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Rene Binder: "Das ist hier mit Europa gar nicht vergleichbar"

Rene Binder steht kurz vor seinem ersten IndyCar-Einsatz - Wie er die Testfahrten absolviert hat und wovon er in St. Petersburg ausgebremst werden könnte

(Motorsport-Total.com) - Das lange Warten hat ein Ende: Mit der IndyCar-Saison 2018 an diesem Wochenende startet auch für Rene Binder und das Juncos-Team eine neue Ära. Der Österreicher hat zuletzt in Sebring zum ersten Mal im Leben ein IndyCar pilotiert und dabei einen überraschend starken Eindruck hinterlassen. Ohne jegliche Erfahrung und mit einem frischen Reifensatz weniger als alle anderen konnte er die Zeiten des deutlich erfahreneren Ex-Formel-1-Piloten Max Chilton mitgehen, der zudem mehrere Tage im Vorfeld getestet hatte.

Rene Binder

Rene Binder steht nach nur 1,5 Testtagen vor seinem IndyCar-Debüt Zoom

Der IndyCar-Zirkus startet nun in St. Petersburg in Florida seinerseits in eine neue Ära. (Zur großen IndyCar-Saisonvorschau!) Mit einer komplett neuen Optik und zahlreichen Neueinsteigern (Binder ist einer davon) wird eine neue Zeit eingeläutet. Die Stimmung im Fahrerlager ist gut, denn nach zehn Jahren Stillstand seit der Wiedervereinigung von IRL und ChampCar stehen die Zeichen nun erstmals auf Aufschwung. Die richtige Zeit zum Einstieg...

Frage: Die erste brennende Frage gleich vorweg - wie fühlt sich das neue Indycar an?
Rene Binder: "Extrem gut. Das Handling fühlt sich sogar noch besser an als beim World-Series-Auto und der Biturbo von Chevrolet hat Drehmoment ohne Ende. Ein solches Auto auf diesen extrem unebenen amerikanischen Rennstrecken zu fahren, ist mit dem, was wir aus Europa kennen, überhaupt nicht vergleichbar. Als ich auf dem Rückflug nach Europa gelesen habe, dass man nach den Formel-1-Tests in Barcelona gerade die letzte Bodenwelle entfernt hat, habe ich schmunzeln müssen. Hier zieht man auf die Bodenwellen einfach eine schöne Gummispur."


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Frage: Wie schwierig ist es für einen Europäer, sich an solche Bodenwellen zu gewöhnen?
Binder: "Um ehrlich zu sein, habe ich mich relativ rasch daran gewohnt, aber es ist eben eine völlig andere Sportart. Entweder man mag sie oder man kommt damit eben nicht zurecht. Mich reizt vor allem die Herausforderung, so viel Leistung auf normalen Asphaltstraßen und teilweise sogar auf Beton zu kontrollieren."

Will Power ganz entspannt: "Komm einfach vorbei"

Frage: Du hast die Stars der Indycar-Serie bereits auf der Strecke beobachten können. Wie groß ist dein Respekt vor Scott Dixon, Will Power oder Joseph Newgarden?
Binder: "Das sind Top-Fahrer, die man zu den Besten der Welt zählen muss. Trotzdem sind sie auch völlig entspannte Typen ohne Starallüren. Will Power und Graham Rahal habe ich schon persönlich kennengelernt. Die haben auch gleich gesagt, dass ich jederzeit gerne vorbeikommen kann, wenn ich irgendwo ein Problem habe."

Frage: Du bist genau genommen der erste Österreicher seit Jochen Rindt, der in der IndyCar Serie fährt. Erhöht das den Druck nicht noch einmal zusätzlich?
Binder: "Überhaupt nicht. Ich habe in Sebring mit Juncos Racing sehr gut gearbeitet, aber wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass ich nur einen Testtag zur Verfügung hatte, um mich auf St. Petersburg einzuschießen. Das ist so gut wie gar nichts."

Rene Binder

Die Testfahrten in Sebring liefen besser als erwartet Zoom

Frage: Umso erstaunlicher, dass du nur acht Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Josef Newgarden verloren hast und bereits einige Profis hinter dir lassen konntest...
Binder: "Das hat uns selbst überrascht. Wir haben als Neueinsteiger auf jeden Fall das Maximum herausgeholt und auch das Auto deutlich weiterentwickeln können. Ob und wie sich das jetzt auf dem Stadtkurs von St. Pete auswirkt, werden wir dann am nächsten Wochenende sehen. Im Nachhinein betrachtet gibt es keine bessere Vorbereitung als das Auto, das ich die vergangenen beiden Jahre in der World Series gefahren bin."

Frage: Was sind deine Ziele für St. Petersburg?
Binder: "Ich hatte in den letzten Tagen mit einer Grippe zu kämpfen und muss zunächst wieder zu 100 Prozent einsatzfähig werden. Unabhängig davon geht es jetzt einmal darum, dieses 2-Stunden-Rennen zwischen Betonmauern und Reifenstapeln zu beenden. Das heißt, ich werde versuchen, möglichst viel zu lernen und eher etwas konservativer an die Sache herangehen. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich nur hinterher fahren möchte. Ich werde versuchen, wie schon beim Test ohne Brechstange vorzugehen und mich Schritt für Schritt zu steigern. "

Top-Motorsport auf Amerikanisch: 60 Dollar für ein Paddock-Ticket

Frage: Kann man St. Pete eigentlich mit Monaco vergleichen?
Binder: "Die Atmosphäre am Hafen ist schon irgendwie vergleichbar, aber St. Pete ist doch etwas schneller und eine echte Rüttelpiste. Ich war dort neulich schon für die IndyCar Series im PR-Einsatz und habe ein paar TV-Reporter in einem eigens dafür umgebauten Doppelsitzer gemütlich herumchauffiert. Wenn ich dann mit über 300 km/h unterwegs bin, wird sich das aber noch einmal ganz anders anfühlen. Ich kann es kaum mehr erwarten, am Freitag wieder ins Auto zu steigen."

Frage: Häufig hört man in den USA von einer anderen Mentalität. Kannst du uns ein Beispiel geben, was diese "lockerere Art" konkret bedeutet?
Binder: "Die Leute sind einfach sehr zugänglich und verstehen, dass dieser Sport am Ende von den Fans lebt. Da wird niemand ausgesperrt und wer einmal seine Lieblingsfahrer aus nächster Nähe bei ihrer Arbeit beobachten möchte, kauft sich für umgerechnet 60,- Euro ein Paddock-Ticket fürs ganze Wochenende. "


Fotostrecke: Die IndyCar-Fahrer 2018 und ihre Helme

Frage: Planst du ein längerfristiges Engagement in Amerika?
Binder: "Ich denke momentan noch nicht über die Saison 2018 hinaus, kann es mir aber durchaus vorstellen."

Frage: Was hälst du von IndyCars Idee, künftig die Leistung um 150 PS zu steigern?
Binder: "Bei mehr Leistung wird ein Rennfahrer immer 'ja' sagen, wobei ich euch garantieren kann, dass sich 700 PS in Sebring oder Saint Petersburg etwas anders anfühlen als in Abu Dhabi oder Bahrain."

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