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Talladega-Thriller: Kyle Busch gewinnt vor Montoya

Kyle Busch gewann ein Talladega-Rennen der Superlative vor einem bärenstarken Juan Pablo Montoya und seinem Teamkollegen Denny Hamlin

(Motorsport-Total.com) - Das Aarons 499 auf dem Superspeedway von Talladega war ein klassisches Superspeedwayrennen, das alles zu bieten hatte, was die NASCAR so attraktiv macht. Kyle Busch (Gibbs-Toyota) behielt in einem hochspannenden und dramatischen Restrictor-Plate-Finale die Oberhand vor Juan Pablo Montoya (Ganassi-Dodge) und dem zweiten Gibbs-Toyota von Denny Hamlin.

Kyle Busch Juan Pablo Montoya

Kyle Busch bezwang beim Aarons 499 von Talladega Juan Pablo Montoya Zoom

"Vermeide den Big One und suche dir die richtigen Partner", so lautete die Losung der 188 Runden von Alabama, in denen mit Tony Stewart der dritte Gibbs-Toyota die Anfangsphase klar bestimmte. Sein Lieblingspartner der Windschattenschlachten von Talladega heißt bekanntlich Dale Earnhardt Jr. (Hendrick-Chevrolet), der wiederum nicht lange brauchte, um Stewart an der Spitze Gesellschaft zu leisten.#w1#

Earnhardts Teamkollege Jimmie Johnson führte hingegen wieder seine Talladega-Strategie aus dem letzten Herbstrennen vor, und zockelte dem Feld in der Anfangsphase ein wenig hinterher. Das Ziel war klar: Wenn man aufgrund einer suboptimalen Startposition schon nicht ganz vorne an der Spitze mitfahren konnte, dann ging man auf Sicherheitsdistanz zu einer jederzeit in der Luft liegenden Massenkarambolage.

Für Matt Kenseth wiederum ging seine persönliche Horrorsaison 2008 auch in Talladega nahtlos weiter: Der Roush-Pilot erlitt einen Reifenschaden vorne rechts, und schrammte in der Folge die Mauer entlang. Kenseths Ford Fusion musste einen ausgiebigen Reparaturstopp über sich ergehen lassen, und verlor früh viele Runden.

Bärenstarkes Gibbs-Team

Tony Stewart Kyle Busch Denny Hamlin

Tony Stewart, Kyle Busch und Denny Hamlin präsentierten sich extrem stark Zoom

Wie stark die Gibbs-Toyotas in Talladega waren, veranschaulichte Denny Hamlin. Er schob Jamie McMurray (Roush-Ford) binnen drei Runden von Position zwölf aus ganz nach vorne, nur um anschließend die untere Spur einzunehmen und sich selbst in Front zu bringen. Sling-Shot-Run lautet die Fachbezeichnung für dieses klassische NASCAR-Manöver, dass der Camry mit der Startnummer elf nicht zum letzten Mal zeigen sollte.

Diese spektakuläre Aktion war sozusagen der Startschuss für unzählige weitere wilde Bump-Drafts. Zunächst schoben Brian Vickers (Red-Bull-Toyota) und Jeff Gordon unter dem Jubel der knapp 200.000 Zuschauer in Runde 40 Publikumsliebling Earnhardt Jr. in Führung. Jack Roush verlor dagegen nach Kenseth früh ein zweites Auto, denn der dreifache Saisonsieger Carl Edwards musste kurz darauf unter grüner Flagge an die Box. Der dreifache Saisonsieger sollte im weiteren Rennverlauf noch zwei weitere Reifenschäden erleiden und keine Rolle spielen können.

Jetzt war echtes Talladega-Racing angesagt: Die Führung wechselte alle paar Sekunden, in drei, teilweise sogar vier verschiedenen Kolonnen schoben sich die Sprint-Cup-Piloten gegenseitig munter an die Spitze. Paul Menard, Brian Vickers, Juan Pablo Montoya, Ryan Newman, Kevin Harvick - alle hatten auf der Ziellinie einmal die Nase im Wind, und sammelten so fünf Bonuspunkte für eine Führungsrunde ein.

Kyle Busch und Vickers sorgten dann für Aufregung beim Tankstopp unter grüner Flagge: Der Gibbs-Pilot verpasste seine Box, und musste eine zusätzliche Runde um den 2,66 Meilen langen Superspeedway drehen, während Vickers seinen Red-Bull-Toyota am Boxenausgang in einen Dreher schickte, und so zeitweise viel Boden verlor.

Stewart im Reifenpech

Tony Stewart

Tony Stewart und sein lädierter Toyota Camry - wieder kein Glück Zoom

Vorne war es immer wieder der gut aufgelegte Hamlin, der jetzt in erster Linie seinen Teamkollegen Stewart in die Spitzenposition beförderte, und so der Hendrick-Fraktion um Earnhardt Jr. und Jimmie Johnson, der seine anfängliche Defensivtaktik inzwischen aufgegeben hatte, die Stirn bot.

