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MotoGP-Test Misano: Bestzeit Marini - Honda und Yamaha im Fokus

Luca Marini markiert beim MotoGP-Test in Misano die Bestzeit - Honda und Yamaha testen Prototypen für 2024 - Auch KTM und Aprilia mit Updates

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Grand-Prix-Wochenende in Misano stand auf gleicher Strecke an diesem Montag ein offizieller MotoGP-Testtag an. Von 9 bis 12:45 und 14 bis 18 Uhr war die Strecke bei trockenen und sonnigen Bedingungen freigegeben.

Titel-Bild zur News: Marc Marquez auf dem ersten Honda-Prototypen für 2024

Marc Marquez auf dem ersten Honda-Prototypen für 2024 Zoom

Insgesamt 18 Fahrer rückten im Laufe des Tages aus. Francesco Bagnaia und Marco Bezzecchi verzichteten auf eine Teilnahme, um sich nach einem schmerzhaften, aber erfolgreichen Rennwochenende von ihren Verletzungen aus Barcelona zu erholen. Auch Fabio Di Giannantonio, der am Samstag gestürzt war, setzte aus.

Mit Alex Rins und Enea Bastianini fehlten zwei weitere Stammfahrer verletzungsbedingt. Rins kuriert seinen Beinbruch aus, den er sich im Italien-Sprint zuzog. Bastianini fällt nach seinem Crash in Barcelona ebenfalls für längere Zeit aus.

Von den Testfahrern war am Montag nur Stefan Bradl für Honda unterwegs. Er hatte bereits im Rahmen seines Wildcard-Einsatzes am Wochenende neue Teile getestet.

Die Zeiten

Das Klassement des Tests führte Luca Marini (VR46-Ducati) mit einer Zeit von 1:30.602 Minuten an. Damit lag er nur zwei Zehntel über dem Streckenrekord von Jorge Martin aus dem Qualifying. Maverick Vinales (Aprilia/+0,234 Sekunden) wurde Zweiter. Brad Binder (KTM/+0,552) belegte den dritten Rang.

Misano-Doppelsieger Martin (Pramac-Ducati) wurde Vierter. Jack Miller (KTM) komplettierte die Top 5. Auf den restlichen Top-10-Plätzen reihten sich Fabio Quartararo (Yamaha), Miguel Oliveira (RNF-Aprilia), Franco Morbidelli (Yamaha), Alex Marquez (Gresini-Ducati) und Raul Fernandez (RNF-Aprilia) ein.

Honda-Pilot Marc Marquez belegte mit einem Rückstand von 0,973 Sekunden Platz 14. Wirklich repräsentativ sind diese Testzeiten aber freilich nicht.

Honda

Die meiste Aufmerksamkeit galt beim Test vor allem den japanischen Herstellern Yamaha und Honda, die mit ihren Innovationen einen Weg aus der aktuellen Krise suchen und die Lücke zur europäischen Konkurrenz zu schließen versuchen.

Dabei richtet sich ihr Blick bereits auf 2024. Bradl testete am Wochenende einen ersten Prototypen der nächstjährigen Honda, von dem am Montag je ein Exemplar in der Garage von Marc Marquez und Joan Mir stand, um Vergleichstests zu fahren.

Das neue Motorrad - noch ohne aktualisierten Motor - ist niedriger und hat einen längeren Radstand. Dabei scheint Honda dem Konzept eines Bikes mit niedrigerem Schwerpunkt zu folgen, das wir von Ducati, KTM und Aprilia kennen. Das Kalex-Chassis wurde zugunsten eines Honda-Chassis wieder verworfen.

Das erste Fazit von Marc Marquez fiel jedoch ernüchternd aus: "Wenn das die Basis des Motorrads ist, sind wir noch weit entfernt. Wir müssen noch weiterarbeiten und viele Dinge ändern." Lobend erwähnte er aber die vielen neuen Ingenieuren in der Honda-Garage, darunter auch ein Aerodynamiker aus der Formel 1.

Yamaha

Bei Yamaha testete Fabio Quartararo einen neuen Motor (immer noch ein Reihenvierzylinder), ein neues Chassis und ein neues Aerodynamik-Paket mit deutlich größeren Frontflügeln. Teamkollege Franco Morbidelli testete das neue Chassis, bekam aber sonst keine neuen Teile für 2024, da er das Team Ende des Jahres verlässt.

Luca Marmorini war in der Yamaha-Garage anwesend. Der ehemalige Motoreningenieur von Ferrari in der Formel 1 war maßgeblich an der Entwicklung des neuen Motors beteiligt.

Neue Aero bei Fabio Quartararo

Das neue Aerodynamik-Paket am Motorrad von Fabio Quartararo Zoom

Für Freudensprünge sorgte das Update bei Quartararo allerdings nicht. "Ich habe von diesem Test mehr erwartet, aber wir müssen positiv bleiben und analysieren, was wir bis zum Valencia-Test verbessern können", sagt der Yamaha-Pilot.

"Über den Motor kann ich noch nicht viel sagen. Ich muss noch mehr testen. Aber wie gesagt, ich habe mehr erwartet. Das Gefühl ist anders, aber ich habe mehr Power erwartet."

KTM

KTM ließ seine Stammfahrer das neue Carbon-Chassis testen, mit dem Pedrosa am vergangenen Rennwochenende zweimal Vierter geworden war. Miller fuhr damit am Vormittag, Binder am Nachmittag. Und das allgemeine Feedback war gut.

