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DTM-Saisonrückblick 2017: Funkverbot und Amateurtruppen

Taktisches Fahren sorgt für ein neues Funkverbot in den DTM-Rennen: Von wegen "Enjoy the Silence" - Mercedes-Rennleiter: "Sieht schnell aus wie Amateurtruppe"

(Motorsport-Total.com) - Ein Rookie als DTM-Champion, viele - auch oft verbal - harte Duelle zwischen Fahrern und lästige Diskussionen abseits der Rennstrecken: Das war die Saison 2017. 'Motorsport-Total.com' beleuchtet in umfassenden Rückblicken noch einmal die Kernthemen des Jahres. Heute: Das Funkverbot. Die Kommunikation zwischen Piloten und Personal an der Boxenmauer wurde als Folge der taktischen Fahrweisen vor dem Hintergrund der Verteilung von Performance-Gewichten immer weiter eingeschränkt.

Bruno Spengler

Trotz Funkverbot: Die Boxentafeln haben mehr Bedeutung, aber weniger Inhalte Zoom

Vor dem Start in die DTM-Saison 2017 hatten sich die Verantwortlichen darauf geeinigt, dass man die Piloten nicht mehr per Funkanweisungen "fernsteuern" möchte, wie dies in der Vergangenheit immer wieder der Fall gewesen war. Das Ziel: Die Piloten sollten im Cockpit mehr Entscheidungen allein treffen, die Fehlerquote sollte steigen, die Rennen somit unvorhersehbarer und spannender werden. Genau dies wurde in vielen Fällen tatsächlich erreicht.

"Da kommen dann plötzlich mal vier oder fünf Autos gleichzeitig herein, oder es sind die Reifen nicht parat, weil ein Fahrer schnell mal etwas entschieden hat. Die Entscheidung, ob ein Auto zur Box kommt, hat früher nicht der Fahrer getroffen, sondern die Box - es sei denn, es gab einen plötzlichen Wetterwechsel", sagt Mercedes-DTM-Rennleiter Ulrich Fritz nach Abschluss der Saison über das neue Funkverbot. Fritz ist im Jahr 2017 ein Fan von der veränderten Regelung geworden - wenngleich es auch Kopfschütteln gab.

Und plötzlich ist es eine Amateurtruppe

"Du siehst halt schnell mal aus wie die letzte Amateurtruppe, die mal eben zum Rennplatz gefahren ist. Man kann halt nicht mehr gescheit kommunizieren", schmunzelt er. Die Teams dürfen ihren Protagonisten in den Autos nur noch Informationen per Boxentafel übermitteln. Direkte Ansprache im Funk ist nur beim Fahren in der Boxengasse erlaubt, oder in Notsituationen mit Gefahrenpotenzial. "Wenn du zum Boxenstopp kommst, wird da plötzlich gequatscht wie beim Kaffeekränzchen meiner Tante", lacht ein BMW-Fahrer.


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"Abgesehen davon, dass es den Infofluss zwischen Team und Fahrer einschränkt, nimmt man auch dem Fan eine spannende Komponente, denn manche Funksprüche wurden ja in der TV-Übertragung wiedergegeben. Meinetwegen kann man das Verbot wieder aufheben", ist Audi-Haudegen Mattias Ekström kein Freund der Funkstille während der DTM-Rennen. DIe Piloten müssen sich neue Wege suchen, um an wichtige Informationen zu kommen. DTM-Champion Rene Rast nutzte beispielsweise oft die großen Videoleinwände an der Strecke, um über Abstände und Reihenfolge auf dem Laufenden zu bleiben.

"Wir Fahrer müssen uns nun mehr auf uns selbst verlassen. Man weiß nicht mehr, wann der beste Moment ist, zu stoppen, man weiß nicht, wer vor oder hinter einem fährt, wer noch wie häufig das DRS nutzen kann, wie das Wetter ist. Das Positive ist, dass die Rennen dadurch von außen weniger gesteuert werden", sagt der Audi-Neuling, der sofort in seinem ersten vollen DTM-Jahr die Krone erlangen konnte. Strategie als Bauchgefühl, Einsatz von DRS rein situationsbedingt - das ist neu.


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Noch mehr Neues gibt es ab den Rennen auf dem Norisring. Weil die DTM ihre Maßgaben zur Verteilung von Performance-Gewichten zum Budapest-Wochenende verändert hatte und dort das große "Zielzeitfahren" startete, greift der DMSB weiter durch. Rennleiter Sven Stoppe untersagt den Teams ab der Veranstaltung in Nürnberg die Übermittlung von Rundenzeiten auf den Boxentafeln. Ab sofort darf auf den Tafeln nur noch das Fahrerkürzel und ein etwaiger Hinweis auf einen bevorstehenden Stopp stehen.

Wenn die Spezialisten an ihren Boxentafeln vorbeirauschen

Konsequenz: Die Teams halten die Boxentafeln nur noch dann heraus, wenn ein solcher Service des entsprechenden Fahrers ansteht. "Da haben zuerst ganz viele Piloten gefragt: 'Wo ist meine Boxentafel? Wo ist die?' Und wir durften nicht sagen, dass wir sie nur noch vor dem Stopp heraushalten", lacht BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. Der Verantwortliche der Münchener hat am Entertainmentfaktor seinen Spaß und findet die neue Lösung "gut, weil der Fahrer mehr zu tun hat und es spannender wird".

Pitboard

Die Kisten mit den Einzelelementen für Boxentafeln bleiben meist voll Zoom

"Es gibt so Spezialisten, die einfach an ihren Pitboards vorbei hämmern. Dann dauert's auch mal länger bis zum Stopp. Aber genau so etwas wollte man damit auch erreichen. Ist in Ordnung so", schmunzelt Mercedes-DTM-Boss Ulrich Fritz. "Das war gewünscht so. Das bringt etwas mehr Salz in die Suppe, und es macht alles noch ein wenig spannender. Es ist für alle gleich. Auf der anderen Seite kann ich verstehen, wenn die Fahrer ein wenig mehr Informationen haben wollen."

"Es ist so mehr Zirkus als Sport", meint Mattias Ekström, "aber das wollen offenbar viele so. Wir sollen die Leute unterhalten. Aber ob das wirklich gute Unterhaltung ist? Ich jedenfalls finde es schade", erklärt der Schwede. "Es ist seltsam. Ganz so, als würdest du im Auto die ganze Zeit Selbstgespräche führen", findet Mercedes-Youngster Lucas Auer. "Man fährt in einem Rennen, weiß nicht, wo man steht oder wo die anderen unterwegs sind. Man ist die ganze Zeit komplett ahnungslos. Ob das gut ist? Ich weiß nicht ..."

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