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Lappi beendet 2.394-Tage-Durststrecke: "Ich hatte den Glauben verloren"

Sechseinhalb Jahre nach seinem ersten Sieg feiert Esapekka Lappi in Schweden WRC-Triumph Nummer zwei: Damit hatte der Finne selbst nicht mehr gerechnet

(Motorsport-Total.com) - Am 30. Juli 2017 schien in Jyväskylä ein neuer Stern am Himmel der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) aufzugehen. Esapekka Lappi gewann im Toyota seine Heimrallye - bei seinem erst sechsten Start in der Königsklasse der WRC. Doch was wie ein Märchen begann, wurde für Lappi in den folgenden Jahren zeitweise zum Albtraum - aus dem der Finne am 18. Februar 2024 erwachte.

Titel-Bild zur News: Esapekka Lappi, Elfyn Evans

Esapekka Lappi kehrte in Schweden auf die oberste Stufe des Podiums zurück Zoom

Mit seinem Sieg bei der Rallye Schweden beendete Lappi eine Durststrecke von genau 2.394 Tagen und überraschte damit nicht zuletzt sich selbst. Denn den Traum vom zweiten Sieg in der Rallye-Weltmeisterschaft hatte Lappi zwischenzeitlich schon begraben. "Ich hatte den Glauben daran schon verloren", sagt der Finne im Gespräch mit Autosport, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.

"Am Ende des vergangenen Jahres war ich mir sicher, dass ich nicht mehr gewinnen würde, weil ich nicht einmal wusste, ob ich überhaupt weiterfahren würde", blickt der Finne auf das schwierige Ende der WRC-Saison 2023 zurück. "Vielleicht war genau das der Trick."

Während viele seiner Rivalen in Schweden mit den schwierigen winterlichen Bedingungen zu kämpfen hatten, zeigte Lappi eine fehlerfreie Leistung und war nach dem Ausfall seines Verfolgers Takamoto Katsuta (Toyota) am Samstag ab Mitte der Rallye ohne ernsthafte Konkurrenz. Was die Sache für ihn vor allem mental nicht einfacher machte.

WRC-Karriere mit einigen Tiefschlägen

"Ich bin froh, dass es vorbei ist", sagt Lappi. "Wenn man nicht kämpft, will man einfach nur die Ziellinie sehen, und jetzt, wo ich sie überquert habe, ist alles vorbei." Nach der Zieldurchfahrt fiel die Anspannung von Lappi ab und ein paar Freudentränen kullerten über die Wangen des sonst so coolen Finnen. "Es fühlt sich verdammt gut an. Langsam begreife ich, was das bedeutet", sagte Lappi wenige Stunden nach der Zieldurchfahrt.

Nach seinem ersten Sieg in der Rallye-Weltmeisterschaft erlebte Lappi Jahre mit mehr Rückschlägen als Höhepunkten. Nach seinem fünften WM-Platz 2018 wechselte er zu Citroen, stand dort aber 2019 im Schatten von Sebastien Ogier und dem plötzlichen Rückzug des französischen Herstellers am Ende des Jahres auf der Straße.

Nach einer durchwachsenen Saison 2020 mit M-Sport bestritt Lappi 2021 nur drei WM-Läufe, zwei davon in der WRC2. Mit einem vierten Platz in einem privat eingesetzten Toyota bei seiner Heimrallye in Finnland sicherte sich Lappi jedoch die Rückkehr ins Werksteam von Toyota als Teilzeitpilot.

Abitebouls Vertrauen wird belohnt

2023 wechselte er zu Hyundai, wo er erstmals seit 2019 wieder eine komplette WRC-Saison bestritt. Bei der Rallye Italien stand Lappi kurz davor, seine Sieglosserie zu beenden, musste aber nach einer Teamorder Thierry Neuville den Vortritt lassen. "Letztes Jahr auf Sardinien dachte ich wirklich, dass ich eine Chance haben könnte. Ich wollte kämpfen, aber es sollte nicht sein", blickt Lappi zurück.

Dieser Rückschlag war so etwas wie der Knackpunkt seiner Saison. Es folgte eine schwache zweite Saisonhälfte mit drei schweren Unfällen in vier Rallyes. Viele Beobachter gingen davon aus, dass Lappis Tage bei Hyundai nach der Saison gezählt sein würden.

Esapekka Lappi bei der Rallye Zentraleuropa neben seinem verunfallten Auto

Lappi bei der Rallye Zentraleuropa 2023 neben seinem verunfallten Auto Zoom

Doch Teamchef Cyril Abiteboul schenkte dem Finnen das Vertrauen und nominierte ihn 2024 neben Andreas Mikkelsen und Dani Sordo als Fahrer für das dritte Auto. Und gleich bei seinem ersten Saisonstart zahlte Lappi das Vertrauen zurück. "Ich denke, dieser Sieg wird seine Moral und das Selbstvertrauen des gesamten Teams stärken und zeigt wahrscheinlich, warum er hier ist und warum wir das dritte Auto so besetzt haben", freut sich Abiteboul.

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