Weil KTM dieses Chassis bisher aber nur in Misano getestet hat, wäre es ein zu großes Risiko, es gleich beim nächsten Rennen zum Einsatz zu bringen. Doch aus den Reihen von KTM war zu hören, dass in den letzten Rennen zum Einsatz kommen könnte, wenn Binder gar keine WM-Chance mehr haben sollte.

Neben dem Chassis wurden auch eine neue Seitenverkleidung und eine erste Weiterentwicklung des Motors für 2024 getestet. "Ich bin bereits schneller als am Wochenende, und das mit dem Medium-Reifen. Mit den Fortschritten bin ich soweit zufrieden", sagte Miller zur Mittagspause. Er hatte in Misano keine Punkte gesammelt.

Pol Espargaro konzentrierte sich auf die Arbeit am Set-up. Nach seiner Verletzungspause hatte sich der GasGas-Pilot bisher an der Abstimmung von Binder orientiert.

Brad Binder

Brad Binder testete auch eine neue Seitenverkleidung Zoom

Sein Test wurde jedoch durch einen Sturz unterbrochen. Vibrationen hatten dazu geführt, dass die Bremszange nicht richtig griff: "Ich hatte keinerlei Bremse. Ich zog viermal am Hebel, aber es passierte nichts und ich musste abspringen. Aber ich bin okay."

Aprilia

Das Aprilia-Duo testete eben Elektronikupdates vor allem ein neues Aluminium-Chassis. Das Carbon-Chassis, an dem auch Aprilia arbeitet, soll von Testfahrer Lorenzo Savadori erst noch weiterentwickelt werden, bevor es an die Stammfahrer geht.

"Das Chassis ist flexibler. Es ist nicht schlechter, aber auch nicht besser als das aktuelle. Es ist einfach anders", sagt Aleix Espargaro über die Weiterentwicklung. Sie wird in den nächsten Rennen aber nicht zum Einsatz kommen, sondern diente mehr als Vorbereitung auf den Valencia-Test am Ende dieser Saison.

"Ich denke, unser aktuelles Paket ist gut genug, um um den Sieg zu kämpfen. Ich würde daran nichts ändern. Es ist besser, uns auf das zu konzentrieren, was wir haben", betont Espargaro. Einen Sturz in Kurve 13 überstand er unverletzt. Der Spanier war bereits am Freitag gestürzt und hatte dabei ein Schleudertrauma erlitten.

Aleix Espargaro stürzt

Aleix Espargaro stürzte mit dem neuen Chassis, blieb aber unverletzt Zoom

RNF-Aprilia-Pilot Miguel Oliveira hat am Montag zum ersten Mal das 2023er-Motorrad testen dürfen, das normalerweise von Testfahrer Savadori verwendet wird. Der italienische Hersteller erhofft sich davon weiteres nützliches Feedback.

Ducati

Da Ducati beim Montagstest ohne seine beiden Werkspiloten auskommen musste und Johann Zarco keine neuen Teile mehr bekommt, weil er Pramac Ende 2023 verlässt, kam die Testarbeit in erster Linie Jorge Martin zu. Er widmete sich laut Gigi Dall'Igna einigen Ducati-Innovationen, um die Entwicklungsrichtung für Valencia zu bestimmen.

Martin probierte auch das verbesserte Startsystem von Ducati aus. Es wurde in Spielberg von Francesco Bagnaia erstmals genutzt und erwies sich dort sofort als effektiv. Der Italiener feierte dort zwei überlegene Start-Ziel-Siege.


Fotos: MotoGP: Montagstest in Misano


Michelin

Auch von MotoGP-Reifenausrüster gab es Arbeit für die Fahrer. Zusätzlich zu den Hinterreifen vom Rennwochenende gab es zwei neue Hinterreifen mit anderen Mischungen. Der Fokus bei dieser Entwicklung liegt auf einer konstanten Performance. Dazu gab es einen Vorderreifen mit einer neuen Mischung.

Bei diesem Reifen liegt der Fokus auf 2025, wenn Michelin einen komplett neuen Vorderreifen bringt, um auf die Belastungen der Aerodynamik zu reagieren. Die Konstruktion und Karkasse dieses neuen Vorderreifens war hier noch nicht im Einsatz.

Michelin hat sich bewusst dazu entschieden, nicht zu viele Variablen gleichzeitig zu probieren. Deshalb wurde in Misano nur die neue Mischung getestet. Die neue Karkasse kommt voraussichtlich beim Wintertest im Februar zum Einsatz.

Die Montagstestzeiten in Misano:
01 Luca Marini (VR46-Ducati) - 1:30.602 Minuten (88 Runden)
02 Maverick Vinales (Aprilia) +0,234 Sekunden (82)
03 Brad Binder (KTM) +0,552 (68)
04 Jorge Martin (Pramac-Ducati) +0,566 (63)
05 Jack Miller (KTM) +0,573 (75)
06 Fabio Quartararo (Yamaha) +0,575 (91)
07 Miguel Oliveira (RNF-Aprilia) +0,630 (65)
08 Franco Morbidelli (Yamaha) +0,699 (76)
09 Alex Marquez (Gresini-Ducati) +0,735 (67)
10 Raul Fernandez (RNF-Aprilia) +0,760 (75)
11 Aleix Espargaro (Aprilia) +0,779 (61)
12 Takaaki Nakagami (LCR-Honda) +0,832 (87)
13 Johann Zarco (Pramac-Ducati) +0,890 (55)
14 Marc Marquez (Honda) +0,973 (63)
15 Augusto Fernandez (Tech3-GasGas) +1,084 (77)
16 Joan Mir (Honda) +1,085 (72)
17 Pol Espargaro (Tech3-GasGas) +1,242 (39)
18 Stefan Bradl (Honda) +1,544 (38)

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