano (Penske-Ford) brauchten nur wenige Runden, um den Vorjahreschampion zu überholen.

Stage-Siege für Christopher Bell und Denny Hamlin

Das erste Rennsegment (Stage 1) war auf 70 Runden angesetzt. Christopher Bell setzte seinen frühen Vorwärtsdrang fort, indem er sich einige Runden nach Ryan Blaney auch Chase Elliott zurechtlegte und diesem die Führung abnahm. Je länger der erste Green-Flag-Run dauerte, desto weniger passte Elliott das Handling seines #9 Hendrick-Chevrolet. Dennoch hielt er sich lange Zeit an zweiter Stelle.

Als nach 70 Runden die erste Stage-Flagge des Tages gezeigt wurde, hatte Christopher Bell den Stage-1-Sieg in der Tasche. Im Kampf um die zweite Position und damit neun statt acht Bonuspunkte fing Joey Logano in der letzten Kurve vor der Stage-Flagge noch Chase Elliott ab.

Im zweiten Rennsegment (Stage 2) gab es den ersten Durchgang Boxenstopps unter Grün. Christopher Bell führte bis zu diesem und kam auch vor seinen direkten Verfolgern wieder aus der Boxengasse heraus. Dann aber leistete er sich mit dem frischen Reifensatz direkt einen heftigen Verbremser am Ende der Start/Ziel-Gerade. Gibbs-Teamkollege Martin Truex Jr. kam in großen Schritten näher und schließlich vorbei.

Kurz nach dem Führungswechsel sorgte ein Dreher von Daniel Hemric (Kaulig-Chevrolet) für die erste Gelbphase des Tages, die einem Zwischenfall geschuldet war. In dieser kamen drei Piloten nicht an die Box: Gibbs-Pilot Denny Hamlin sowie Penske-Pilot Joey Logano und auch Corey LaJoie (Spire-Chevrolet).

So war Hamlin der dritte von vier Gibbs-Piloten, die Führungsarbeit leisteten. Wenige Runden nach dem Restart aber gab es den nächsten Zwischenfall. Eine Berührung mit Noah Gragson (Stewart/Haas-Ford) endete für Saisonpechvogel Kyle Busch (Childress-Chevrolet) mit Dreher und Mauerkontakt Ins Ziel kam Busch nach einem weiteren Dreher und einem Defekt nicht. Für die Playoffs 2024 wäre der zweimalige NASCAR-Champion nach aktuellem Stand der Dinge nicht qualifiziert.

Als es für den Rest des Feldes um den zweiten Stage-Sieg des Tages ging, mussten sich Denny Hamlin und Joey Logano auf ihren 20 Runden älteren Reifen der Angriffe von Martin Truex Jr. erwehren. Logano gelang das nicht, Hamlin allerdings schon. So ging der Stage-2-Sieg an Hamlin, gefolgt von Truex Jr. und von Logano.

Mehrere Crashs vor einsetzendem Regen

In der Stage-Caution, die das letzte der drei Rennsegmente einläutete, klappte der Boxenstopp des an zweiter Stelle liegenden Martin Truex Jr. alles andere als optimal. Beim Wechsel des rechten Hinterrads gab es ein Problem mit zentralen Radmutter, was wertvolle Sekunden kostete.

Strategisch betrachtet wurden fünf Piloten in dieser Gelbphase nur mit zwei statt vier frischen Reifen versorgt. Zwei andere blieben ganz draußen. Der angekündigte Regen nämlich kam näher. Und kurze Zeit später öffneten sich die Wolken tatsächlich.

Diejenigen sieben Piloten, deren Crewchiefs schon in der Stage-2-Caution auf ein vorzeitiges Rennende spekulierten, waren: Tyler Reddick und Michael McDowell jeweils ohne Boxenstopp sowie Kyle Larson, Todd Gilliland, Noah Gragson, Austin Cindric und Harrison Burton mit jeweils nur zwei neuen Reifen. Für alle anderen wurden vier frische Reifen aufgezogen.

Beim Restart waren noch 108 der insgesamt 301 Runden zu fahren. Aber es lag in der Luft, dass diese 108 Runden nicht mehr komplett absolviert würden. Und beim Restart ging es direkt mal schief, als die von P1 und von P6 ins Rennen gestarteten Chase Elliott und Joey Logano im Mittelfeld ineinander rauschten. Beide Autos trugen Beschädigungen davon.

Es ging zügig weiter und nun waren es Tyler Reddick und Michael McDowell, mit sich mit ihren älteren Reifen der Angriff von Kyle Larson erwehren mussten. Am Front-Row-Piloten war Larson rasch vorbei, aber am 23XI-Piloten kam er zunächst nicht vorbei. Das nutzte Denny Hamlin, um seinerseits an Larson vorbeizuziehen.

Larson fiel noch weiter zurück, als der nächste Crash für Gelb sorgte. Es betraf Martin Truex Jr., der nach dem verpatzten Boxenstopp am Ende der Top 20 unterwegs war. Der Crash war die Folge einer Berührung mit Brad Keselowski (RFK-Ford). Trotzdem wurde Truex Jr. letztlich noch Neunter.

Mehr als zwei Stunden Rot und dann doch noch ins Ziel

Einen Restart gab es noch, bevor die rote Flagge herauskam. Tyler Reddick führte, während sich Ryan Blaney an Denny Hamlin vorbei an die zweite Stelle nach vorne fuhr. Dann kam der angekündigte Regen. Die Autos wurden in die Boxengasse geleitet, dort mit Planen abgedeckt, während die Fahrer ausstiegen.

Mehr als zwei Stunden vergingen unter Rot, bevor doch wieder auf Gelb zurückgeschaltet wurde und es auf Regenreifen letztlich sogar über die komplette verbleibende Distanz ging. Die letztlich 305 Runden standen unterm Strich im Zeichen von insgesamt 14 Gelbphasen.


NASCAR 2024: Loudon

Die Highlights von Rennen 18 von 36 der NASCAR Cup Series 2024, dem USA Today 301 auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon!

Zu den Verlieren der Schlussphase auf Regenreifen zählten unter anderem Penske-Pilot Ryan Blaney und Front-Row-Pilot Michael McDowell. Sie drehten sich bei einem späten Restart im Kampf um die zweite Position hinter Christopher Bell. Bell wiederum hatte die Führung von Tyler Reddick kurz nach Wiederaufnahme des Rennens übernommen und bis ins Ziel nicht mehr abgegeben.

Weiter geht es im NASCAR Cup-Kalender 2024 am kommenden Sonntag (30. Juni) auf dem Nashville Superspeedway. Das 1,33-Meilen-Oval mit Betonbelag ist seit 2021 Bestandteil des Rennkalenders der höchsten NASCAR-Liga und damit die drittneueste Strecke (nach Chicago und St. Louis). Die neueste Strecke im Kalender, der seit 2023 befahrene Chicago-Stadtkurs, steht direkt am darauffolgenden Sonntag (7. Juli) auf dem Plan.