Oliver Bearman: Darum fühlt er sich im Formel-1-Auto wohler als in der Formel 2

Oliver Bearman vergleicht Formel-1- und Formel-2-Autos - In der Königsklasse fühlt sich der 19-Jährige wohler

(Motorsport-Total.com) - "[Das Formel-2-Auto] ist langsamer, aber ich glaube, dass das Fahren in einem Formel-1-Auto meinem natürlichen Fahrstil besser entspricht", sagt Oliver Bearman, der in den Genuss kam, als Ersatzfahrer und Testfahrer in der Königsklasse bisher vier Freie Trainings und ein Formel-1-Rennen zu bestreiten. "Für mich ist es intuitiv, so schnell in einem Formel-1-Auto zu fahren."

Titel-Bild zur News: Oliver Bearman

Oliver Bearman vergleicht die Formel 1 mit der Formel 2 Zoom

Bearman durfte bereits 2023 in Mexiko und Abu Dhabi für Haas an den Freien Trainings der Formel 1 teilnehmen. 2024 bestritt er sein erstes Rennen als Ersatz für den erkrankten Carlos Sainz und belegte in Saudi-Arabien gleich einen starken siebten Platz. Es folgten weitere Trainingseinsätze für Haas in Imola und zuletzt in Barcelona, während er Vollzeit in der Formel 2 fährt.

Auf die Frage, wie es ist, von einem Auto ins andere zu wechseln, antwortet der 19-Jährige: "Es ist hart und natürlich hilft es immer, viele Runden zu fahren. In der Formel 2 haben wir nicht so viele Runden, weil wir im Freien Training nur einen Satz Reifen haben und dann gleich ins Qualifying müssen. Man hat in der Formel 2 also nicht viel Zeit, um einen Rhythmus zu finden."

"Ich war zum Beispiel seit zwei Jahren nicht mehr in Imola", erklärt der Brite. "Deshalb war es schön, dort wieder mehr Runden zu fahren. Auf der anderen Seite ist es ein völlig anderer Fahrstil, was es schwierig macht, im Qualifying mit nur zwei Runden wieder in den Rhythmus zu kommen. Das ist hart, deshalb muss ich vor den Rennwochenenden hart arbeiten, um mit den unterschiedlichen Fahrstilen zurechtzukommen."

Bearman hat deshalb den Simulator genutzt, um den Fahrzeugwechsel während eines Rennwochenendes zu simulieren. In einer Session fährt er das virtuelle Formel-2-Auto, dann wechselt er in den Formel-1-Boliden und wieder zurück in das Formel-2-Auto, um die Abläufe und die unterschiedlichen Eigenschaften zu lernen.

Den Unterschied zwischen den beiden Autos beschreibt er so: "Wenn ich richtig Gas gebe, kann ich [im Formel-1-Auto] bessere Rundenzeiten fahren, während ich in der Formel 2 das Auto respektieren muss. Ich muss bewusst fahren. In der Formel 1 ist es ein bisschen intuitiver. Es fühlt sich für mich natürlicher an."

Formel 2 deutlich langsamer

Bearman erklärt das Phänomen damit, dass die Formel-2-Autos weniger Abtrieb erzeugen als die Formel-1-Boliden. "Deshalb ist die Balance etwas offener und etwas schwieriger", erklärt der Youngster. "Trotzdem ist es die beste Vorbereitung auf die Formel 1, würde ich sagen."

Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen der Formel 1 und der Formel 2 ist groß und Bearman muss sich an den Wochenenden, an denen er beide Autos fährt, erst daran gewöhnen: "Wenn ich das Freie Training [in der Formel 1] fahre und dann in das Formel-2-Auto steige, fühlt es sich natürlich etwas langsam an. Aber ich habe mich daran gewöhnt."

Auf seine Einsätze für Haas in der Königsklasse freut sich der 19-Jährige dennoch: "Es ist immer schön, in einem Formel-1-Auto zu sitzen, weil wir dort etwas mehr Leistung unter dem Hintern haben." In der Formel 2 tut sich Bearman trotz seines fulminanten Formel-1-Debüts in Saudi-Arabien schwer. In der Saison 2024 liegt er mit 18 Punkten nur auf Platz 17.

Schwierige Formel-2-Saison

"Es war bisher sehr schwierig in der Formel 2", gibt er zu. "Ich denke, ich bin auf dem höchsten Level meiner Karriere, was völlig normal ist, weil ich so viel Erfahrung habe wie nie zuvor. Die Ergebnisse spiegeln das nicht wider, aber es gibt einige Faktoren, die mich gebremst haben."

Ein vierter Platz in Monaco und nur drei Top-10-Ergebnisse machen die aktuelle Saison für den Prema-Piloten, der in einem Top-Team fährt, schwierig. "In Dschidda bin ich nicht gefahren, in Australien hatte ich im Qualifying einen Motorschaden. In Imola hatten wir ein Problem beim Boxenstopp, als ich in Führung lag. Die Pace war also da, auch wenn wir Probleme hatten."

Monaco sei das erste Wochenende der Formel-2-Saison 2024 gewesen, an dem er gezeigt habe, was wirklich in ihm steckt. "Ich bin dort von Platz zwölf gestartet und auf einer Strecke wie Monaco als Vierter ins Ziel gekommen. Ich gebe weiter alles und versuche, den Schwung mitzunehmen. So möchte ich meine Leistungen aus der Formel 1 auch in der Formel 2 bringen."

Vorfreude auf Silverstone

Da Ferrari und Haas an den 19-Jährigen glauben, hat er nicht das Gefühl, sich beweisen zu müssen. "Ich glaube nicht, dass ich übertreibe und über die Grenzen gehe. Ich genieße einfach jede Session und versuche, mich zu verbessern", sagt Bearman, der aufgrund seiner Doppelrolle an einem Rennwochenende manchmal viel Stress hat.

Oliver Bearman (Haas VF-24) beim Training zum Formel-1-Rennen in Imola 2024

Oliver Bearman in einem Formel-1-Auto im Freien Training von Imola Zoom

"Silverstone wird ein verrücktes Wochenende", sagt er. "Es passiert einfach viel. Schon das vergangene Jahr war für mich ziemlich hektisch. Im ersten Freien Training [der Formel 1] passiert hinter den Kulissen noch viel mehr, auch lustige Sachen. Es wird ein stressiges Wochenende, aber ich freue mich auch auf mein Heimrennen und kann es kaum erwarten. Es wird fantastisch."

Bearman vergleicht auch den Schritt von der Formel 3 in die Königsklasse: "Die Formel 3 ähnelt vom Fahrstil her mehr der Formel 1. Dort kann ich das Auto um die Kurven werfen und ihm vertrauen. Das ist in der Formel 2 etwas weniger der Fall." Ob das an den verwendeten Reifen liegt, weiß Bearman nicht.

"Ich habe das Gefühl, dass die 18-Zoll-Reifen in der Formel 2 etwas schwieriger zu handhaben sind", rätselt er. "Es fühlt sich einfach nicht natürlich an. Im Qualifying will ich das Extra-Prozent rausholen, aber dann mache ich Fehler und verliere das Vertrauen ins Auto. In der Formel 3 und in der Formel 1 habe ich gute Ergebnisse erzielt, denke ich. Dort ist es für mich einfach intuitiver."

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