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Spengler: "Dafür leben und trainieren wir"

16. Mai 2012 - 13:24 Uhr

Bruno Spengler spricht im Interview über seinen ersten Sieg für seinen neuen Arbeitgeber BMW, seine Ziele für den Rest der Saison und die Motivation eines Rennfahrers

Bruno Spengler
Am Lausitzring feierte Bruno Spengler seinen ersten Sieg für BMW
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com/SID) - Schon beim zweiten Rennen für BMW gelang Bruno Spengler der erste Sieg für sein neues Team. Im Interview blickt der Kanadier auf das Rennen am Lausitzring zurück und spricht über die Stimmung in der neuformierten BMW-Mannschaft. Außerdem erklärt Spengler, was er an Deutschland liebt, was er aus seiner kanadischen Heimat vermisst und warum er die DTM der Formel 1 vorzieht.

Frage: "Herr Spengler, was war am Lausitzring anstrengender - das Rennen oder die Feier danach?"
Bruno Spengler: "Auf jeden Fall das Rennen. Es war ein sehr spezielles Rennen, ein sehr spezielles Wochenende. Nach der ersten Pole seit der BMW-Rückkehr in die DTM waren alle schon sehr glücklich, auch ich. Da waren wir schon sehr zufrieden und dachten, das Rennen wird vielleicht ein bisschen schwierig. Aber wir wollten einfach unser Bestes geben und schauen, wo wir dann am Ende sind. Das Team hat einen tollen Job gemacht, mit so wenig Erfahrung so gute Boxenstopps hinzubekommen, mit so viel Druck von hinten."

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"Denn von der Mitte bis Ende des Rennens war der Mercedes hinter mir ein bisschen schneller. Aber die Jungs an der Boxenmauer haben super reagiert, das Timing hat super geklappt. Gary Paffett hat gehofft, dass ich einen Fehler mache, aber weder das Team noch ich haben einen Fehler gemacht. Als ich die Zielflagge gesehen habe, dachte ich: Wow, ich kann es nicht glauben! Das war wirklich etwas Spezielles. Ich wollte einfach aus dem Auto rausspringen, laufen, rennen und schreien."

Frage: "Wie würden Sie den Sieg für sich einordnen?"
Spengler: "Ich würde ihn mit meinem ersten DTM-Sieg am Norisring 2006 vergleichen. Da war ich auch sehr glücklich. Ein Sieg ist immer speziell für einen Fahrer, dafür leben und trainieren wir. Jetzt noch obendrauf der 50. Sieg für BMW und der erste seit der Rückkehr. Ein wirklich schönes Gefühl."

Frage: "Kann man nach diesem Erfolgserlebnis schon davon sprechen, dass BMW auf Augenhöhe mit Mercedes und Audi ist?
Spengler: "Klar, die ersten beiden Rennen sind sehr gut für uns gelaufen. Doch jetzt werden Rennstrecken kommen, auf denen wir mit unserem Auto noch nie waren, Brands Hatch, Nürburgring, Zandvoort, das könnte ein bisschen schwierig sein. Mercedes ist schon sehr stark im Rennen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir immer siegfähig sind, das ist vielleicht noch ein bisschen früh. Es hat in der Lausitz super geklappt, aber wir müssen jetzt mit den Füßen auf den Boden bleiben und weiter sehr hart arbeiten. Der Wettbewerb in der DTM ist sehr hart."

Frage: "Wie ist die Stimmung im Team bei BMW im Vergleich zu Mercedes?"
Spengler: "Ich würde keinen direkten Vergleich ziehen. Jeder hat seine Art, beides sind professionelle Teams. Ich fühle mich sehr wohl bei BMW und habe mich von Anfang an sehr willkommen gefühlt. Alle Leute sind sehr offen, alle sind sehr motiviert in diesem DTM-Projekt. Ich will mitbringen, was ich mitbringen kann. Für mich ist diese neue Herausforderung sehr motivierend, das ganze Auto über den Winter zusammen mit den Ingenieuren von Anfang an zu entwickeln. Es ist wirklich sehr interessant aus Fahrersicht, mit einem neuen, frischen Auto anzufangen."

Kein Gedanke an den Titel

Frage: "Ist der Titel in diesem Jahr schon drin?"
Spengler: "Ich denke nach zwei Rennen noch nicht an den Titel. Klar, wenn es klappt, ist es mega. Aber jetzt ist nicht die Zeit, an den Titel zu denken. Wir sind beschäftigt mit allem, was wir bei jeder Rennstrecke lernen müssen. Von daher würde ich den Titel erst mal außer Acht lassen. Wir müssen uns von Rennen zu Rennen konzentrieren, alles zu optimieren. Wenn das alles gut läuft, wer weiß, wo wir dann am Ende der Saison stehen."

