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Agag: Formel E trotz Liberty-Formel-1-Einstieg unbesorgt

Formel-E-Chef Alejandro Agag erklärt, warum der Liberty-Formel-1-Einstieg kein Problem für seine Serie ist - Kartellämter müssen den Deal aber noch durchwinken

(Motorsport-Total.com) - Die Formel E und die Formel 1 gehören seit einigen Wochen zur gleichen "Familie", wie Formel-E-Chef Alejandro Agag den neuen Formel-1-Besitzer Liberty Media nennt. Nachdem Liberty bereits zuvor an der Formel E beteiligt war, bestätigte der Konzern Anfang September auch die Übernahme der Formel 1. "Wenn ihr mich fragt, dann ist das eine gute Sache. Ich glaube, es wäre viel schwieriger gewesen, wenn ein Wettbewerber von Liberty Media die Formel 1 gekauft hätte", so Agag gegenüber 'Reuters'.

Alejandro Agag

Alejandro Agag erklärt, warum die Formel 1 und die Formel E "kompatibel" sind Zoom

Agag befürchtet nicht, dass die Formel E unter dem neuen "großen Bruder" leiden könnte. "Wir stehen nicht im Wettbewerb mit der Formel 1", stellt er klar und erklärt: "Wir fahren nicht auf Rennstrecken, sondern auf sehr kleinen Flächen, auf denen die Formel 1 gar nicht fahren könnte. Also gibt es auch keinen Wettbewerb." Außerdem besuchen die beiden Serien mit Mexiko-Stadt, Monaco und Montreal lediglich drei gemeinsame Städte.

"Außerdem fahren wir mit einer ganz anderen Technologie", erinnert Agag, der der Meinung ist, dass sich eher die US-amerikanischen IndyCar- und NASCAR-Serien Sorgen machen müssten. "Ich würde mir Gedanken machen, denn es wird sie vielleicht betreffen, wenn die Formel 1 in Amerika gepusht wird. Aber die Formel 1 und die Formel E sind in Amerika und auch sonst überall definitiv kompatibel", so der Formel-E-Boss.


Fotos: Formel-E-Präsentation in New York


"Wenn die Autoindustrie komplett elektrisch wird, dann wird die Formel E die relevante Serie für die Industrie sein", erklärt Agag. "Ich denke aber nicht, dass die Formel 1 dann verschwinden wird. Ich denke, sie wird weiterhin bestehen. Es gibt ja auch heute noch Pferderennen, obwohl wir nicht mit dem Pferd zur Arbeit reiten. Autos mit Verbrennungsmotoren wird es dann vielleicht nur noch im Rennsport geben."

"Die Formel 1 hat so viel Tradition, dass sie auch in Zukunft weiterhin bestehen wird. In 50 oder 60 Jahren ist die Formel E vielleicht irgendwann die wichtigste Meisterschaft, aber das wird erst die Zeit zeigen", so Agag. Übrigens muss die Formel-1-Übernahme durch Liberty noch immer durch die Kartellämter bestätigt werden. Das könnte durchaus interessant werden, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.


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So stimmte die EU dem Formel-1-Kauf durch CVC im Jahr 2006 beispielsweise nur unter der Auflage zu, dass CVC im Gegenzug Tochterunternehmen Dorna verkauft. Hintergrund: Dorna ist Promoter der MotoGP, womit CVC also Besitzer der beiden größten Rennserien in Europa gewesen wäre. Nun ergibt sich mit Liberty ein ähnlicher Fall, doch eventuell ist die Formel E aktuell noch zu klein, weshalb der Deal ohne Auflage über die Bühne gehen könnte.

Damals hieß es von Seiten der EU zu dem CVC-Deal: "Wenn die beiden beliebtesten Motorsportveranstaltungen in der EU, die Formel 1 und die MotoGP, in die Hände des gleichen Besitzers kommen, besteht die Gefahr von Preiserhöhungen für die Fernsehrechte an diesen Veranstaltungen und einer Einschränkung der Wahlmöglichkeiten der Verbraucher." Wie angekündigt verkaufte CVC Dorna daher.