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Mullers gescheiterter Rücktritt: "Wollte der sein, der kein Comeback macht"

Zum eigenen Glück gezwungen: Wieso Yvan Muller zwei Jahre nach seinem Rücktritt wieder Spaß am Rennfahren hat und wie lange er weitermachen will

(Motorsport-Total.com) - Nicht erst seitdem Michael Schumacher 2010 nach drei Jahren Pause in die Formel 1 zurückkehrte ist bekannt, dass Rücktritte im Sport keinen endgültigen Charakter haben müssen. Dieser Erfahrung machte auch der viermalige Tourenwagen-Weltmeister Yvan Muller, der mehr als zwei Jahre nach seinem Abschied aus dem Rennsport auch 2019 wieder Vollzeit als Fahrer für Lynk & Co im Tourenwagen-Weltcup (WTCR) antreten wird.

Yvan Muller

Yvan Muller hat sichtlich wieder Spaß am Rennfahren Zoom

Dabei hatte sich der Franzose fest vorgenommen, nicht schwach zu werden. "Als ich 2016 zurückgetreten bin, wollte ich derjenige sein, der kein Comeback macht", sagt Muller. "Das hat leider nicht geklappt."

Rückblende: Ende 2016 hatte ein in der damaligen Saison mitunter lustlos wirkender Muller seinen Rücktritt aus der damaligen Tourenwagen-WM (WTCC) erklärt - offenbar auch zermürbt von der Dominanz seines damals schier unbezwingbaren Teamkollegen Jose Maria Lopez.

Vollzeit-Comeback 2018 war nicht ganz freiwillig

Doch bald merkt Muller, dass er gegen das "Rennsport-Virus" noch nicht immun ist. "Das Jahr nach dem Rücktritt hat mir wahrscheinlich gut getan, denn die Freude, die ich in den Jahren zuvor nicht mehr hatte, kam zurück", sagt er.

So steigt Muller schon im Laufe der Saison beim damaligen Volvo-Werksteam Cyan Racing ein - zunächst in der Rolle des Beraters und Testfahrers. Als Thed Björk dann Ende 2017 Schützenhilfe im Kampf um den WM-Titel benötigte, kehrte Muller in Katar auch wieder ins Renncockpit zurück.

Doch zu einem Vollzeit-Comeback musste Muller, der 2018 im WTCR unter der Nennung seines eigenen Teams zwei Hyundai i30 N TCR einsetzte, regelrecht genötigt werden. "2018 bin ich die Saison gefahren, weil ich einen Sponsor hatte, der die Saison finanziert hat. Eine seiner Bedingungen war aber, dass ich im Auto sitze. Also habe ich es gemacht", sagt Muller.

Rennen als Auszeit von den Pflichten als Teamchef

"Im Laufe der Saison habe ich dann zu meiner eigenen Überraschung gemerkt, dass ich wieder Spaß habe - auch wenn es eine Menge Arbeit war", so Muller über die Doppelbelastung als Fahrer und Teamchef. "Aber es hat mir Spaß gemacht, vielleicht sogar mehr als zuvor."

Yvan Muller

2019 wird Muller einen der neuen Lynk & Co 03 fahren Zoom

Denn die Trainings und Rennen waren für ihn eine Auszeit von den Pflichten als Teamchef. "Wenn ich im Auto saß, hatte ich meine Ruhe, und keiner hat mich gebeten, dieses oder jenes zu bestellen oder zu bezahlen", sagt er. "Das war schön. Als Cyan mich dann gefragt hat, ob ich weitermachen will, habe ich zugesagt."

Und so fährt Muller 2019 einen der neuen Lynk & Co 03 TCR, die von Cyan Racing eingesetzt werden. Zwar fällt für ihn die Doppelbelastung als Fahrer und Teamchef in diesem Jahr weg, doch an seiner Herangehensweise habe sich nicht viel geändert, sagt der Franzose. "Ich bin bei Cyan nicht nur Fahrer, sondern auch Berater. Ich mache mir daher über Cyan genau so Gedanken wie es bei meinem eigenen Team der Fall war. Der Unterschied liegt nur in der Arbeit, die ich erledigen muss", sagt Muller.

Muller scherzt: Rücktritt mit 100 Jahren?

Dazu gehören auch einige Annehmlichkeiten, durch die sich der Job des angestellten Fahrers von dem des selbständigen Teamchefs unterscheiden. "Im vergangenen Jahr bin ich selbst hierher [Test in Barcelona] gefahren. Dieses Jahr kam ich mit dem Flugzeug, was viel bequemer war", sagt er. "Ich habe dieses Jahr weniger zu tun als im vergangenen Jahr. Die Arbeitsweise ist aber sehr ähnlich."

Wie lange der mittlerweile 49-Jährige dem Rennsport als Fahrer im zweiten Teil seiner Karriere noch erhalten bleiben wird, darauf will Muller sich nicht festlegen. "So etwas wie 2016 wird es nicht mehr geben", blickt er auf seinen ersten Rücktritt zurück. Möglicherweise gibt Mullers Startnummer in der Saison 2019 einen Hinweis darauf. "Vielleicht ist 100 das Alter, indem ich aufhöre", lacht der Franzose.

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