Frage: "Wer gehört denn für Sie zum Favoritenkreis in dieser Saison?"
Spengler: "Auf jeden Fall Gary, er hat in den ersten beiden Rennen sehr gut gepunktet. Jamie Green ist auch stark unterwegs. Ich denke, Mattias Ekström hatte in den ersten Rennen ein bisschen Probleme, aber war trotzdem da und hat Punkte geholt. Das sind die drei, die ich momentan am stärksten sehe. Es gibt noch 10 bis 13 Fahrer, die Rennen gewinnen können, denn in diesem Jahr haben wir praktisch alle die gleichen Autos. Es gibt keine neuen oder alten Autos mehr. Deshalb ist die DTM sehr stark. Es gab Qualifyings, wo 18 Fahrer innerhalb von acht Zehnteln oder einer Sekunde waren. Das war richtig knapp."

Frage: "Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, sich auf das Projekt BMW einzulassen?"
Spengler: "Ich war sieben Jahre bei Mercedes, habe Siege geholt, war ziemlich erfolgreich, viermal nah an der Meisterschaft und wurde dort auch toll unterstützt. Aber für mich war die Marke BMW immer sehr interessant, für mich war die neue Herausforderung reizvoll. Und BMW hat auch ziemlich viel Interesse gezeigt. Das ist sehr schön für mich, als neue Herausforderung und Motivation. Das ist für einen Rennfahrer etwas sehr Wichtiges, das passiert nicht oft in einem Leben. Ich dachte, diese Chance muss ich jetzt nutzen, wirklich von Anfang an mit einem Hersteller wie BMW anzufangen."

Frage: "Das Interesse an der DTM war ohnehin groß - hat die Rückkehr von BMW das noch einmal zusätzlich angefacht?"
Spengler: "Ich denke, seit BMW zurück ist, ist noch mehr Interesse da. In Hockenheim waren die Tribünen voll. Das war als Fahrer wirklich schön zu sehen, auch im Vergleich zu den Vorjahren. Am Lausitzring auch. Durch diese Begeisterung holst du noch die paar Extra-Zehntel raus."

"Kanada ist mein Zuhause"

Frage: "Fühlen Sie sich im motorsport-verrückten Deutschland eigentlich mittlerweile zuhause?"
Spengler: "Ja, das könnte man fast sagen. Ich habe auch eine deutsche Freundin, ich bin sehr oft in Deutschland unterwegs, fahre die meisten Rennen in Deutschland und kenne die deutsche Kultur ziemlich gut. Von daher fühle ich mich sehr wohl. Aber mir fehlt natürlich auch meine Heimat - Kanada. Wenn ich dort bin, merke ich schon, dass das mein Zuhause ist, dorthin werde ich irgendwann wieder zurückgehen. Aber wenn ich wieder herkomme, dann ist das mein Leben. Rennen fahren, Motorsport, das habe ich alles in Kanada nicht."

Frage: "Was aus Kanada fehlt Ihnen am meisten?"
Spengler: "Der freie Raum, es gibt so viele Orte ohne Häuser, nur Wald und Natur, es ist sehr entspannend und sehr ruhig. Wo ich gewohnt habe, das war in der Mitte vom Nichts. Es war ein guter Ausgleich für mich zwischen den Renn-Wochenenden, an denen es sehr hektisch und laut ist. Das gefällt mir zwar auch, aber nach Hause in die Natur zu kommen, war immer sehr schön für mich. Erholung, Meditieren, Sport machen, ein guter Ausgleich. Das fehlt mir am meisten, neben meinen Freunden natürlich."

Frage: "Am kommenden Wochenende steht das Rennen in Brands Hatch an. Wird es eine schwierige Aufgabe, weil sie dort vorher nicht testen konnten?"
Spengler: "Wir sind mit unserem neuen Auto noch nie in Brands Hatch gefahren. Von daher weiß ich nicht, was zu erwarten ist, ganz ehrlich gesagt. Brands Hatch ist eine sehr spezielle Strecke, es geht sehr viel Berg hoch und runter. Sie ist sehr kurz, es ist schwierig, Reifen und Bremsen auf Temperatur zu bekommen. Das Qualifying ist extrem wichtig dort, weil man nur schwer überholen kann."

Frage: "Träumen Sie als Rennfahrer eigentlich auch noch von der Formel 1?"
Spengler: "Im Moment denke ich nicht so viel daran. Klar, wenn ich irgendwann einen Test bekommen könnte, würde mich das sehr freuen. Aber ich bin zufrieden mit meiner Herausforderung hier bei BMW und sehr motiviert für die gemeinsame Zukunft. Von daher ist Formel 1 nicht so ein großes Thema bei mir. Ich habe die Chance, bei so einem tollen Hersteller wie BMW zu sein. Wir können Rennen gewinnen, wir können das Auto entwickeln. Das macht sehr viel Spaß, mit so einem Team zu arbeiten. Und wenn man in der Formel 1 in den Teams fährt, die ein bisschen hinterherfahren und man an jedem Wochenende keine Chance hat, in die Punkte zu fahren, macht das auch keinen Spaß. Da fahre ich viel lieber in der DTM und habe die Chance, Rennen zu gewinnen."

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