Gibbs gegen Hendrick, einige der prominenten Roush-Piloten in Problemen und die Childress-Chevys wie immer unauffällig - so lautete das kurzweilige Talladega-Zwischenfazit, als sich die Rennhalbzeit näherte. Earnhardt Jr. lag vor Stewart und Hamlin, der sich jedoch mit einem kleinen Problem herumschlug: Sein rechter Gasfuß drohte ihm einzuschlafen.

Egal welcher Pilot in der Folge kurzzeitig die Spitze innehatte, über kurz oder lang tauchte immer wieder dieses Trio ganz vorne auf. Das änderte sich jedoch abrupt, als plötzlich auch Stewart mit einem kaputten Goodyear-Slick die Mauer entlang rutschte.

Stewart verlor zwar zunächst keine Runde, fiel aber später bis auf Platz 38 zurück, während vorne das "Führung-Wechsel-Dich-Spiel" munter weiterging. Ein bis dato extrem starker Paul Menard (DEI-Chevrolet) war dann das Opfer einer Bump-Draft-Aktion der plötzlich vorne versammelten Dodge-Armada, und verabschiedete sich mit einem wilden Dreher aus der Spitzengruppe - Penske-Pilot Newman, Franchitti-Ersatzmann David Stremme und Montoya waren die Übeltäter.

Turbulentes Finale in Talladega

Paul Menard

Paul Menard konnte seinen DEI-Chevy gerade noch einmal abfangen Zoom

Dann kam es doch noch zum so gefürchteten "Big One", und ausgerechnet zwei Superspeedway-Haudegen lösten die erste von zwei Massenkarambolagen aus: Earnhardt Jr. und Stewart gerieten im Pulk leicht aneinander, und Bobby Labonte wurde genauso wie Martin Truex Jr., Kurt Busch und Jamie McMurray unschuldig verwickelt.

Fünf Runden vor dem Ende hatten noch knapp 30 (!) Piloten Siegchancen - Michael Waltrip, Jimmie Johnson, Kyle Busch, Juan Pablo Montoya und Jeff Gordon lauteten die Top 5. Johnson schob erst Waltrip aus dem Weg und übernahm so kurzzeitig, aber zu früh die Führung. Denn wenige Sekunden später wurde Kyle Busch von Jeff Gordon, Montoya, dessen Teamkollegen Stremme, sowie Denny Hamlin unwiderstehlich in Front geschoben, bevor sich die Ereignisse überschlugen.

Denn erst drehte sich Michael McDowell (Waltrip-Toyota), wenige Sekunden danach ereignete sich in der allerletzten Runde eine zweite, massive Massenkarambolage in Turn 2, weswegen die Reihenfolge eingefroren wurde, und das Rennen unter Gelb als beendet erklärt wurde - Auslöser waren übrigens Earnhardt Jr. und Jamie McMurray.

Montoya saß zu diesem Zeitpunkt im Sandwich zwischen den beiden Joe-Gibbs-Toyotas von Kyle Busch und Denny Hamlin, doch der kampfesfreudige Kolumbianer sollte keine Zeit mehr für einen allerletzen Angriff haben. Auch für Kyle Busch und Hamlin sollte es nicht mehr für eine mögliche Zusammenarbeit gegen den Kolumbianer reichen.

Montoya im Gibbs-Sandwich Zweiter

Kyle Busch

Kyle Busch bejubelt in Talladega seinen zweiten Saisonsieg im Sprint Cup Zoom

So gewann Kyle Busch schließlich vor Montoya und Hamlin. Vierter wurde der beste Roush-Ford von David Ragan vor Brian Vickers (Red-Bull-Toyota) und Travis Kvapil im finanzschwachen Yates-Ford. Casey Mears endete als bester Hendrick-Chevrolet auf Position sieben vor Ryan Newman (Penske-Dodge), Clint Bowyer (Childress-Chevrolet) und Dale Earnhardt Jr.

Das weitere Klassement ist aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse in der letzten Runde als hoch inoffiziell zu erachten, deswegen hat auch die derzeitige Sprint-Cup-Gesamtwertung nur temporären Charakter. Dort führt nach wie vor Jeff Burton - heute Zwölfter - vor Kyle Busch und Dale Earnhardt Jr.

Den größten Satz nach vorne machte aber Juan Pablo Montoya, der sich von Gesamtrang 17 bis auf Platz zwölf schieben konnte. Allerdings ist diese Platzierung - die zum Einzug in den NASCAR-Chase berechtigen würde - mit einigen Fragezeichen zu betrachten, da Kasey Kahne nur einen Punkt hinter dem Kolumbianer rangiert. Und ob dessen 23. Platz am Montagabend auch offiziell bestätigt wird, muss zunächst abgewartet werden.

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