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  • 16.11.2018 · 19:36

  • von Lüttgens, Co-Autoren: Dirnbeck, Nugnes, Garcia, Puigdemont, Zinck

Regen beim MotoGP-Saisonfinale: Droht ein zweites Silverstone?

Regen sorgte bei den freien Trainings der MotoGP in Valencia für rote Flaggen: Fahrer sorgen sich bei ähnlichen Bedingungen am Renntag um die Sicherheit

(Motorsport-Total.com) - Droht das Saisonfinale der MotoGP am Sonntag in Valencia buchstäblich ins Wasser zu fallen? Nach den Eindrücken des ersten Trainingstages erscheint diese Frage berechtigt, denn bei Dauerregen musste am Freitag auf dem Circuit Ricardo Tormo sowohl das erste als auch das zweite Freie Training der MotoGP mit einer roten Flagge unterbrochen werden, weil die Bedingungen nach Ansicht der Rennleitung nicht mehr sicher waren.

"Das war völlig richtig", kommentiert Aprilia-Pilot Aleix Espargaro die Entscheidungen der Rennleitung. "Das stehende Wasser läuft zwar schnell ab, aber wenn es zehn Minuten lang heftig regnet, gibt es zwei, drei Stellen, an denen es echt gefährlich ist." Auch Stefan Bradl, der bei LCR-Honda an diesem Wochenende erneut für den verletzten Cal Curtchlow einspringt, meint: "Es ist schon etwas gefährlich, wenn so viel Wasser auf der Strecke ist. Die Rennleitung hat gut reagiert und ich hoffe, sie machen das weiter so, denn sie müssen schon auf zack sein und jede Minute genau beobachten, was passiert."

In den Freien Trainings am Freitag war vor allem stehendes Wasser ein Problem für die Fahrer. "Ich hatte viel Aquaplaning, vor allem auf die weißen Linien und den Randsteinen, und auf der Start- und Zielgeraden im sechsten Gang", berichtet Bradley Smith, der an diesem Wochenende sein letztes Rennen für KTM fährt.

Aquaplaning durch stehendes Wasser auf der Geraden

"Auf der Start-Ziel-Geraden steht eine Menge Wasser, und es ist schwierig, das zu sehen", bestätigt auch Pramac-Pilot Danilo Petrucci. "Wenn bei 300 km/h auf der Geraden das Hinterrad durchdreht, ist das nicht lustig. Da denkt man sich schon: Sie wir eigentlich völlig verrückt?", verliert der Italiener auch bei Regenwetter nicht seinen Humor.

Doch wieso kommt es zu diesen Pfützen, die vor allem auf der Start-Ziel-Geraden zu sehen waren? Während Smith dafür "keinen offensichtlichen Grund" erkennt, denn "es hat nicht so stark geregnet", sehen seine Rivalen schlicht die Menge des von oben kommenden Wassers als Ursache. "Ich glaube, die Drainage funktioniert hier sehr gut. Die Strecke ist in keinem schlechten Zustand", findet Bradl. "Aber bei der Regenmenge heute ist klar, dass immer wieder wo Wasser steht."

Auch Valentino Rossi bestätigt: "Der Asphalt hat im Nassen eine Menge Grip, und auch die Drainage ist recht gut." Und Weltmeister Marc Marquez fühlt sich im Nassen wohl wie ein Fisch im Wasser: "Trotz des Regens hatten wir eine beeindruckende Haftung und fuhren in einigen Kurven mit den Ellbogen auf der Strecke."

Sturz-Schwerpunkt Kurve 12

Das gilt aber nicht für alle Streckenabschnitte, denn in Kurve 12 ereigneten sich klassenübergreifend am Freitag sehr viele Stürze. Neben Bradl erwischte es dort auch Johann Zarco, der als Ursache für den Sturz allerdings kalte Reifen und nicht zu viel Wasser ausgemacht hat. Doch warum häuften sich in dieser Kurve die Stürze?

"Dort steht eine Menge Wasser, und am Eingang fällt die Kurve ab. Daher hat das Hinterrad wenig Haftung, weil alles auf dem Vorderrad ist", liefert Aleix Espargaro eine Erklärung. "Außerdem ist die Kurve am Eingang ziemlich schnell." Für Dani Pedrosa spielt auch das Layout der Kurses eine Rolle. "Hier ist man in jeder Rechtskurve mit dem Grip am Limit", sagt er. Kurve 12 ist eine Rechtskurve, von denen es in Valencia nur fünf gibt. Links herum geht es hingegen sieben Mal, weshalb die Reifen auf der rechten Flanke kühler sind und generell weniger Grip liefern.

Nach den Erfahrungen des heutigen Trainingstages blicken die Fahrer mit einiger Sorge auf den Renntag. Denn nach einer Wetterberuhigung am Samstag ist am Sonntag in Valencia wieder Regen vorhergesagt. "Wenn es am Sonntag so (wie heute; Anm. d. Red.) regnet, müssen wir echt vorsichtig sein", sagt Smith. Für Rossi steht fest: "Wenn es so wie heute Morgen um 10 Uhr regnet, kann man kein Rennen fahren."

Gischt ist im Rennen das größte Problem

Als größtes Problem im Rennen sehen die Fahrer die schlechte Sicht. "Diese großen Motorräder produzieren eine Menge Gischt, und wenn man in einer Gruppe fährt, sieht man nichts", so Rossi. Eine Einschätzung, die Petrucci nach den Erfahrungen aus dem Training bestätigen kann. "Ich bin eine Zeit lang hinter Marquez gefahren, und auf der Geraden war die Sicht bei so viel Wasser sehr schlecht. Ich glaube nicht, dass die Fahrer hinten im Feld irgendwas sehen", so der Italiener, der die Bedingungen heute als "an der Grenze" bezeichnet.


Fotos: MotoGP in Valencia, Training


Ob der MotoGP nach der regenbedingten Absage in Silverstone eine neuerliche Hängepartie oder gar ein Ausfall des Saisonfinales droht, ist allerdings längst noch nicht sicher. "Selbst bei viel Regen ist es eine sichere Strecke", meint Zarco. "Es ist nicht so wie in Silverstone oder Malaysia, dass wir abwarten müssen. Die roten Flaggen kamen aus Sicherheitsgründen, aber kurz danach war es wieder fahrbar." Und auch Rossi zeigt sich zuversichtlich: "Heute Vormittag hat es ausgereicht, 15 Minuten zu warten. Danach war es in Ordnung."

Smith hofft, dass die Rennleitung bei einem Regenrennen die Situation genau im Blick behält. Andernfalls müssten die Fahrer ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. "Laut Reglement können wir durch ein Handzeichen zwar keinen Abbruch herbeiführen, aber die Rennleitung darauf hinweisen. Darüber müssen wir nachdenken, wenn es so sehr regnen sollte."

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